Was ist der Unterschied zwischen dem Vogel Gryff und der Basler Regierung? Der Vogel Gryff hat schon einen neuen Kopf, die Basler Regierung sucht noch. Und nach diesem zugegebenermassen eher flachen Witz zum ernsten Kern der Sache. Fest steht, in der Basler Regierung werden zwei Sitze frei, jener von Guy Morin und damit auch das Präsidium und jener von Christoph Eymann. Fest steht ebenfalls, Rot-Grün will seine Mehrheit halten und die Bürgerlichen wollen diese zurückerobern.

Die bürgerliche Einigkeit scheint möglich

Des Weiteren scheint diesmal alles auf das hinauszulaufen, was bei den letzten Wahlen nie möglich war, eine gemeinsame bürgerliche Liste, auf der auch die SVP mittun darf. Und da fangen die Probleme an. Wollen die Bürgerlichen mit vier Kandidaten ins Rennen steigen, sind FDP und CVP fein raus: Bei ihnen treten die Bisherigen Lukas Engelberger und Baschi Dürr wieder an. Bei der LDP wird von allen Seiten Conradin Cramer herumgeboten, darob geht vergessen, dass Parteipräsidentin Patricia von Falkenstein ihr Interesse bereits vor längerer Zeit angemeldet hat.

Da aber die SVP mittun soll, kann die LDP kaum auf zwei Plätze auf dem Vierer-Ticket hoffen, auch wenn sie aus den Nationalratswahlen als Siegerin hervorgegangen ist. Und wer kandidiert für die SVP? Ich wiederhole mich gerne, ich kann mit den ganzen Spekulationen um irgendwelche Quereinsteiger nur sehr wenig anfangen. Bereits kandidiert in vergangenen Jahren haben Patrick Hafner und Lorenz Nägelin. Insbesondere Nägelin erscheint als valabler Kandidat und er erklärt auf Anfrage wie so viele: «Für mich ist alles offen».

Nägelin wäre mit Sicherheit ein für alle übrigen Bürgerlichen akzeptabler Kandidat – natürlich mit Ausnahme von Baschi Dürr, der mit ihm schon länger im Streit liegt. Ein ähnliches Problem würde sich bei Rot-Grün auftun, sollte dort Michael Wüthrich nominiert werden. Wie man den Grünen und seinen Intimfeind Hans-Peter Wessels (SP) auf ein Bild kriegen will, ohne dass das unfreiwillig komisch wird, ist eine Frage, die nur ein hervorragender Werbefachmann lösen kann.

Der Kampf innerhalb des Grünen Bündnisses

Das führt zur Frage, wer neben den SP-Vertretern Christoph Brutschin, Eva Herzog und Wessels noch antreten wird. Die Grünen erheben Anspruch auf Morins Sitz und haben bereits vier Kandidatennamen in den Raum gestellt. Die Grossräte Wüthrich und Thomas Grossenbacher sowie die letztjährige Grossratspräsidentin Elisabeth Ackermann und die Präsidentin der Riehener Grünen Marianne Hazenkamp. Aber auch die Linksaussen-Partnerin Basta will in die Regierung. Ermutigt dadurch, dass sie bei den Nationalratswahlen die Fraktionspartnerin, also die Grünen, geschlagen hat. Hier steht sicher Heidi Mück im Vordergrund. Ob die Basta schafft, womit die Grünen ihre liebe Mühe haben, nämlich den Regierungskurs nicht permanent mit Referenden zu unterlaufen, wäre die nächste Frage. Die Idee, die Mehrheit auf fünf Sitze auszubauen, ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament absurd.

Präsidieren muss ein Bisheriger, kein Neuzugang

Ob eine dieser Personen, denen allesamt Exekutiv-Erfahrung und Führungserfahrung abgeht, auch die für das Präsidentenamt nötigen Fähigkeiten mitbringt, ist sehr fraglich. SVP-Präsident Sebastian Frehner hat recht, wenn er findet, ein Bisheriger solle dieses Amt übernehmen. Denn wer neu ins Gremium kommt, muss sich erst einmal zurecht finden. Die Regierung aus dem Stand auch gleich anzuführen ist da etwas hoch gegriffen. Und das bringt uns zur Frage, wer von den Bisherigen denn für das Präsidentenamt geeignet wäre. Sie könnten es wohl alle – nur, wer will es auch? Eva Herzog (SP) und Lukas Engelberger (CVP) sind beide eher die spröden Arbeiter. Ob sie sich wohlfühlen würden in der Rolle des Repräsentanten ist fraglich. Baschi Dürr hat bereits einmal kandidiert, hält jetzt aber mit seinen Absichten hinter dem Berg. Hans-Peter Wessels wäre mit seiner jovialen Art sicher die offensichtlichste Kandidatur. Er ist Mr. Volksnah. Aber eben auch der meistgescholtene der Regierungsräte. Ob er sich noch mehr ins Fadenkreuz der Kritiker und Giftspritzen bringen will, ist fraglich.

Da bleibt noch Christoph Brutschin. Der Wirtschaftsdirektor hat eine gute Bilanz aufzuweisen, ist über die Parteigrenzen hinaus geachtet und ein umgänglicher Mensch. Ob er Regierungspräsident werden will, ist nicht bekannt. Aber er wäre vermutlich die beste Wahl.