Nahostkonflikt
Kleine Demonstrationen – grosser Lärm: So liefen die Anti-Israel-Kundgebungen ab

Zwei Anti-Israel-Demonstrationen liefen friedlich ab. Der Staat Israel wurde scharf kritisiert, aber die Grenze zum Antisemitismus knapp nicht überschritten.

Fabian Schwarzenbach
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Die Demonstrierenden kritisierten Israel und forderten ein freies Palästina ohne Judenhass und Unterdrückung.

Die Demonstrierenden kritisierten Israel und forderten ein freies Palästina ohne Judenhass und Unterdrückung.

Fabian Schwarzenbach

Die beiden angekündigten Demonstrationen gegen Israel liessen im Vorfeld Schlimmes erahnen. Während Politiker ein rigoroses Eingreifen der Polizei forderten, warnte die Israelitische Gemeinde Basel vor Besuchen der Innenstadt. Doch die Organisatoren der beiden Kundgebungen konnten nicht genügend mobilisieren.

Am Freitag riefen „Basel Nazifrei“ und der „graue Block“ zur Kundgebung auf. Es nahmen gegen 200 Demonstrierende teil, während am Samstag nur noch ein Grüppchen von mehr als 100 Personen angelockt werden konnte. Der Seifenblasen-Mann konnte nebenan weiterhin ungehindert Kinder zum Staunen bringen.

Teilweise standen am Samstag dieselben Personen mit denselben Transparenten im Regen, der sicher nicht zum Demonstrieren einlud. Im Gegenteil: die Karton-Transparente wurden immer mehr aufgeweicht. „Freies Palästina“ prangte auf dem einen Schild. Auf dem anderen wurden die Israelis mit dem Apartheid-Regime verglichen und als Terroristen bezeichnet.

Die Polizei war präsent, hielt sich aber diskret im Hintergrund.

Die Polizei war präsent, hielt sich aber diskret im Hintergrund.

Fabian Schwarzenbach

An der Demonstration vom Freitag versuchten die Rednerinnen und Redner den konfessionell-politischen Spagat: Man kritisiere Israel und fordere ein freies Palästina ohne Judenhass und Unterdrückung. „Wir stehen an der Seiten der Jüdinnen und Juden“, gab eine Rednerin zu verstehen. Tags darauf differenzierten die Sprecherinnen und Sprecher nicht zwischen „Israel“, Zionisten und den Jüdinnen und Juden. Allerdings waren auch keine antisemitischen Drohungen zu lesen oder zu hören. Die ganze Wut richtete sich ebenfalls an den Staat Israel. Beide Kundgebungen liefen friedlich ab.

Die Polizei war präsent, hielt sich aber diskret im Hintergrund. Einzig am Samstag gab es hitzige Minuten, als eine Frau eine israelische Flagge vor der Barfüsserkirche in die Höhe hielt. Rund 20 aufgebrachte Demonstranten rannten der Frau nach.

Einige Kundgebungsteilnehmenden versuchten aktiv eine Eskalation zu verhindern, indem sie die Nacheilenden zur Vernunft brachten, was teilweise gelang. „Am Rande der Demonstration hat die Polizei eine Situation deeskaliert, ausgelöst von einer Person in einer schwierigen Lebenssituation“, erläuterte Polizeisprecher Martin Schütz. Damit wurde die Aussage eines Wortführers der Demonstration widerlegt, der behauptete, die Frau sei von der Polizei „eingepackt“ worden.

Standen die Kundgebungsteilnehmenden bis dahin in einem Kreis und waren für sich, öffneten sie sich gezielt Richtung Tramstation, so dass die Passagiere sehen konnten, weshalb demonstriert wurde. Auch bemühten sie sich nun die Parolen nicht nur auf Arabisch und Englisch zu skandieren, sondern auch auf Deutsch.

Die samstägliche Demonstration, die eher eine Stand-Kundgebung war, beinhaltete auch kurze Tanzeinlagen und endete mit einem Gebet und einer Schweigeminute für die (palästinensischen) Opfer des Konfliktes. Beide Demonstrationen wurden von vielen Passanten und Beobachterinnen wahrgenommen. Viele verstanden die arabischen Voten aber nicht oder hatten genug von Demonstrationen, wie einige lauthals kundtaten.