Die grosse Überraschung im Basler Grossen Rat heute war das Abstimmungsresultat: 34:34 - eine Patt-Situation. Dabei sind Beobachter davon ausgegangen, dass die Forderung nach einer Sprachquote in Basels Schulen kaum Chancen hat.

Zugegeben: Es handelte sich lediglich um einen Anzug, also um ein blosses Postulat, in dem die Regierung aufgefordert wird, Bericht zu erstatten. Trotzdem sind Forderung und Argumente gefährlich, welche die unheilige Allianz von links und rechts, von Staatsintervention und Fremdenfeindlichkeit, zum Vorstoss bewogen haben.

Da ist zum einen der unterstellte Zusammenhang zwischen Muttersprache und Bildungsfähigkeit: Problematisch in vielen Schulzimmern ist nicht einfach die Sprache, sondern der mangelnde Wille zu Bildung und Disziplin (nicht nur der Schüler, sondern auch vieler Eltern). Abhilfe bietet da nicht eine Sprachquote, sondern soziale Integration.

Zum anderen will der Vorstoss das Problem der schlechten Durchmischung einiger Quartiere beheben, indem die Symptome bekämpft werden. Gescheiter wäre es, mit Anreizen für eine bessere Durchmischung der Quartiere zu sorgen, etwa mit besonders attraktiven Schulangeboten in Problemquartieren oder mit gemischten Überbauungen, welche Wohnungen in allen Preiskategorien anbieten.

Dass Conradin Cramer heute im Grossen Rat als Präsident den Stichentscheid geben musste, ist bedenklich. Es zeigt, wie verfänglich dieser Mix aus kruden Lösungsvorschlägen und Fremdenfeindlichkeit auch in Basel ist. Dem kann man nur eins entgegensetzen: Kühle Vernunft.