24. August 2015, 9 Uhr. Diesen Zeitpunkt dürfen sich die Parteipräsidenten in Basel bereits dick in die Agenda eintragen. Zu diesem Zeitpunkt müssen alle Kandidaten für die National- und Ständeratswahlen beim Wahlbüro gemeldet sein. Die Wahlen selbst finden am 18. Oktober statt und sie versprechen so spannend zu werden wie schon lange nicht mehr. Das zeichnet sich bereits jetzt ab, wo sich einzelne Kandidaten in Stellung zu bringen versuchen.

Basel-Stadt wird derzeit in Bern von einer bürgerlichen Mehrheit vertreten, was sich die SP und vor allem auch die Grünen nicht mehr länger bieten lassen wollen. Sie werden einen dritten der fünf Nationalratssitze anstreben.

Der Eymann-Effekt

Im bürgerlichen Lager wird sich die Frage stellen, wie die FDP und die CVP mit der angedeuteten Kandidatur von Regierungsrat Christoph Eymann umgehen wollen. Der Liberale war auch vor vier Jahren angetreten, damals aber als amtierender Regierungsrat, was ihn wohl einige Stimmen gekostet haben dürfte. Viele Wähler konnten sich ein Doppelmandat, Regierungs- und Nationalrat, wohl schlicht nicht vorstellen.

Dennoch machte Eymann mit 7588 Stimmen ein deutlich besseres Resultat, als die jetzt in Bern sitzenden Vertreter Markus Lehmann (CVP) und Daniel Stolz (FDP). Klar geschlagen wurde Eymann von SVP-Nationalrat Sebastian Frehner und dem inzwischen verstorbenen FDP-Nationalrat Peter Malama, für den Stolz nachrückte.

Lehmann will wieder antreten, wie er gegenüber der bz sagte: «Wenn nicht was Unvorhergesehenes oder Schwerwiegendes vorliegt bis zum nächsten Sommer, werde ich wohl antreten und meinen Sitz verteidigen.» Für die CVP ist der Nationalratssitz ein Kernanliegen. Lehmanns Wahl 2011 hatte der Partei ihren Sitz wiedergebracht, den sie 1995 verloren hatte.

Auch die Grünen, auf deren Kosten Lehmann 2011 gewählt worden war, dürften sich danach sehnen, wieder einen Vertreter ins Bundeshaus zu entsenden. Ob Anita Lachenmeier es nochmals wissen will, ist offen.

Die SP im Guillotine-Dilemma

Bei der SP ist die Frage nach wie vor ungeklärt, ob Ständerätin Anita Fetz und Nationalrätin Silvia Schenker ein weiteres Mal antreten dürfen. Laut Statuten brauchen sie für eine vierte Amtszeit die Erlaubnis der Delegiertenversammlung und zwar mit einem Zweidrittelmehr. SP-Präsidentin Brigitte Hollinger erklärt, die Versammlung finde am 10. Februar 2015 statt. «Anmeldeschluss für die Kandidatinnen und Kandidaten ist bereits der 15. Dezember 2014.» Die Ausschreibung sei in der Parteizeitung bereits publiziert worden. Silvia Schenker, die sich dieser Frist bis anhin nicht bewusst war, will eine erneute Kandidatur nicht ausschliessen. Ihr Entscheid sei aber «noch nicht spruchreif».

Die spannendste Auseinandersetzung wird sicher zwischen den bürgerlichen Spitzenkandidaten Lehmann, Stolz und Eymann stattfinden. Lehmann wurde 2011 gewählt, obwohl 15 andere Kandidierende aus allen möglichen Parteien teilweise wesentlich mehr Stimmen erzielt hatten als der Versicherungsbroker.

Lehmann der Listenzauberer

Grund dafür war eine äusserst geschickte Listenverbindung der CVP mit der EVP, den Grünliberalen und der BDP. Das Resultat bezeichnete die NZZ damals als «besonders krassen Fall» von Verzerrung des Wähler-Votums. SVP-Präsident Sebastian Frehner versuchte denn auch gleich zu Beginn der Legislatur, im Nationalrat Listenverbindungen bei eidgenössischen Wahlen zu verbieten. Seine Motion wurde aber im Mai 2012 deutlich abgelehnt.

Auf dem Papier ist die Sache demnach entschieden, legt man die Wahlen 2011 zugrunde: Frehner hatte damals gut 11 000 Stimmen, Lehmann 4127, Eymann wie erwähnt 7588 und Stolz machte hinter Malama 4277 Stimmen. Doch nun anzunehmen, Eymann sei so gut wie gewählt, würde die erwähnte Listenverbindungs-Taktik ausser Acht gelassen. Und auch die Tatsache, dass Stolz wohl einige Stimmen mehr machen wird, nun, da er mit dem Nimbus des Bisherigen antritt.

Wer am Ende mit wem ein Päckchen schnürt, zu dieser Frage will sich bis anhin noch kein Parteienvertreter auf die Äste wagen. Die Listenverbindungen müssen erst zwei Wochen nach dem Anmeldeschluss für die Kandidaten gemeldet werden. So oder so zeichnet sich klar ab: Der grosse Kampf im nächsten Herbst wird nicht zwischen Links und Rechts ausgetragen, sondern innerhalb des bürgerlichen Blocks. Den Ständeratssitz dürfte die SP, wie seit Jahrzehnten, relativ problemlos halten. Ob nun mit Anita Fetz oder mit Regierungsrätin Eva Herzog, der ebenfalls Interesse an einem Wechsel nach Bern nachgesagt wird.