Kandidatensuche

Nationalratswahlen: Die Basler FDP hätte Tamara Wernli einfach gernli

Die Basler FDP hat ein Personalproblem: zu wenig Frauen, zu wenig Promi-Faktor. In der TV-Moderatorin Tamara Wernli scheinen die Freisinnigen gefunden zu haben, was beide Probleme lösen würde. Diese hat das Angebot aber bislang ausgeschlagen.

Der verlorene Sitz bei den Nationalratswahlen 2015 schmerzt die Basler FDP noch immer. Auch die Grossratswahlen 2016 endeten in einer Niederlage. Oder die Gemeindewahlen in Riehen. Beim Basler Freisinn steckt der Wurm drin und das will die Parteispitze unbedingt ändern. Nicht nur Parteiprogramm und -strukturen werden überarbeitet. Die FDP versucht auch, den Wähler mit prominenten Köpfen für sich zu gewinnen. So soll etwa der frühere Stadtentwickler Thomas Kessler im kommenden Jahr für den Nationalrat kandidieren. Doch damit nicht genug: Ins Auge gefasst hat die FDP auch Tamara Wernli.

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Die einstige Telebasel-Moderatorin zählt zu den bekanntesten Gesichtern der Region. Wernli arbeit heute als selbstständige Moderatorin, Autorin und Kolumnistin für die «Basler Zeitung». «Wir haben mit ihr über ihre politischen Interessen gesprochen», bestätigt FDP-Präsident Luca Urgese. «Aber sie will im Moment nicht für den Nationalrat kandidieren.» Eigentlich aber sei Wernli an der FDP-Politik interessiert und überlege sich auch eine Parteimitgliedschaft, betont Urgese. «Wir würden uns natürlich sehr darüber freuen.» Die Partei sei immer offen für liberale, qualifizierte Personen. Zudem sei Wernli auch noch geschäftlich erfolgreich. «So jemanden würden wir sehr gerne in unseren Reihen wissen.»

Sie sei von der Anfrage der FDP nicht völlig überrascht worden, sagt die 45-Jährige: «Meine politische Haltung, meine Werte und Massstäbe im Leben dringen ja in meinen Texten immer wieder an die Oberfläche.» Sie tendierten in die klassisch liberale Richtung mit dem Wunsch nach einer möglichst liberalen Gesellschaft. Eine Kandidatur könne sie sich denn auch durchaus vorstellen. Der Zeitpunkt aber ist der falsche. Sie sei derzeit beruflich sehr engagiert, referiere auch im Ausland zu Gesellschaftsthemen oder kommentiere Ereignisse auf ihrem Youtube-Kanal.

Die Kehrseite der Medaille

Eine Nationalratskandidatur hat da im Moment keinen Platz. «Wenn ich ein Projekt starte, gehören Loyalität und hundertprozentiger Einsatz dazu», sagt Wernli. Da das derzeit nicht möglich wäre, habe sie abgesagt. Das soll aber nicht für immer gelten: «So alt bin ich ja noch nicht und ich denke, auch in fünf Jahren werden sich politische Inhalte finden, über die ich mich masslos aufrege.» Da könnte man ja selber mitanpacken und politisch versuchen, seine Vorstellungen von einem liberalen Staat einzubringen.

Mit einer Kandidatur von Tamara Wernli hätte die Basler FDP gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: Sie hätte einerseits ein prominentes Gesicht für sich gewinnen können. Andererseits hat die Partei ein Frauenproblem. In der elfköpfigen Grossratsfraktion sitzt mit Martina Bernasconi gerade mal eine Frau – und die ist von den Grünliberalen übergelaufen. «Wir würden uns sicher mehr Frauen in exponierten Positionen wünschen», räumt FDP-Präsident Urgese ein. Sein Ziel seien denn auch zwei Frauen für die fünf Plätze auf der Nationalratsliste – mindestens.

Die Suche nach prominenten Zugängen hat allerdings eine Kehrseite: Bei Parteimitgliedern, die bereits eine langjährige Ochsentour hinter sich haben, lösen sie Murren aus. «Es liegt in der Natur der Sache, dass Quereinsteiger immer auf gewisse Vorbehalte stossen», kommentiert Urgese. Die Kandidatensuche finde jedoch auch innerhalb der Parteibasis statt. «Ich bin aber überzeugt, dass uns neben Erfahrung auch frisches Blut guttut.» Um erfolgreich zu sein, brauche es beides.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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