Es war ein inszenierter Sturm im Wasserglas: Floss-Gründer Tino Krattiger versandte vor ein paar Wochen «irrtümlich» ein Mail. Darin erwähnt: ein Vorverkaufsdatum. Tickets fürs Floss? Keine Panik, schob Krattiger Tage später nach, alles nur ein Witz, er habe die Zeitungsente absichtlich ausgesetzt. Sprich: Auch im 20. Jahr sind nur die Sponsoren-Plätze auf der Tribüne privatisiert. Der Rest des Kleinbasler Rheinufers: frei zugänglich.

Eine Scherzaktion also, damit die PR-Maschinerie läuft. Nun gut. Bloss wünschte man sich, das Programm würde für ebenso viel Aufsehen sorgen wie die von Krattiger in Umlauf gebrachten «Fake News». Die Liste der 17 Acts: solid, aber nicht spektakulär. Am überraschendsten vielleicht, dass sie nicht gross überrascht.

Das hat auch damit zu tun, dass Booker Gaetano Florio die Messlatte in den letzten zwei Jahren höher angesetzt hatte. Wen holte er nicht alles auf die Bühne im Fluss: 2raumwohnung, die Blues Brothers, Edoardo Bennato, Element of Crime, The Nits.

Von Voodoo-Rock bis Christen-Pop

In diesem Jahr knallen die Namen der internationalen Engagements nicht wirklich. Die haitianische Sängerin Moonlight Benjamin und ihren Voodoo-Rock gilt es in Basel erst noch zu entdecken. Die deutsche Retrorock-Band The Wake Woods ist weitgehend unbekannt auf dieser Höhe des Rheins. Und kennt man die holländische Band Trinity? Glaubenssache. Sie nennen sich «Handwerker himmlischer Feste» und liefern christlichen Pop.

«Es widerstrebte mir, ein Höllenprogramm zusammenstellen zu müssen», sagt Florio. «Schliesslich ist das Floss mit uns allen 20 Jahre alt geworden.» Daher wollte er eine möglichst breite Palette bieten, darunter auffallend viele nationale Acts. Von den 17 angekündigten Namen kommen satte zwölf aus der Schweiz. Aus Basel unter anderem dabei: Rapper Pyro, der im letzten Jahr ein Publikumsvoting fürs Jubiläum gewonnen hat.

Weniger gut sieht es hingegen bei der Genderquote aus: Nur gerade vier Sängerinnen stehen 2019 auf der Bühne. Nebst Moonlight Benjamin sind dies Steff La Cheffe, Annie Goodchild und Sina. Allesamt ausgewiesen starke Performerinnen. «Ich finde Frauenstimmen toll, aber wir richten unser Konzept nicht darauf aus», sagt Florio und erläutert, dass das Floss-Programm oft auch Zufällen geschuldet sei: passenden Daten etwa, Tourplänen oder Gagenforderungen.

Im Fall von Tito & Tarantula, dem bekanntesten internationalen Act dieses Jahr, stimmte das Timing. Die US-Amerikaner hatten Zeit und Lust. Sie bauen sich um das Basler Datum gar eine Europatour, wie Florio verrät. Ein anderer Name ist vor allem früheren Atlantis-Gästen vertraut: Dr. Feelgood, die Pubrocker aus England, waren Stammgäste auf der «-tis»-Bühne. Nach fast 50 Jahren sind zwar alle Originalmitglieder in Rente, trotzdem tourt der Name Dr. Feelgood weiter: Mit neuen Musikern und alten Songs.

All das für welches Budget? Wenn man Florio fragt, ist es gleich geblieben. 120'000 Franken stellt Kapitän Krattiger für die Gagen zur Verfügung, genau so viel Geld, wie Basel-Stadt aus dem Swisslos-Fonds beisteuert. Das Gesamtbudget beläuft sich auf rund eine halbe Million Franken, ein Drittel steuern die Kantone bei, zwei Drittel die Sponsoren, sagt Krattiger, allen voran die Uhrenfirma Oris. Und wie hoch sind eigentlich die zusätzlichen Einnahmen durch die Kollekte? Da gibt sich der ansonsten redselige Krattiger bedeckt: «Das sage ich doch nicht.»