Heinz Schulthess hat die gleichnamige Metzgerei bisher als Einzelfirma geführt. Den Dienst an der Front überlässt er seit vier Jahren ohnehin seinem Betriebsleiter Roland Brun. Schulthess hat jedoch das Pensionsalter erreicht, eine Nachfolge drängte sich auf, sollte der Betrieb überleben oder nicht wie zahlreiche Metzgereien zuvor aus dem Stadtbild verschwinden.

Seit vergangener Woche ist klar, dass Brun den Betrieb weiterführt. Er gründete zusammen mit seiner Frau die Metzgerei Schulthess AG. Ab 1. November wird er offiziell das Geschäft übernehmen, am 1. Dezember wird die Kundschaft speziell begrüsst.

Das Besondere: Brun kann auf die Unterstützung eines Metzgerkollegen zählen. Dieser ermöglicht ihm die Übernahme finanziell. Der Geldgeber, selbst Inhaber eines Fleischerbetriebs, sagt im Gespräch, es sei ihm wichtig, dass es in Basel möglichst noch von Inhabern geführte Metzgereien gebe.

Andere Essgewohnheiten, massiver Druck

Vor über zwanzig Jahren habe er selbst davon profitiert, dass ihm ein Freund aus der Branche Geld gegeben habe, um sich selbstständig zu machen. Jetzt sei es eben an ihm, einen solchen Start zu ermöglichen. Er wolle weder Mitsprache im Geschäft, noch Einblick in die Geschäftsbücher, sondern lediglich die Rückzahlung des Darlehens im Verlauf der nächsten Jahre.

Die Probleme inhabergeführter Metzgereien sind bekannt: Sie stehen unter mehrfachem Druck. Die veränderten Essgewohnheiten gehen zulasten des Fleischkonsums. Das Angebot wird zudem von den Grossverteilern dominiert. Gleichzeitig herrscht ein Mangel an Fachkräften, da sich kaum Metzgerlehrlinge finden. Und wenn ein Generationenwechsel ansteht, fehlt es oft an Kapital.

Der Verband schrumpft

Der Metzgermeisteverband beider Basel zählt lediglich noch zwanzig Firmen. Nur drei davon haben ihren Sitz in Basel-Stadt, und die Metzgerei Schulthess ist die einzige dieser drei mit einer festen Niederlassung. Kein eigentlicher Basler Betrieb ist die Metzgerei Kuhn beim Marktplatz. Der kleine Laden, der Tout Bâle mit Frischfleisch versorgt, gehörte nach Aufgabe der Selbstständigkeit zunächst zur Bell-Gruppe, die wiederum ein Teil des Coop-Konzern ist. 2004 kam Kuhn mit dreizehn weiteren Bell-Filialen im Rahmen eines Management-Buy-out zur Luzerner Kauffmann-Metzgerei. Dieser Grossist führt und beliefert derzeit 16 Filialen in sieben Kantonen.

Dem Schwund an Metzgereien in Basel ist dieses Jahr bereits die Metzger-Stiftung zum Opfer gefallen. Die 80-jährige Institution hatte zum Zweck, den Nachwuchs zu fördern, das Berufsansehen zu steigern sowie soziale Einrichtungen des Verbandes zu unterstützen. Der letzte Anspruchsberechtigte verstarb allerdings im Sommer 2017. Nun wird die Stiftung liquidiert.