Die Anlage ist beeindruckend, fast schon ein Park. Es riecht nach Wald, nach Laub. Wer die Blickrichtung gut wählt, wähnt sich irgendwo auf dem Land, weit weg von der Zivilisation Basels. Aber wir sind in der Siedlung Magnolienpark an der Gellertstrasse, wenige hundert Meter von Aeschenplatz und Autobahn.

Die Tage dieser Idylle dürften gezählt sein. Denn die Liegenschaften mit den aktuell rund 87 Wohnungen seien in einem derart schlechten Zustand, dass sich eine Sanierung nie und nimmer lohne, meinen die Verantwortlichen der Helvetia-Versicherungen. Kurz: Obwohl die Häuser erst 50 Jahre alt sind, werden sie geschleift.

Wie aus der seit vergangener Woche öffentlich einsehbaren Planauflage hervorgeht, handelt es sich beim Projekt um vier Häuser mit 6, 7, 8 und 13 Stockwerken mit total 147 Wohnungen. Auf dem Plan (siehe Bildergalerie) sind das die Felder A, B, C, D, wobei A das tiefste und D das höchste Gebäude darstellt. Dazu kommt ein weiteres, nahezu unbebautes Areal, welches sich in Privatbesitz befindet und das in ähnlichem Stil überbaut werden soll. Die Autoren der Planauflage sprechen von einer «Grossform»; es ist im Prinzip ein einziges Gebäude. Hier sollen 112 Wohnungen entstehen. Der nördlichste Teil davon (F) ist wiederum ein Hochhaus, mit 33 Metern das höchste auf dem Areal.

Mehr als 12 zu fällende Bäume

Der springende Punkt: Es müssen zahlreiche Bäume gefällt werden, «mit Sicherheit mehr als ein Dutzend», meint eine Sprecherin des Fachbereichs Natur, Landschaft, Bäume des Kantons. Es sei aber das erklärte Ziel der Verwaltung und auch der Bauherrschaft, diese Zahl so tief wie nur möglich zu halten. Auch in der Planungsauflage wird ausführlich auf die Baum- und Naturproblematik hingewiesen. Selbst die Waldkommission wurde im Rahmen der Projektvorbereitungen begrüsst. Denn der am Nordrand gelegene Abhang ist unberührtes Waldgebiet. Das wird auch so bleiben.

Wie viele Bäume schliesslich der Axt zum Opfer fallen, ist noch offen. Das hänge davon ab, wie und wo die Tiefgarage zu liegen komme und ob Bäume dank Böschungen erhalten werden könnten. Das Areal ist dem engeren Baumschutzgebiet gemäss §3 des kantonalen Baumschutzgesetzes zugewiesen. Das bedeutet, dass Bäume mit einem Umfang von mehr als 50 Zentimetern nur mit einer Bewilligung gefällt werden dürfen. Für die geschützten Bäume, die gefällt werden müssen, sind Ersatzpflanzungen vorgesehen.

Die Bauherrschaft hat, indem sie die Baum-, Wald- und Landschaftsschutzbehörden früh begrüsst hat und bereits Baumfachleute von der Tilia AG engagiert hat, klug agiert – sie sind jetzt fast ein Teil des Projekts. Die Baumschutzkommission begrüsst diese Einbindung ausdrücklich und findet den Überbauungsplan «gut durchdacht und schlüssig». Die Natur- und Landschaftsschutzkommission stellt fest, dass das Gebiet ein wichtiges Biotop sei und dass hier auch seltene Pflanzen wie die Rebbergtulpe zu finden seien. «Die park-ähnliche Umgebung als wertvolles städtisches Landschaftselement ist so weit wie möglich in seiner heutigen Ausprägung und Wertigkeit zu erhalten respektive wieder herzustellen. Die ökologische Vernetzung und die Durchlässigkeit für die Fauna sind sicherzustellen.» Die Bauherren werden also sicherlich mit Auflagen rechnen müssen.

Scharf beobachtetes Projekt

Das Bauprojekt steht unter scharfer Beobachtung eines besonders kritischen Nachbarn: Pro Natura. Die Umweltorganisation hat ihre Bleibe in einem kleinen Bau unmittelbar östlich des Planungsfeldes im Gellertpark und wurde von der Bauherrschaft bereits begrüsst. Thomas Schwarze, Geschäftsführer von Pro Natura Basel hat zwei Seelen in seiner Brust. Dass neue Wohnungen in der Stadt entstünden, sei im Grunde in Ordnung, «weil dadurch der Druck auf die Zersiedelung der Landschaft abnimmt und Pendlerstrecken verkürzt werden». Andererseits sei es sehr schade, dass Freiflächen verschwänden. Und auch das verdichtete Bauen habe seine Grenzen. Es müsse unbedingt darauf geachtet werden, dass die Auflagen des Natur- und Landschaftsschutzes respektiert und so wenig Bäume wie möglich gefällt würden. Es gelte das Prinzip: Schützen, wiederherstellen, ersetzen. Besonders wichtig sei das in der kommenden Phase, wenn das Bauprojekt ausgearbeitet werde. Gegen die Planvorlage werde Pro Natura keine Einsprache erheben, sagt Schwarze.

Offenbar hätten Bauherren und der Kanton von früheren Fehlern gelernt. Er nennt als Negativbeispiel das Bauprojekt an der Lerchenstrasse 3–15 auf dem Bruderholz. Pro Natura Basel erhob Einsprache dagegen, das Verwaltungsgericht hiess diese im Frühling dieses Jahres gut.