Die Wut war unermesslich. Die Wut derer, die sich über das Logo der Basler Guggenmusik Negro-Rhygass empörten, die Karikatur eines Afrikaners mit kolonial inspiriertem Knochen im Haar. Dann war da aber auch die Wut derer, die wütend auf die Wütenden waren. Es gehe doch um die Basler Fasnacht, hiess es. Wie man da nur von Rassismus reden könne, unerhört sei das. Ende August machten entsprechende Artikel im Internet die Runde, die Kommentare wurden je länger, je gehässiger. In beide Richtungen.

Am Montag ging es wieder los. Die Negro-Rhygass vermeldete, dass sie sich von ebendiesem kritisierten Logo verabschieden würde. Der Name aber bleibe. Auch werde man die Drucke und Kleber auf den Instrumenten vorderhand nicht ändern. Somit bleibt das Logo weiterhin teilweise sichtbar. Offiziell aber verschwinde es: «Die Basler Fasnachtsclique Negro-Rhygass setzt damit ein klares Zeichen für Toleranz und Tradition», heisst es in der Mitteilung. Ein neues Logo gebe es noch nicht.

Rassismus-Debatte: Facebook sperrt die Negro-Rhygass und Mohrekopf

Rassismus-Debatte: Facebook sperrt die Negro-Rhygass und Mohrekopf

Die traditionelle Basler Guggemusig Negro-Rhygass findet sich wegen ihres Namens und ihres Logos plötzlich in einer Rassismus-Debatte wieder

Überdrehte Rassismus-Debatte

Die Figur vorerst auf Instrumenten zu belassen, hat auch finanzielle Gründe. Eine Komplettbereinigung wäre für die Vereinsmitglieder zu sehr ins Geld gegangen. Mitgeteilt hat die Negro-Rhygass das Vorgehen ausschliesslich via Communiqué. Das Schriftstück ist auch das Einzige, was derzeit auf der wiederaufgeschalteten Website www.negro-rhygass.ch zu sehen ist.

Die Lawine wurde losgetreten, als sich ein anonymer Student gegenüber «20 Minuten» über das Logo der Gugge empört hatte. Er hatte es auf einem Plakat am Sommerfest der Gugge im Kleinbasel prangen sehen. Das sei rassistisch. Die Debatte kam daraufhin rasant in Fahrt, die Medienberichterstattung hielt über Tage an.

In diesem Zug wurde auch die Guggenmusik Mohrenkopf angegriffen. Andere Guggen, vor allem aus dem Baselbiet, wollten sich solidarisch zeigen und organisierten einen Protestmarsch vom Gross- ins Kleinbasel. Das heizte die Debatte nur noch mehr an, zumal sich Rechtsextreme unter die kundgebende Menge mischten und sich dem Zug eine Antifa-Gegendemo in den Weg stellte.

Schliesslich gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema. Dabei rief der Basler Professor Georg Kreis, bis 2011 Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR), zur Gelassenheit auf und riet: Wäre er Mitglied bei der zuständigen Gugge, würde er zumindest für die Abschaffung des Knochens plädieren.
Das wurde jetzt vollzogen. Allerdings inklusive Maskottchen.

Mohrekopf bleibt beim Namen

Wie die Gugge Mohrekopf hingegen weiterfährt, ist noch offen. Der Verein will diesen Donnerstag übers Logo reden, wie Obmann Daniel Bachmann bestätigt. Schon von Anfang an stellte sich die Gugge auf den Standpunkt, dass am Namen nichts geändert werde. Die weiteren Schritte seien grundsätzlich in Absprache mit der Negro-Rhygass getätigt worden, sagt Bachmann.

Die Diskussion sei noch ergebnisoffen, denn für die Gugge ist klar: «Entschieden wird nach der Fasnacht und zwar an der Generalversammlung», so Bachmann. Denn über eine so gravierende Frage zur Vereinsidentität habe der gesamte Verein zu entscheiden und nicht ein Ausschuss, zumal eine Änderung oder Entfernung des Logos auch bei der «Mohrekopf» mit einer Kostenfolge für jedes Mitglied verbunden sei.