Umzug
Neubau vertreibt das Radio: «Basilisik» zieht zum Marktplatz

Nach dreissig Jahren verlässt «Radio Basilisk» die Alte Börse am Fischmarkt und zieht zum Marktplatz.

Christian Mensch
Merken
Drucken
Teilen
Nicht besonders praktisch, aber spektakulär: Das Radiostudio von «Radio Basilisk» im alten Börsensaal am Basler Fischmarkt.

Nicht besonders praktisch, aber spektakulär: Das Radiostudio von «Radio Basilisk» im alten Börsensaal am Basler Fischmarkt.

Kenneth Nars

In diesem Jahr sollen die Arbeiten für den Neubau des Amts für Umwelt und Energie am Fischmarkt beginnen. Spätestens wenn die Bagger auffahren und mit der Abrissbirne das bestehende Gebäude in Schutt legen, ist es vorbei mit der Ruhe – und mit dem Sendebetrieb von «Radio Basilisk» in der direkt angrenzenden Liegenschaft.

Lokalradio-Inhaber Matthias Hagemann sagt, dem zuständigen Projektleiter im Hochbauamt sei es offenkundig völlig egal, was der Lärm für das Radio bedeute. Eine erste Anfrage nach der Volksabstimmung, die dem ökologischen Vorzeigebau grünes Licht gab, sei mehrere Monate unbeantwortet geblieben. Technische Abklärungen hätten ergeben, dass für die Bauzeit von gegen drei Jahren kein Radiobetrieb möglich sei, sagt Hagemann. Ein zumindest temporärer Auszug wurde unabdingbar.

Wenn «Radio Basilisk» das Haus am Fischmarkt verlässt, geht eine Ära zu Ende. Gestartet an der Rittergasse, dislozierte der Sender 1986 in die «Alte Börse», die zum Basler Medienhaus wurde. Der ehemalige Regierungsrat und «Basilisk»-Jazz-Moderator Lukas «Cheese» Burckhardt hatte die Liegenschaft in Staatsbesitz mit einem 99 Jahre dauernden Baurechtsvertrag dem Sender vermittelt. Im Haus war lediglich das Erdgeschoss an Coop vermietet, der grosse Börsensaal stand leer. In dieses Volumen baute der Münchner Architekt Victor Gwiazda spektakulär ein freistehendes, weisses Sendehaus. Radio Basilisk erhielt damit eine einmalige Studioarchitektur.

«Der Würde angemessen»

Die Baugeschichte des denkmalgeschützten Hauses beginnt 1902 mit einem Beschluss der Basler Regierung, einen «der Würde und der Bedeutung der ersten Handelsstadt der Schweiz» gemässen Neubau für eine Börse zu errichten. Dieser war nötig geworden, weil der Börsenring im alten Postgebäude weichen musste. Ein Architekturwettbewerb entschied über den Entwurf, der ab 1905 umgesetzt wurde. Ein Streik verzögerte die Fertigstellung, sodass die Börse erst 1908 eröffnet werden konnte. Neben dem Hauptbau bestand ein Querflügel mit einer Durchfahrt zur Spiegelgasse.

Obwohl mit Fresken des Basler Künstlers Alfred Pellegrini verziert, wurde dieser später dem Strassenbau geopfert. 1983 zügelte die Börse an den Aeschenplatz, wo der Handel zehn Jahre später ganz eingestellt wurde. Das Baurecht für die «Alte Börse» liegt nach mehreren, zuweilen umstrittenen Handänderungen mittlerweile bei einem Pensionskassenfonds der UBS. Dieser hat sich nun mit einer schwierigen Immobilie auseinanderzusetzen. Denn eher lässt sich der Saal als Veranstaltungsort einrichten, als dass sich Etagen einziehen lassen. Dafür bietet die Gebäudehülle nicht die statische Festigkeit.

«Radio Basilisk» wird nicht nur temporär, sondern dauernd ausziehen: Seit vergangener Woche ist unterschrieben, dass der Sender in das Tally-Weijl-Haus an den Marktplatz zügelt. Hagemann spricht von einem Glücksfall für den Sender.

Vor dem Umzug ist am neuen Ort ein grösserer Umbau geplant. Tally-Weijl-Sprecherin Dana Gablinger erklärt, die Kleiderboutique werde am 1. April für drei Monate geschlossen. Während im Unter- und im Erdgeschoss ein neues Shop-Konzept realisiert wird, zügelt das Büropersonal des Basler Modelabels aus den oberen Stockwerken in die Zentrale an die Viaduktstrasse. Im Frühsommer, so Tally- Wejil, werde der Laden in neuem Gewand eröffnet. Und aus dem ersten Stock sendet «Radio Basilisk».