Kaum war René Häfliger gewählt, gelangten etliche Nachbarn an ihn. Ob er nicht etwas gegen den geplanten «Begegnungsort» direkt vor der gemeinsamen Haustür unternehmen könne, jetzt, da er bald im Grossen Rat sitze? Häfliger kann. Das heisst, er versucht es. Der FCB-Moderator hat gestern eine Interpellation zum Thema eingereicht. Es ist sein erster Vorstoss.

Wie alle neu gewählten Parlamentarier ist Häfliger (LDP) erst am 1. Februar offiziell im Amt, doch er möchte, dass sein Vorstoss auch wirklich in der ersten Sitzung in einer Woche beantwortet wird. Denn das Geschäft dazu ist ebenfalls auf der Februar-Tagesordnung aufgeführt. Es ist ein Anzug des scheidenden SP-Grossrats Martin Lüchinger betreffend «Aufhebung der Parkplätze am Unteren Rheinweg».

Heisst der Grosse Rat Lüchingers Begehren gut, werden noch diesen Sommer
17 Parkplätze am Rheinufer zwischen dem Bläsiring und der Offenburgerstrasse kurz vor der Dreirosen-Buvette aufgehoben. Dies zugunsten von Veloparkplätzen und einem «Begegnungsort». Über 200 Unterzeichner hatten dazu schon die Petition «Flanieren statt Parkieren» eingereicht.

Befürworter wollen Wohnqualität

Häfliger stellt klar: «Ich bin dafür, dass das Kleinbasel lebt und unterstütze die Entwicklung am Rheinbord auch als Anwohner. Doch eine weitere Begegnungszone braucht es nicht, mehr Begegnung als hier geht gar nicht. Im Sommer fühlen wir uns jetzt schon wie an der Copacabana.»

Martin Lüchinger scheint das nicht zu stören. Wie Häfliger lebt auch er im Kleinbasel, anders als Häfliger aber nicht am Rhein. Für Lüchinger ist es «unverständlich», dass der besagte Platz als Parkplatzzone genutzt wird. «In Anbetracht der wenigen freien Plätze in diesem Quartier wäre es naheliegend, diesen Parklatz zugunsten eines ungestalteten Begegnungs- und Bewegungsorts, ähnlich wie bei der Kaserne, aufzuheben», schrieb er damals im Anzug – und berief sich auf eine bessere Wohnqualität, die so entstehen könnte.

Zahlreiche Anwohner sehen das anders. Sie glauben, die Wohnqualität leide mit einem neuen Platz noch mehr. Die Angst vor noch mehr Party ist so gross, dass sich die Interessengemeinschaft Unteres Kleinbasel in dieser Sache gar an das Stadtteilsekretariat Kleinbasel gewendet hat.

«Die Anwohner fühlen sich vom Kanton vernachlässigt», sagt Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat. «Sie haben das Gefühl, der Kanton tue alles, um aus dem Unteren Rheinweg einen Ballermann zu machen.» Wernli kann diese Angst nachvollziehen, zumal der Platz mit fest montierten Bänken und saisonalen Tisch-Bank-Garnituren bestückt werden soll.

Anwohner befürchten mehr Party

Und das, nachdem feste Betonrondellen wegen zu viel Lärm abmontiert worden seien. «Geändert hat sich damit aber nicht viel, die Leute sitzen jetzt halt auf den Rasenflächen», sagt Wernli. Sie glaubt, dass der neugestaltete Platz noch mehr Publikum ans Rheinbord ziehen wird. Vor allem, weil die neue Fläche bisher nicht als Aufenthaltsort genutzt werden konnte. Im Gegensatz zu der Dreirosen-Buvette sei der neue «Begegnungsort» jedoch direkt vor Wohnhäusern geplant. «Die Buvette befindet sich vor einer Schule, dort stört sich abends niemand über Lärm», sagt Wernli. An einer Veranstaltung des Stadtteilsekretariats in gut einer Woche werden die Verantwortlichen des Kantons über die Aufwertungsmassnahmen informieren. Anwohner sind eingeladen, ihre Bedenken zu äussern und Fragen zu stellen.

Fragen, die teilweise bereits gestellt worden sind – wenn auch erst in schriftlicher Form und noch nicht offiziell. So fragt René Häfliger in seiner Interpellation, ob die geplante Aussenmöblierung bereits beschlossene Sache sei. Falls ja, warum die Anwohner nicht in den Entscheid einbezogen worden seien. Er will zudem wissen, ob die Regierung auf «einen allfälligen Beschluss zurückkommen wird, wenn sich der Widerstand der Anwohner gegen die Möblierung klar manifestiert».

Die Regierung ist Feuer und Flamme für die Umgestaltung: Sie hat dem Grossen Rat beantragt, Lüchingers Vorstoss stehen zu lassen. Falls der Grosse Rat den Anzug trotz der Empfehlung abschreibt, werde auf die Umgestaltung verzichtet, heisst es.