Bill Gates, Steve Jobs und Mark Zuckerberg haben zwei Dinge gemeinsam. Sie sind oder waren sagenhaft reich. Und Nerds. Intelligente, technik-affine Typen, die in jungen Jahren wegen ihres Aussehens und ihres Interesses an Computern und Programmiersprachen belächelt wurden.

Die Bezeichnung «Nerd» war in den USA, seit sie in den den 60er-Jahren aufgekommen ist, ein negativ besetzter Begriff für Personen mit mangelnden sozialen Fähigkeiten. «Bei der ersten Mondlandung waren die Nerds diejenigen, die mit krummem Rücken und grosser Brille irgendetwas in den Computer eingegeben haben, und nicht die strahlenden Helden, die tatsächlich auf dem Mond gelandet sind», heisst es im Arte-Film «Nerd-Alarm» passend.

Der Arte-Film "Nerd-Alarm" von 2012.

An diesem Selbstverständnis hat sich seither einiges geändert. «Ich bin ein Vollblut-Nerd», sagt beispielsweise Christian Schlauri von sich. Der 31-jährige will mit seinem Verein in Basel einen Treffpunkt für Angehörige der Nerd-Kultur eröffnen. «Wenn alles gut läuft, können wir bereits im Januar loslegen», sagt der Informatiker.

Das Zentrum soll die Nerd-Kultur salonfähiger machen und zugleich Anlaufstelle für Eltern sein, deren Kinder beispielsweise zu viel Computerspielen. «Wir haben festgestellt, dass in Basel ein solches Angebot fehlt. Wenn sich beispielsweise Rollenspieler in einem Restaurant treffen, stossen sie auf Unverständnis und werden im schlimmsten Fall hinausgeworfen», sagt Schlauri.

Anlaufstelle für Eltern

Auch Eltern fehle häufig das Wissen, um mögliche Probleme vor ihren Kindern anzusprechen und gemeinsam zu lösen. «Viele Eltern wissen beispielsweise nicht, dass man bei modernen Computerspielen nicht einfach die Pause-Taste drücken kann, wenn das Abendessen bereit ist. Heute spielen die Kids gemeinsam mit Mitspielern rund um den Globus und riskieren, von künftigen Partien ausgeschlossen zu werden, wenn sie das Spiel zum falschen Zeitpunkt verlassen», erklärt Vereins-Vizepräsident Fernando Studer.

Gemeinsam mit drei weiteren Vorstandsmitgliedern sind Studer und Schlauri derzeit auf der Suche nach Finanzierungspartnern für ihr Projekt, das nebst dem Nerd-Treffpunkt auch ein Projekt zur Wiedereingliederung arbeitsloser Informatiker oder anderer technikbegeisterter Menschen umfasst. «Erste Gespräche mit einer namhaften Stiftung stimmen uns positiv», sagt Schlauri.

Der Zeitpunkt für ein Nerd-Zentrum sei ideal, sagen die beiden. «In Basel hat sich in den letzten Monaten sehr viel getan. Mit der «Fantasy Basel» wurde im Mai die erste Nerd-Messe durchgeführt. Im Oktober hat der Verein erstmals das Finale einer Computerspiel-WM öffentlich gezeigt – «mit grossem Erfolg», so Schlauri. Und auch allgemein reiten die Nerds derzeit auf einer Erfolgswelle. So erzielt die Nerd-Serie «The Big Bang Theory» im deutschsprachigen Raum Rekord-Einschaltquoten und die «Herr-der-Ringe»-Trilogie füllte Anfang Jahrtausend weltweit die Kinosäle. «Geschichten und Filme wie ‹Herr der Ringe› waren ursprünglich typische Nerd-Geschichten, sind aber heute in weiten Teilen der Bevölkerung sehr beliebt», sagt Schlauri.

Weitere Informationen unter: www.vaisk.ch