Ein Blick
Nah, näher, am nächsten

Ein Blick in eine Senioren-Boulegruppe. In der Rubrik «Ein-Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft.

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Es gilt, die Kugeln möglichst nahe beim Pallino zu platzieren.

Es gilt, die Kugeln möglichst nahe beim Pallino zu platzieren.

Kenneth Nars

Myrta, Eduard, Rösli, Max, Vreni und Peter heissen sie und spielen Boule mit 19 weiteren Mitgliedern des Vereins Senioren Regio Liestal. Die Frauen und Männer der Boulegruppe frönen stets von Anfang April bis Ende November jeden Mittwoch diesem Freizeitsport auf der Sportanlage Sappeten in Bubendorf. Auf den sechs Bahnen wird gefachsimpelt, gelacht – und die Pensionierten werfen die Kugeln mit ausgefeilter Technik möglichst nahe zum Pallino, der kleineren Zielkugel.

«Sie spielen immer präziser», lobt Obmann Hans Peter Eppler seine Schützlinge. In Zweiergruppen treten die 66- bis 87-Jährigen gegeneinander an; jede und jeder ist mit drei Kugeln – etwa sieben Zentimeter Durchmesser und rund 700 Gramm schwer – ausgerüstet. Der Verein besitzt 25 Sets zu je drei Kugeln, rostfrei. 5000 Franken hat dieser Spass gekostet.

«Wir machen nicht nur Reisli»

Die Senioren Regio Liestal sind ein aus der Norm fallender Senioren- und Altersverein. «Wir machen nicht nur Reisli, jassen und sitzen, sondern bewegen uns dank Boule regelmässig», sagt der 72-jährige Eppler. Als dessen Frau Eva das Vereinspräsidium vor etwa zwölf Jahren übernommen hatte, initiierte sie das Boulespiel. Es setzte ein Aufschwung ein, mehr Senioren kamen dazu.

«Mir gefällt Boule und der Zusammenhalt unter den Leuten. Es ist gesünder draussen, als drinnen zu jassen», meint der Zunzger Hanspeter Bossert (75). Sonja Blatter aus Lausen ist seit Anfang dabei. «Ich gebe mein Bestes. Wir haben schon Turniere gespielt und auch gewonnen. Heute habe ich allerdings verloren, aber das ist ja egal», lacht die über 80-jährige Frau.

Ausüben kann man diesen Sport von klein auf, sobald ein Kind laufen kann, bis ins hohe Alter. Für solche, die sich nicht mehr so gut beugen können, gibts Magnete als Hilfsmittel, damit sie die Kugeln problemlos vom Boden aufnehmen können.

Während der drei Stunden Boulespiel am Mittwochnachmittag legen die Frauen und Männer einige Meter zurück. Zwischendurch gibts Pausen, um sich mit einem Getränk zu stärken. Im Materialgebäude gleich neben den Bahnen hat die Boulegruppe ein Abteil für ihre Utensilien. Die Infrastruktur kann der Verein gratis benutzen.

Einmal pro Monat werden die Resultate aufgeschrieben, die sieben besten zählen für die Jahresmeisterschaft. Anlässlich eines Nachessens findet die Rangverkündigung statt, die Siegerin oder der Sieger erhält den Wanderpokal.

Im Jahresprogramm sind neben den Boule-Terminen alle weiteren Aktivitäten aufgeführt, die der Seniorenverein seinen gut 230 Mitgliedern anbietet. Monatlich findet ein Ausflug oder eine Exkursion statt: Minigolf, Halb- oder Ganztagesreisen. «Jeweils die Hälfte bis zwei Drittel der Teilnehmenden sind Mitglieder unserer Boulegruppe», berichtet Hans Peter Eppler.

Der Verein Senioren Regio Liestal ist 1930 als Altersverein Liestal und Umgebung gegründet worden. Zehn Gemeinden gehören heute dazu: Liestal, Lausen, Seltisberg, Bubendorf, Ziefen, Lupsingen, Ramlinsburg, Hersberg, Büren und Nuglar-St. Pantaleon. Eva Eppler (68), die derzeit mit einer Kollegin zusammen das Co-Präsidium führt, wird ihr Amt nach 15-jähriger Vorstandstätigkeit auf die nächste Jahresversammlung hin abgeben. Aber untätig wird sie bestimmt nicht. Denn ohne Epplers liefe bei den Senioren Regio Liestal nicht viel.