Nachruf
Matthyas Jenny, ein unermüdlicher Einzelkämpfer

Die Schriftstellerin Verena Stössinger erinnert an Ihren am Sonntag verstorbenen Freund und Kollegen.

Verena Stössinger
Drucken
Teilen
Matthyas Jenny (1945-2021).

Matthyas Jenny (1945-2021).

Bild: Juri Junkov

«Alles geht weiter, das Leben, der Tod» heisst eins seiner Bücher mit starken, harten Stories. Matthyas Jenny veröffentlichte seit 1973, auch Romane und Gedichte – aber Ruhm war ihm nicht wichtig. Er machte lieber andere gross.

Auch aus seiner Herkunft machte er sich nichts. 1945 in gute Basler Kreise hineingeboren, wollte er nichts geschenkt. Er reiste, arbeitete, zog seine Kinder Zoë und Caspar gross, lebte von der Hand in den Mund und las und schrieb. Und nachts warf er die «Nachtmaschine» an, auf der er die Bücher seines Verlags druckte. Über 150 Titel wurden es bis 2006. Und daneben betrieb er von 1976 bis 1982 das erste deutsche Poesietelefon; gründete 1979 den «Tag der Poesie» (inzwischen «Lyrikfestival Basel»); 1996 stellte er mit Martin R. Dean die Literaturgruppe Basel auf die Füsse, die nicht nur jährliche Festivals organisierte, die 2003 zur «BuchBasel» wurden, sondern sich auch massiv einsetzte für ein Literaturhaus. 2000 wurde es eröffnet. Da es seinen Vorstellungen aber nicht entsprach, gründete er mit Ursula Wernle, seiner Frau, 2006 «Das kleine Literaturhaus» im Keller ihrer Bachletten-Buchhandlung.

Er war ein unermüdlicher, kreativer Schaffer und kompromissloser Einzelkämpfer, fordernd, mitreissend, schnell enttäuscht und stets so misstrauisch, wie ihm nötig schien. Das, was er begründete, lebt aber weiter; auch jetzt, wo er gestorben ist. Und ein letztes Buch, sagte er mir vor Kurzem, werde posthum noch erscheinen.

Aktuelle Nachrichten