Bethesda Park

Nachfrage nach Alterswohnungen ist riesig: Bethesda-Neubau ist schon vor Eröffnung ausgebucht

Der Bethesda Park kombiniert 62 Alterswohnungen mit vier Arztpraxen und einem Geburtshaus. Die Bauarbeiten dauern bis kurz vor der Eröffnung.

Der Bethesda Park kombiniert 62 Alterswohnungen mit vier Arztpraxen und einem Geburtshaus. Die Bauarbeiten dauern bis kurz vor der Eröffnung.

Am Samstag eröffnet die Bethesda-Stiftung ihre Alterssiedlung «Bethesda Park». Doch die 62 Wohnungen sind längst belegt, 300 Namen lang ist die Warteliste. In Basel-Stadt ist die Nachfrage nach solchen Alterswohnungen weit grösser als das Angebot.

Es ist eine Realität: Die meisten Menschen gehen heute erst im allerletzten Moment in ein Alters- und Pflegeheim. Im Durchschnitt beträgt die Aufenthaltsdauer noch zweieinhalb Jahre. So lange wie möglich wollen Seniorinnen und Senioren in den eigenen vier Wänden wohnen. Das ist allerdings nicht immer einfach. Zu schlecht sind die meisten Wohnungen auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten. Deshalb hat sich ein Markt entwickelt, der immer stärker boomt: jener der Alterswohnungen.

Über 1700 Alterswohnungen in 42 verschiedenen Siedlungen gibt es unterdessen im Kanton Basel-Stadt, wie der Verein Zusammenarbeit Alterssiedlungen Region Basel (Zabs) erhoben hat. Nicht einmal eingerechnet sind dabei Wohnungen, die auf dem Markt als «altersgerechtes Wohnen» angeboten werden. «Wir erfassen nur Angebote des ‹betreuten Wohnens›», stellt Zabs-Geschäftsstellenleiterin Sandra Bugmann klar.

Während es für altersgerechtes Wohnen schon genügt, wenn die Wohnungen rollstuhlgängig sind, geht es beim betreuten Wohnen um viel mehr. «Hier steht der Siedlungsgedanke im Zentrum», sagt Bugmann. Meist gibt es eine Siedlungsleitung, eine Kontaktperson vor Ort, eine 24-Stunden-Notrufbereitschaft ist sicher gewährleistet, aber auch diverse Aktivitäten und Serviceleistungen. Bugmann: «Das Ziel ist, dass die Bewohner gar nicht mehr für die letzten Jahre in ein Pflegeheim umziehen müssen.»

Mehr als bloss Alterswohnungen

Die Nachfrage ist riesig. Sie übersteigt das Angebot bei weitem. Laut Zabs-Statistik sind bloss fünf Wohnungen in Basel-Stadt frei. Berücksichtigt man, dass im Kanton rund 40'000 der 200'000 Menschen über 65-jährig, davon die Hälfte gar über 75-jährig sind, wird das Potenzial dieses Marktes klar.

Dieser Tage kommen nun 62 Alterswohnungen dazu. Am Samstag eröffnet der «Bethesda Park». Für 35 Millionen Franken hat die Stiftung Diakonat Bethesda auf ihrem Areal im Gellertquartier ein achtstöckiges Gebäude gebaut. Darin befinden sich nicht nur die Wohnungen, sondern im Erdgeschoss auch vier Arztpraxen – ein Hausarzt, ein Augenarzt, ein Zahnarzt und ein Orthopäde – sowie ein von Hebammen geführtes Geburtshaus.

Das Besondere: In direkter Nachbarschaft stehen das Bethesda-Alterszentrum Gellert Hof sowie das Bethesda-Spital. «So ein Gesundheitscampus dürfte schweizweit einzigartig sein», sagt Stiftungs-Direktor Pascal Gregor. Und Zentrumsleiter Siegfried Bongartz hebt hervor, dass dank der Synergien mit Spital und Altersheim die pflegerischen Dienstleistungen des Bethesda Parks immer sofort verfügbar seien: «Sie stehen nicht wie in anderen Alterssiedlungen auf Standby. Und alles ist inklusive.»

Damit findet ein langjähriger und mehrstufiger Areal-Ausbauplan der Stiftung sein vorläufiges Ende. Wobei: Zumindest Überlegungen gäbe es, dass irgendwann auch noch eine Apotheke und ein Angebot für Palliativpflege dazustossen könnten, so Gregor.

Kein Konkurrenzkampf

Auch wenn der Bethesda Park erst eröffnet, ist er bereits voll belegt. 80 Bewohner leben fortan in den 62 Wohnungen. Über die Hälfte stammt aus dem Gellertquartier. Die älteste Mieterin ist 94-jährig, es gäbe aber auch zwei Personen unter 65, die aus gesundheitlichen Gründen auf eine Alterswohnung angewiesen seien, so Bongartz. Die Warteliste umfasst schon über 300 Interessenten. «Man darf sich aber gerne weiter bei uns melden. Wir vergeben nicht nach Listenplatz, sondern nach Dringlichkeit.»

Ein Markt, bei dem die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt, ist grundsätzlich anfällig für Preistreiberei, da es keinen Konkurrenzkampf gibt. Doch bei den Alterswohnungen scheint dies nicht zu greifen. «Im Hochpreissegment ist die Nachfrage im Raum Basel gedeckt. Gesucht sind mittel- und tiefpreisige Wohnungen», sagt Bugmann.

Und Philipp Ryser, Geschäftsführer der ebenfalls im Gellert liegenden Casavita Wohnungen Lehenmatt, ergänzt: «Alterswohnungen sind kein Renditegeschäft. Schätzungsweise zwölf Prozent der Menschen über 65 sind von Altersarmut betroffen und können sich keine teuren Wohnungen leisten.» Er begrüsse den Bethesda Park und beobachte die Entwicklung des Nachbarn mit Interesse.

Auch etwas für EL-Bezüger

Ryser und Bugmann sehen vor allem einen Mangel an Alterswohnungen, die sich auch Bezüger von Ergänzungsleistungen (EL) leisten können. Ein Problem: Der Kanton hat für EL-Bezüger ein Mietkostendach von 1100 Franken festgesetzt. «Diese Grenze ist völlig veraltet. Dafür findet man fast keine Angebote für betreutes Wohnen», sagt Bugmann.

Nur bei ärztlicher Verordnung und wenn die Siedlung über eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton verfügt, könne der Betrag über die Krankheits- und Behinderungskosten auf maximal 1550 Franken aufgestockt werden. Zabs wünsche sich schon lange, dass der Kanton anerkenne, dass viele Menschen dank Alterswohnungen nicht oder erst später in ein Pflegeheim müssten, wo sie den Kanton viel kosten.

Der Bethesda-Stiftung war die EL-Problematik bei der Planung des Bethesda Parks bewusst: «Wir bieten keine Sozialwohnungen, aber als Diakonat war es uns wichtig, dass es auch Platz für EL-Bezüger hat», sagt Gregor. Konkret sind 15 bis 20 der 62 Wohnungen mit dem – dank Leistungsvereinbarung erhöhten – kantonalen EL-Kostendach finanzierbar. Es handelt sich um 1,5-Zimmer-Wohnungen mit 38 Quadratmetern Grundfläche, die ab 1410 Franken pro Monat zu haben sind.

Die 34 2,5- und 8 3,5-Zimmer-Wohnungen mit Flächen zwischen 78 und 124 Quadratmetern liegen preislich allerdings deutlich höher. Sie kosten zwischen 2200 und 3700 Franken. «Wir haben eben ein sehr breites Angebot», sagt Heike Schulz, Direktorin der Bethesda Alterszentren AG. Eine Querfinanzierung der günstigen Wohnungen gebe es aber nicht, versichert Gregor.

Angesichts der Nachfrage hätte der Bethesda Park wohl doppelt so viele Wohnungen absetzen können. «Die Grösse hing natürlich auch von unseren finanziellen Mitteln ab», sagt Gregor. Aber nicht nur. Die Stiftung wolle das Areal nicht übernutzen. Und Bongartz ergänzt: «Die Nachfrage nach Alterswohnungen ist so überbordend, dass wir auch mit einem Stockwerk mehr das Problem nicht allein hätten lösen können. Ich appelliere deshalb an die anderen Anbieter, auch etwas beizutragen.»

   

Eröffnung Bethesda Park Samstag, 11. Mai, 10–16 Uhr, Gellertstrasse 148. Besichtigung der Wohnungen, der Arztpraxen und des Geburtshauses.
Mehr Infos unter www.bethesda-park.ch

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