Dies academicus
Neben Uni-Rektor hält auch eine Frau eine Rede – dies sogar auf Englisch

An der Jahresfeier der Uni Basel teilte Uni-Rektor Antonio Loprieno seine Redezeit mit einer Molekularbiologin. Das war gewöhnungsbedürftig: Susan M. Gasser hielt ihre Rede auf Englisch, wie die Wissenschaft künftig auf den Alltag der Patienten wirkt.

Pascale Hofmeier
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553. Dies academicus der Uni Basel
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Rektor Antonio Loprieno (blau, rechts) und Rednerin Susan Gasser (grün).
Rektor Antonio Loprieno (blau, rechts) und Rednerin Susan Gasser (grün).
Rektor Antonio Loprieno (blau, rechts) und Rednerin Susan Gasser (grün).
Die Martinskirche war am 553. Dies academicus der Universität Basel bis auf den letzten Platz besetzt.
Die Martinskirche war am 553. Dies academicus der Universität Basel bis auf den letzten Platz besetzt.
Die studentischen Verbindungen beim Einmarsch während des Dies academicus.
Uni-Rektor Antonio Loprieno mit der Rede am Dies academicus.
Uni-Rektor Antonio Loprieno mit der Rede am Dies academicus.
Uni-Rektor Antonio Loprieno mit der Rede am Dies academicus.

553. Dies academicus der Uni Basel

Nicole Nars-Zimmer

In Talare mit farbigen Stolen gewandet, die Dekane mit prunkvollen Ketten geschmückt, schritten die Würdenträger, Professorinnen und Professoren der Universität Basel am Freitag zur 553. Jahresfeier der Uni in die Martinskirche. Einige mit feierlich-freundlicher, die Mehrheit mit pflichtneutraler Miene. Der Einzug, dieses Jahr begleitet von Chor und Orchester der Schola Cantorum Basiliensis, folgt seit Jahrhunderten demselben Protokoll – die Zeremonie zum Dies academicus ebenso.

Überraschender Rednerwechsel

Mit der Anrede «Hochanschauliche Festversammlung» begrüsste Uni-Rektor Antonio Loprieno die Gäste, bevor er zur Rede ansetzte. Diese gilt als Piece de Résistance und der Rektor hält sie in der Regel allein. Aus einer kurzen Abhandlung über das Verhältnis des Uni-Leitbilds als allgemeine Zielsetzung und der Strategie als praktischer Orientierungshilfe, leitete Loprieno die Aufforderung ab, nicht jede Fakultät solle sich nur für ihre eigenen Stärken einsetzen, die Universität brauche eine gemeinsame Ausrichtung.

Dann übergab er das Mikrofon einer Frau: Susan M. Gasser. Sie ist Professorin für Molekularbiologie an der Universität Basel und Direktorin des Friedrich Miescher Institutes für Biomedizinische Forschung (FMI). Bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund, dass die Uni zuletzt wegen Problemen, Frauen für Professuren zu finden, in den Schlagzeilen war. Und auch, weil das FMI kein Uni-Institut, sondern der Uni assoziiert ist. Gasser blickte in ihrer auf Englisch gehaltenen Dies-Rede in die Zukunft der Medizin.

Medizin wird sich stark verändern

Sie zeichnete komplexe und gewöhnungsbedürftige Bilder: Künftig wird es Expertengruppen geben, die eine Flut von Patienten-Daten interpretieren. So ziehe die wissenschaftliche Arbeit in den klinischen Alltag ein. Der Grund: Bald würden Patienten routinemässig einer Reihe genetischer Tests unterzogen, bevor ein Arzt eine Diagnose stelle. Und um diese grossen Datensets im Kontext einer Krankheit korrekt zu interpretieren, bräuchten Ärzte künftig ein gutes Verständnis von Biochemie, Mathematik und Statistik. «Wir müssen definieren, wo in der grossen Datenflut Normalität liegt.»

Zudem werde sich das Verhältnis zwischen Patient und Arzt weiter verändern, weil Patienten ihre Vitaldaten permanent überwachten und sich im Internet informierten. Gasser warnte vor einem Vertrauensverlust: «Je komplexer die Definitionen von Krankheiten werden, desto einfachere Erklärungen könnten die Menschen suchen.» Und sie nutzte die Gelegenheit, sich für die Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Organisationen auszusprechen.

Acht Ehrendoktoren

Wieder hergestellt war das traditionelle Protokoll bei der Verleihung der acht Ehrendoktortitel durch die Dekane von sechs Fakultäten (in der Spalte). Eigentlich hätten es neun Titel sein sollen. Die Geehrte der Theologischen Fakultät, Marianne Stauffacher, ehemalige Leiterin des Theologischen Verlags Zürich, verstarb im September überraschend.

Überreicht wurden eine ganze Reihe weiterer Auszeichnungen fast ausschliesslich an jüngere Forschende. Unter den Preisträgern sind Benjamin Scheibehenne (Psychologische Fakultät, Amberbach-Preis), Lucius Kratzert (Theologische Fakultät), Daniel Schaffner (Juristische Fakultät) und Michael Dill (Medizinische Fakultät).