Djaras Ohren liegen flach am Kopf. Die Somali-Wildesel-Stute dreht sich blitzschnell und schlägt aus. Wer ihrem Fohlen zu nahe kommt, wird sofort vertrieben. Lakisha, von den Verteidigungsaktionen ihrer Mutter gänzlich unberührt, erkundet derweil alles, was vor ihre Nase kommt, stakst neugierig einer Fliege hinterher, knabbert an Strohhalmen und hört den klappernden Störchen zu.

Die Wildesel-Stute kam am 27. März zur Welt – die gestreckten Vorderbeine voran. Die Geburt sei schnell und unkompliziert verlaufen, obwohl es für die achtjährige Djara die Erstgeburt war: «Sie ist ein Paradebeispiel dafür, dass Wildtiere weniger Probleme haben während der Geburt als Haustiere», erklärt Kuratorin Friederike von Houwald.

Kurz und problemlos

Wildtiere sind bei der Geburt relativ klein, wachsen dafür nachher schnell. «Man kann sich als Frau nur wünschen, dass man Gorilla wär, wenn man sich die Fakten anschaut.» Und tatsächlich: Es dauerte keine halbe Stunde, bis Lakisha auf der Welt war. Die Tierpflegerin bemerkte Djaras Unruhe, holte die werdende Mutter in den Stall und liess sie dann allein. «Die Wildesel brauchen Ruhe für die Geburt», sagt von Houwald.

Insbesondere auch, um eine Bindung zum Jungtier aufzubauen. Als die Tierpflegerin eine halbe Stunde später nachschaute, stand das Wildesel-Fohlen bereits auf seinen grazilen, schwarz gestreiften Beinen. Nach einer weiteren halben Stunde hatte es zum ersten Mal getrunken.

Lakisha ist das 41. Somali-Wildesel- Fohlen, das in Basel zur Welt gekommen ist. Auf die Zuchterfolge ist der Zoo Basel stolz, denn es handelt sich um eine stark bedrohte Art. Das Fohlen wird eineinhalb Jahre in Basel bleiben. Von Houwald könnte sich gut vorstellen, die Stute zu behalten. Darüber entscheiden wird das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für die Somali-Wildesel.

Komplikationen bei den Ziegen

Weniger reibungslos verliefen die Geburten bei den Zwergziegen. Diesen Frühling meckern sechs Zicklein mit ihren noch hohen Stimmchen um die Wette. Die Kleinen sind zwischen dem 17. März und 2. April zur Welt gekommen. Sie hüpfen über Baumstrünke, knuffen sich gegenseitig und trinken ungestüm bei ihren Müttern. Eigentlich hätte es aber noch mehr Action im Zwergziegen-Gehege geben sollen. Doch zwei weitere Geisslein überlebten die Geburt nicht. Das sei kein Zufall, erklärt Zootierarzt Stefan Hoby: «Bei Haustieren stimmt das Verhältnis zwischen der Grösse des Beckens der Mutter und des Jungtiers nicht mehr.»

Aufgrund der Zucht sind die Becken der Tiere zu eng für den Nachwuchs. Darum hat der Zootierarzt bei den Haustier-Geburten mehr Arbeit. Dieses Jahr war das bei einer 14-jährigen Zwergziege der Fall. Allerdings konnte er ihre Zwillinge nicht retten. Das erste Zicklein war zu schwach, das zweite steckte im Geburtskanal fest. Die schon ältere Mutter habe sich aber gut von den Strapazen erholt.

Mutter wollte Jungtier nicht

Auch bei den Zwergziegen kommt nach der Geburt die wichtige Phase der Bindung zwischen Jungtier und Mutter. Diese hat gut funktioniert. Und damit das so bleibt, darf im ersten Lebensmonat niemand die Zicklein streicheln.

Nicht geklappt hat diese Bindung kürzlich bei den Giraffen und bei den Mufflons. «Die Giraffe wurde von der Mutter nicht angenommen», sagte Zolli-Direktor Olivier Pagan mit Bedauern. Freude und Leid lägen im Zoo nahe beieinander. Gleich erging es einem jungen Mufflon letzte Woche: seine Mutter kümmerte sich nicht um ihn. Weil der Zoo Basel keine Wildtiere von Hand aufzieht, mussten die beiden Jungtiere getötet werden. In die Bindung einzugreifen sei bei Wildtieren nicht möglich, erklärte Zootierarzt Hoby. «Bei den Haustieren funktioniert es eher, ihnen ein Jungtier unterzuschieben.»