Naturhistorische Museum

Neu im Museum: Erdbeben, Dinos und jede Menge Käfer

Mit dem bevorstehenden Umzug konzipiert das Naturhistorische Museum alle Ausstellungen neu und wartet mit einigen Neuheiten auf.

Vergangenen Frühling hat die Basler Stimmbevölkerung den Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv abgesegnet. Für nächstes Jahr ist der Spatenstich geplant, die Eröffnung soll 2025/26 stattfinden. Bisher ist allerdings erst bekannt, wie der 214 Millionen teure Neubau von aussen aussehen wird. Nun sprechen die Verantwortlichen des Naturhistorischen Museums erstmals über ihre Pläne.


Mit dem Umzug werden die Karten neu gemischt. «Wir zügeln nicht einfach die Ausstellungen», sagt Co-Direktor David Alder. Intern ist nun der Prozess gestartet worden, welche Themen die acht geplanten Dauerausstellungen im neuen Museum abdecken sollen. Einige Schwerpunkte sind bereits klar: «Wir werden sicher wieder eine Dinosaurier-Ausstellung haben», sagt Alder. «Dank den neuen Räumlichkeiten könnten wir auch grössere Exemplare ausstellen.»


Ein weiterer Schwerpunkt werde sicher auch die Klimaveränderung und deren Auswirkungen auf die Natur sein. Die Ausstellung solle zudem künftig schneller wechseln. Am aktuellen Standort sind gewisse Räume seit über 40 Jahren unverändert. «Das wollen wir künftig nicht mehr so», sagt Alder. Auch technologisch wird das Naturhistorische Museum mit dem Umzug im 21. Jahrhundert ankommen. Ein Beispiel, wie das aussehen könnte, befand sich in den vergangenen Wochen im Museum. Als Schildkröte konnten Besucher durch den Ozean schwimmen, mit Virtual Reality-Brille auf dem Kopf, und den eigenen Armen und Beinen als Flossen.


Erdbebensimulator und offene Arbeitsräume

Daneben kann das künftige Museum auch mit einer Neuerung aufwarten. Im Neubau wird es einen Erdbebensimulator geben: ein Raum in der Grösse eines Schulzimmers, in dem Erdbeben mit verschiedener Stärke nacherlebt werden können – etwa dasjenige von Basel von 1356. Für den Erdbebensimulator arbeitet das Naturhistorische Museum mit dem Basler Gesundheits- und Sicherheitsdepartement zusammen. «Das Ganze soll nicht nur zur Unterhaltung da sein, sondern einen präventiven Charakter haben», sagt Co-Direktor Basil Thüring. So werde auch über Gefahren und die richtigen Verhaltensweisen informiert, wenn die Erde bebt. Der Simulator stellt vor allem auch hohe bauliche Anforderungen, denn die Bewegungen müssen vom Gebäude entsprechend abgefangen werden können.


Eine weitere Änderung: Künftig soll die umfangreiche Sammlung des Museums deutlich sichtbarer werden als bisher. Aktuell wird nur rund ein Promille des Bestands ausgestellt. In den Untergeschossen am Münsterberg und im München-
steiner Gewerbegebiet lagern fast zwölf Millionen Exponate, für die Öffentlichkeit praktisch nicht zugänglich. So verfügt das Naturhistorische Museum über eine der weltweit grössten Käfersammlungen mit über 4,5 Millionen präparierten Insekten. Oder eine Vielzahl an präparierten Tieren, Skeletten und Fossilien, die keinen Platz im Berri-Bau finden. Im neuen Museum soll die Sammlung nun in den Gängen, welche die verschiedenen Ausstellungsräume miteinander verbinden, gezeigt werden. «Das ist weltweit einzigartig», sagt Thüring. «Und es gibt uns die Möglichkeit, sehr kurzfristig auf aktuelle Themen zu reagieren, ohne gleich eine ganze Ausstellung konzipieren zu müssen.» Auch die Arbeitsräume der Präparatoren im Erdgeschoss werden einsehbar. So kann man live bei der Erstellung eines Exponats zuschauen.


Giraffe kann nicht mit, neue Grossobjekte geplant

Mit dem Umzug muss sich das Naturhistorische Museum, das vergangenes Jahr mit rund 150000 Besuchern einen neuen Rekord verbuchen konnte, auch von ein paar lieb gewonnenen Exponaten trennen. So ist etwa die Giraffe derart in die Jahre gekommen, dass ein Umzug wenig Sinn macht (die bz berichtete). Auch beim allseits beliebten Mammut hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. «Wir überlegen, ein neues Exemplar für die Eingangshalle zu besorgen», sagt Alder. Andere Ausstellungsstücke wie der Höhlenbär oder das Walskelett kommen sicher mit.


Geplant ist zudem, dass für das neue Museum auch mehrere grössere Objekte angeschafft werden. Allerdings müsse erst abgeklärt werden, was sich zur thematischen Ergänzung der Sammlung eignen würde. Ein spezielles Budget für Neuanschaffungen gibt es nicht. Geplant ist, bei Stiftungen oder Mäzenen anzuklopfen, sobald die Pläne konkreter werden. Zumal etwa ein Saurierskelett schnell mal einen sechsstelligen Betrag kostet.

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