Es war ein freudscher Versprecher. Als Frank Lorenz das Wort an Bernhard Burgener richten wollte, nannte er ihn Heusler. Herr Heusler. So also wie den Vorgänger des Mannes, der an diesem Dienstagabend in der Elisabethenkirche sass, um Auskunft zu geben. Ein erstes Mal als gewählter Präsident des FC Basel, elf Tage nach seiner offiziellen Inthronisierung an der Generalversammlung vom 9. Juni. «Ist gut», so die Reaktion Burgeners mit einem Lächeln. Es scheint, als wäre es sich der neue FCB-Präsident bereits gewöhnt, dass die Leute sich wiederum noch nicht an ihn gewöhnt haben. 

In einer Runde mit Ballettdirektor Richard Wherlock, SP-Nationalrätin Silvia Schenker, Grossrat Thomas Gander und der Leiterin des Standortmarketing von Basel, Sabine Horvath, sollte sich Burgener im Rahmen der Diskussionsrunde «Basel im Gespräch», welche von der bz mitorganisiert wird, zur Bedeutung des Vereins, der Bedeutung des Phänomens des FCB in der Stadt und vor allem auch dessen Zukunft unter seiner Leitung äussern. Es war passend, dass er dies in einer Kirche tat. Symbolisch dafür, dass der FCB in der Region eine Religion ist.

Und es passt auch zu Burgener, diesem Unternehmer, der Wert darauf legt, dass er schon viele Marken gross gemacht hat, dass er, um die Bedeutung seines Vereins zu erklären, nur gerecht wird, wenn man Parallelen zu anderen grossen Namen sucht: «Basel hat die selbe Ausstrahlung, wie sie Barcelona und der FC Bayern in ihren Ländern haben. Das ist ganz besonders. Man fühlt sich verbunden mit der Stadt, wie das in wenigen anderen Städten zelebriert wird. Natürlich gibt es in diesen Ländern noch andere grosse Vereine. Aber am Ende sind es immer Bayern und Barcelona.»

"Basel im Gespräch" mit Bernhard Burgener zur Rolle des FCB in der Stadt Basel.

Basel im Gespräch mit Bernhard Burgener, Silvia Schenker, Richard Wherlock, Thomas Gander und Sabine Horvath.

"Basel im Gespräch" mit Bernhard Burgener zur Rolle des FCB in der Stadt Basel.

Fehlendes Feuer

Es sind Worte, die man in Basel zwar gerne hört, die aber nicht für die grosse Begeisterung sorgen. Dafür brauchte Burgener Karli Odermatt, einen seiner besten Freunde, wie er ihn selber vorstellte. Und eine FCB-Legende. Als dieser das Wort ergriff, schien der Funke überzuspringen zu den anwesenden Fans, welche die Heterogenität der FCB-Fans, die an diesem Abend immer wieder betont, gelobt und ins Zentrum gerückt wurde, perfekt widerspiegelte.

«Basel tickt eben anders. Das was hier passiert, das ist anders als überall sonst. Das muss man erlebt haben. Ich bin mittlerweile 74, und doch kennt mich noch jedes Kind.» Mit seinen Worten entfachte Odermatt ein kleines Feuer, das einerseits Burgener etwas vermissen liess, das zuletzt aber auch dem FCB auf dem Platz etwas fehlte.

Der Wunsch nach Stocker 

Auch deshalb sei es Zeit für einen Umbruch, wie er betonte. «Dafür müssen wir stehen, das haben wir versprochen. Wir haben aktuell nur einen Spieler, der für Basel steht, das ist Taulant Xhaka. Aber ich will dem FC Basel wieder mehr Basel geben.» Damit, und dessen sei er sich sicher, kann er auch die Fans gewinnen. Auch jene, die zuletzt eher zu Hause geblieben sind, weil, wie Silvia Schenker sagte, «eine gewisse Sättigung da war».

Es sind Fans wie sie, egal woher und welcher Schicht sie angehören, die Burgener glücklich machen will. «Sie sind das Wichtigste. Der Fan steht im Mittelpunkt. Und zwar nicht nur die Muttenzerkurve, sondern alle, die sich mit dem Verein verbunden fühlen. Mit ihnen will ich einen Dialog haben, ihnen zuhören und ihre Wünsche erfüllen.» Welche das genau sind, kam nicht heraus.

Kaum einer der Zuhörer wagte es, das Mikrofon zu ergreifen. Und wenn, dann nur, um Burgener zu ermahnen, dass man Sorge zur Muttenzerkurve tragen müsse – und zur Spielkultur, die zuletzt stark gelitten habe. 

Genau so wie die Sicherheit, die die abgetretene Führung verkörperte. Das föderalistische Prinzip, das Burgener eingeführt hat, es schüre «Verunsicherung bei den Fans. Der Verein wurde in der Vergangenheit immer von starken Personen getragen, sei dies Bernhard Heusler, Gigi Oeri oder René C. Jäggi. Und sie wollen sich ins zweite Glied stellen», so die Botschaft von Thomas Gander, der die Stimmung der Fans, mit denen er gesprochen habe, zu vermitteln versuchte. 

Dass sich Burgener der grossen Verantwortung bewusst ist, das versuchte er zu erklären. Er habe den FCB mit Herzblut übernommen und in ihn investiert. «Dieser Verein ist kein Spielzeug. Wir müssen diese Erfolgsgeschichte weiterschreiben.» Schliesslich wolle man die sportlichen Ansprüche erfüllen, gepaart mit der Umsetzung der Ziele, die man sich mit dem Konzept «Für immer Rot-Blau» gesetzt hat. Und wieder mehr Identifikation stiften. Dafür brauche es nicht zwingend Basler, meinte Schenker, und sprach den Wunsch aus, Valentin Stocker, wieder beim FCB zu sehen. Etwas was, so liess sich Burgener entlocken, «mich auch riesig freuen würde».