Mensa 2.0
Neuauflage der Mensa im ökologischen Gewand

Aus Verdruss über das «Fliessbandessen» in der Uni-Mensa organisieren Basler Studierende ihre eigenen Mittagstische und feiern heute ein kleines Jubiläum: Zum 40. Mal findet ein Essen der Mensa 2.0 statt.

Sebastian Moos
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Mensa im Kleinen: Eine Teilnehmerrunde eines Mittagstisches. ZVG

Mensa im Kleinen: Eine Teilnehmerrunde eines Mittagstisches. ZVG

Bei Ronny in der Hammerstrasse wird es heute Mittag Frühlingswähen für etwa sechs Leute geben. Es ist ein kleines Jubiläum: Zum 40. Mal findet ein Essen der Mensa 2.0 statt. Einer «Neuauflage der Idee der Mensa», erklärt Fabian Kohler.

Der Student vertritt das Projekt, solange der Initiant Tobias Spring im Ausland weilt. Er lancierte die Idee vor rund einem Jahr. Laut Kohler ist es eine Mitmach-Mensa. Grosse, vollgestopfte Räume, Menschen in Schlangen, die auf die Essensausgabe warten, sind nicht das Konzept von Mensa 2.0. Vielmehr will sie die Kantine zu jedem nach Hause bringen und dies vegetarisch, saisonal und regional.

Eine Mensa bei jedem zu Hause

Das Konzept ist einfach: Es gibt Kochende und Essende. Erstere geben in einer Tabelle auf der Website bekannt, wann, wo und was sie für wie viele Leute zu Mittag kochen. Die Essenden können sich bei Interesse eintragen und sich beim Kochenden zu Hause verwöhnen lassen.

Für die Kochenden gelten vier Bedingungen: Das Essen muss vegetarisch und saisonal sein, es soll wenn möglich aus der Region kommen und die nicht regionalen Produkte sollen bio und fair gehandelt worden sein. Der Richtpreis beträgt 5 Franken, das Essen soll in erster Linie kostendeckend sein.

Laut Kohler geht es keinem Koch «an den Kragen», wenn er gegen die Vorgaben verstösst. «Die Idee der Mensa 2.0 ist aus allgemeiner Unzufriedenheit mit der Verpflegung durch die Uni entstanden», erklärt er. Bemängelt werden insbesondere die hohen Preise, fehlende Preisreduktionen für vegetarisches Essen sowie das wenig saisonale und regionale Angebot.

Veranstaltungsorte von Kleinhüningen bis ins Gundeli

Die Mensa 2.0 findet hauptsächlich während des Semesters statt. Diesen Frühling hat sie mit einem Picknick im Park begonnen – auch das ist möglich. Laut Kohler haben insgesamt gegen 50 Leute schon teilgenommen, mehrheitlich Studenten. Die Veranstaltungsorte verteilen sich von Kleinhüningen bis zum Gundeldinger Quartier. Die Rückmeldungen seien positiv, aber verhalten, sagt Kohler. Immerhin: Das Projekt war letzten Herbst für den Young-Caritas-Award nominiert, eine Auszeichnung für sozial engagierte Jugendliche.

Das Projekt trifft auch sonst auf Wohlwollen. Die katholische Universitätsgemeinde (Kug) stellte bereits zwei Mal ihre grosse Küche für ein Mittagessen zur Verfügung. Janique Behman von der Kug bemängelt besonders, dass das Angebot für Veganer in der Uni-Mensa «sehr mager» sei. Die Mensa 2.0 sei ein Weg zu einer sinnvolleren und nachhaltigeren Welt.

In kleinem Rahmen

Andrea Hüsser, Konsum-Expertin bei der Erklärung von Bern (EVB) bestätigt: Gerade mit einem reduzierten Fleischkonsum könne man preislich, ökologisch und sozial viel herausholen. «Wir schätzen das Angebot der Mensa 2.0 als tolle Alternative zum Fliessbandessen in der SV-Mensa», erklärt auch Chaim Howald, Vorstandsmitglied der Studierendenvertretung der Uni (Skuba).

Die Mensa 2.0 will dezentral und im kleineren Rahmen bleiben. Kohler würde es aber begrüssen, wenn die Idee künftig grössere Kreise zieht. «Toll wäre, wenn es pro Tag mehrere Angebote gäbe.»