Zart zieren die Narben die Gesichter der Fotografierten. Sie ziehen sich quer über ihre Wangen, obwohl sie nicht durch Brutalität entstanden sind. Diese narbigen Gesichter, die von der Fotografin Joana Choumali abgelichtet wurden, gehören zur «letzten Generation» der skarifizierten Menschen Afrikas. Diese trägt die Narben als Schmuck. Was einst von einem hohen sozialen Status zeugte, wird heute gesellschaftlich geächtet. Die Fotografin Choumali machte sich auf die schwierige Suche und porträtierte die letzten verbliebenen skarifizierten Menschen in ihrem Heimatland, der Elfenbeinküste.

Der Kontinent Afrika beheimatet viele solcher Geschichten. Die Fotoausstellung «ImageAfrique» stellt dazu fünf Fotografen aus, die das gängige Bild Afrikas hinterfragen wollen.

Internationaler Fotowettbewerb

Die Fotostrecken Joana Choumalis und vier weiterer Fotografen sind bis zum 25. September an der Freiluftausstellung auf dem Münsterplatz zu sehen. In grossem Format sind die Fotos unter den Platanen ausgestellt und jederzeit zugänglich. Gezeigt werden die Siegerprojekte des internationalen Fotowettbewerbs «Popcap», der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal stattfand. Initiiert hatte ihn 2012 der Basler Künstler Benjamin Füglister. Während seiner Mitarbeit bei einem internationalen Fotografie-Magazin sei ihm aufgefallen, wie wenig Fotografien vom Kontinent Afrika eingesendet werden. Dies motivierte ihn, einen Wettbewerb zu gründen, der sich ausschliesslich der zeitgenössischen afrikanischen Fotografie widmen würde.

Neben der Förderung der Fotografen sei es das Ziel des Wettbewerbs, das einseitig geprägte Bild Afrikas neu zu reflektieren. «Im Moment denken alle an Ebola, wenn sie Afrika hören. Und wir wollen zeigen, welche Bilder Leute von Afrika haben, die sich wirklich mit dem Kontinent auseinandersetzen und wollen diese Bilder in die Welt hinaustragen», sagt Füglister. «Die meisten Bilder aus Afrika sind medial geprägt, was die einseitige Sichtweise fördert. Die Fotostrecken zeigen mit einem künstlerischen Ansatz ein anderes Bild von Afrika.»

Nach Basel kommt Kapstadt

Die Ausstellung findet im öffentlichen Raum statt, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Für Kinder findet an vier Tagen eine Kunstaktion statt, die ihnen den Kontinent Afrika näher bringen soll. Drei der Künstler, darunter auch Joana Choumali, geleiten zudem am Freitag und am Sonntag durch die Ausstellung und geben Einblick in die Entstehungsgeschichten ihrer Fotostrecken.

Nach Basel zieht die Wanderausstellung weiter nach Kapstadt, wo sie ebenfalls als Freiluftausstellung der Öffentlichkeit zugänglich sein wird.