Wahlkampf

Nägelins Flirt mit der LDP: Ex-SVP-Präsident unterstützt Patricia von Falkenstein

Lorenz Nägelins Ansage stösst noch nicht auf die grosse Gegenliebe. Bild: zvg

Lorenz Nägelins Ansage stösst noch nicht auf die grosse Gegenliebe. Bild: zvg

Der ehemalige Basler SVP-Präsident unterstützt Patricia von Falkenstein im Wahlkampf – die LDP interessiert ihn.

Es war ein Abschied mit viel Getöse. Als Lorenz Nägelin vergangenen April zur Generalversammlung der Basler SVP einlud, tat er dies mit dem Ziel Wiederwahl. Am Ende des Abends war er nicht mal mehr Mitglied. Lorenz Nägelin war das Bauernopfer einer krisengeschüttelten Partei, die nach Missgunst und Skandalen personelle Konsequenzen ziehen musste. Schon in den ersten Tagen danach war spürbar, wie tief der Frust in Nägelin sitzen muss, als er in Interviews seine ehemaligen Mitstreiter als Lügner und Intriganten bezeichnete. Die Trennung ist noch nicht verwunden; das zeigt sich jetzt: Der abgesetzte Parteipräsident flirtet mit einem Beitritt zu den Liberalen. Ein erstes Indiz dazu findet sich auf der Website von Patricia von Falkenstein. Im Unterstützungskomitee der LDP-Kandidatin auf den frei werdenden Ständeratssitz findet sich der Name von Lorenz Nägelin.

«Ich habe zu den Ersten gehört, die Patricia von Falkenstein unterstützt haben», sagt dieser nicht ohne Stolz gegenüber dieser Zeitung. Das überrascht. Schliesslich hat die SVP mit Gianna Hablützel-Bürki eine eigene Kandidatin nominiert, die Nägelin aller Querelen zum Trotz zumindest politisch näher stünde. «Gianna Hablützel-Bürki ist chancenlos», erklärt Nägelin seine Beweggründe. Nach Jahrzehnten der SP-Hegemonie böte sich nun die seltene Chance, endlich den Ständeratssitz ins bürgerliche Lager zu holen. «Das gelingt aber nur, wenn alle zusammenarbeiten und sich hinter eine Kandidatin mit dem nötigen Format stellen», sagt Nägelin. Das treffe im Fall von Patricia von Falkenstein zu. «Sie hat die Erfahrung und das Netzwerk», lobt er. Den Alleingang der SVP nach der gescheiterten Listenverbindung für die Nationalratswahlen bezeichnet er hingegen als «Trotzreaktion».

Obschon Nägelin mit seiner früheren politischen Heimat abgeschlossen hat («Die ständigen Querelen der SVP habe ich satt»): Ganz zu Ende ist seine Karriere nicht. Er amtet weiterhin als Bürgergemeinderat und Schulrat. Fraktionslos. Das könnte sich jedoch wieder ändern: Ganz generell kann Nägelin der Liberalen Partei derzeit viel abgewinnen. «Sie ist vom Profil her sicher nicht weit weg von mir», sagt er, «ich schliesse eine Anfrage zu einem Beitritt nicht aus.» Die Politik interessiert ihn weiterhin. Aktuell engagiert er sich an vorderster Front für den Erhalt des Restaurants La Torre auf dem Bruderholz. Dieses soll einer Wohnüberbauung weichen, dagegen wehren sich Tausende mittels einer Petition.

So sehr von Falkenstein Nägelin «als Menschen und in der Zusammenarbeit schätzt»: Die grosse gegenseitige Liebe ist es nicht. «Ich weiss nicht, wie gut die Idee eines Beitritts ist», bringt die LDP-Präsidentin ihre Zweifel zum Ausdruck. Sie gibt zu bedenken, dass Nägelin als SVP-Präsident rechte Anliegen wie die Masseneinwanderungsinitiative klar befürwortet habe, welche den Überzeugungen der LDP zuwiderlaufen. «Er müsste seine Meinung schon ziemlich stark geändert haben, um zu uns zu passen», sagt von Falkenstein. Letztlich falle dieser Entscheid aber nicht ihr persönlich zu, sondern sei Sache der gesamten Partei.

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