Law Moot Court
Nadine Dünner weiss sich in jedem Fall zu verteidigen

Die Basler Studentin Nadine Dünner ist an einem Wettbewerb für angehende Juristen in Athen zur besten Sprecherin ausgezeichnet worden. In einem fiktiven Prozess musste sie sich als Verteidigerin behaupten.

Michel Zumoberhaus
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«Ich wusste während der Performance, dass es gut läuft.» Nadine Dünner vor dem Gebäude des Europa-Instituts.

«Ich wusste während der Performance, dass es gut läuft.» Nadine Dünner vor dem Gebäude des Europa-Instituts.

Roland Schmid

Der Vergleich mit der Fernsehrichterin Barbara Salesch, die sich fest im Programm des Fernsehsenders Sat 1 etabliert hat, missfällt Nadine Dünner, der Masterstudentin am Europainstitut Basel und Teilnehmerin am European Law Moot Court. Nachvollziehbar. Auch wenn gewisse Parallelen vorhanden sind, unterscheiden sich die beiden fiktiven Gerichtsverhandlungen beträchtlich. Es wird nicht nur ein Skript nach rotem Faden auswendig gelernt und mit Schauspiel wiedergegeben, sondern es beansprucht ein hohes Mass an Aktion und Reaktion.

«Wir hielten nicht nur unser Pleading (Anm. Red. Plädoyer), sondern wurden von den Richtern auch auf Herz und Nieren zum Fall und zum EU-Recht getestet», erklärt Dünner. In der Vorausscheidung gehörten sie von über 100 Teams zu den besten 48. Diese wurden auf vier regionale Finale verteilt. Das Team aus Basel setzte sich Mitte Februar im Regionalfinale in Athen gegen Universitäten wie die London School of Economics oder die Columbia University New York durch. Für das Finale in Luxemburg habe es jedoch knapp nicht gereicht, berichtet Dünner.

Erste Erfahrungen

Seit 1988 organisiert der European Law Moot Court jährlich einen Wettbewerb, an denen angehende Juristen während fiktiven Gerichtsverhandlungen erste Erfahrungen sammeln können. Das Ziel der Veranstalter ist es, den besten Universitäten und besten Rechtsstudenten die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen über das europäische Recht zu vertiefen und sich bilingual in schriftlicher sowie mündlicher Form zu beweisen. Dünner bot den Richtern auf Englisch sowie Französisch Paroli.

«Ich hatte sehr viel Spass. Es war wie im Ping-Pong – ein Hin und Her. Es hat sich nicht wie eine Prüfung angefühlt, sondern wie eine spannende Diskussion über Recht.», erzählt Dünner. In den Moot Courts schlüpfen die Studierenden in verschiedene Rollen. Dünner selbst nahm die Funktion als Verteidigerin ein. Ohne ein top eingespieltes Team wären die erzielten Ergebnisse aber nicht machbar gewesen. Die Klageschrift verfasste Dünner mit ihren Kolleginnen Sibylle Mäder und Andrea Weber. Eine Analyse ihrer Argumente musste regelmässig durchgeführt werden.

Keine reine Juristin

Der Ole Due Award, ist eine Auszeichnung, die nicht zwingend vergeben werden muss. Der Ermessensspielraum liege bei den Richtern. Als ihr Name während der Abschlusszeremonie in Athen fiel, traute Dünner ihren Ohren nicht. Zehn Koryphäen des EU-Rechts attestieren ihr in Form des Ole Due Award, dass sie ein Ausnahmetalent sei. «Ich wusste schon während meiner Performance, dass es gut läuft. Diese Auszeichnung ist unglaublich», sagt Dünner.

Bemerkenswert ist, dass Dünner und ihre Kolleginnen keine reinen Juristen sind. Lediglich zwei Vorlesungen besuchte Dünner selbst. Wie ist dieser Erfolg nun zu erklären? «Sie hat sich hervorragend vorbereitet», erklärt Janine Dumont, Assistentin im Fachbereich Recht, die das Team zusammen mit dem Dozenten Lukas Lusser intensiv gecoacht hat.

Nach der gymnasialen Matur studierte Dünner ein Jahr Biochemie an der ETH, reiste zwei Jahre lang als Flugbegleiterin in der Weltgeschichte rum und studierte an der Uni Zürich Medienwissenschaften mit Nebenfach Politik. Daraufhin legte sie sich auf European Studies fest, da ihre Interessensgebiete Wirtschaft, Recht und Politik dadurch abgedeckt seien.

Ein weiterer Richtungswechsel in naher Zukunft sei nicht gedacht. Im Gegenteil: Mit dem Ole Due Award im Gepäck möchte sich Dünner neben ihrer Masterarbeit über das Völkerrecht, sich nun für verschiedene EU-Institutionen bewerben. Das Europainstitut Basel selbst zeigt sich sehr erfreut: «Solche Resultate ermutigen uns, das Studienangebot weiter zu verbessern», sagt Cornelia Knab, Geschäftsführerin des Europainstituts Basel. Auch im nächsten Jahr sollen Studenten der Uni Basel am Moot Court teilnehmen.