Je leckerer Speis und Trank auf der Herbstmesse, desto öfter der Bedarf nach allzu Menschlichem. Dieses Bedürfnis konnten die eine Million Besucher dieses Jahr nicht überall gleichermassen befriedigen: Vor allem am Kasernenplatz, einem der beliebtesten Herbstmesseorte, wurden zu wenig öffentliche Toiletten moniert (siehe bz von gestern).

Kein Platz mehr auf dem Platz

Das Problem ist der Herbstmesse-Verantwortlichen Sabine Horvath von der Abteilung Aussenbeziehungen und Stadtmarketing bekannt: «Wir wurden von vielen Leuten wegen der Toiletten am Kasernenplatz angesprochen.» Allerdings habe man dieses Jahr nicht mehr reagieren können, weil es auf dem Kasernenareal keinen Platz mehr gegeben habe aufgrund der ausquartierten Standbetreiber vom Messeplatz. Nächstes Jahr wolle man das Platzkonzept anpassen und mehr Wagen aufstellen.

In Oskar Herzigs Brust schlagen zwei Herzen. Der SVP-Grossrat und Standbetreiber auf dem Kasernenareal sieht ein Platzproblem: «Gerade am Wochenende war ein enormer Andrang an den Toiletten. Aber mehr Sanitäranlagen gehen auf Kosten der Flächen für die Messeanbieter.» Er erwarte von den umliegenden Gastronomiebetrieben «ein bisschen», dass sie ihre Toiletten für Messebesucher zur Verfügung stellen, fährt er auf Nachfrage fort: «Schliesslich profitieren alle von der Herbstmesse. Aber zwingen kann man natürlich niemanden dazu.»

1 Franken Klo-Gebühr

Zwingen müsste man Geschäftsführer Roland Mühle vom Restaurant Klingental auch nicht mehr: Er hält seine Toiletten immer für Laufkundschaft offen: an Fasnacht, während des Tattoo und während der Herbstmesse. Vor allem Frauen seien bereit, etwas dafür zu zahlen, was das Personal dann aber verweigere. Mühle empfindet sein Entgegenkommen als «stille Werbung». Und noch ein Vorteil habe die Frei-Toilette: «Dann pinkeln sie weniger an die Wände.»

Auch dort, wo wie im «Parterre» 1 Franken Klogebühr verlangt wird, lasse man keine Mütter mit Kindern im Regen stehen, versichert Mitarbeiterin Katrin Hatwig. Sowieso stehe «keiner vor dem Klo und kassiere». An einem Herbstmessetag seien so vielleicht 5 Franken für das Toilettenkässchen zusammengekommen. Wirt Robert Schröder im «Schmalen Wurf» in der Rheingasse hält es mit Knigge: «Wenn die Leute anständig fragen, dann dürfen sie bei uns aufs Klo.»

Kritisch wird es für Herzig wie Horvath aber, wenn von Lebensmittelverkäufern beanstandet werde, sie müssten sich auf unsauberen Toilettenwagen die Hände waschen (die bz berichtete): Jeder Lebensmittelverkäufer müsse an seinem Stand einen Wasseranschluss und Seife nachweisen, heisst es da unisono.

Transparente Absagekriterien

«Sehr erstaunt» ist Herzig auch über den Vorwurf von Repressalien gegen kritische Standbetreiber: Das neue Organisationsteam seit 2009 sei sehr kommunikativ, bestätigt Herzig. Absagen müssten jedes Jahr viele erteilt werden; aber die Kriterien für diesen Entscheid seien nun transparent und müssten in der Begründung auch vermerkt werden. Herzog hat «sehr stark den Verdacht», die Vorwürfe kämen von einem betroffenen Standbetreiber, der seine Absage nicht verkraftet habe. Oder die Strafabsage wegen Kritik sei älter als 2009. Unter der alten Messeleitung hätte sich Herzig so etwas nämlich schon vorstellen können.