Gleich zwei Professuren wird die Theologische Fakultät der Universität Basel in den nächsten zwei Jahren neu besetzen, weil zwei Professoren in den Ruhestand treten. Wann die Stellen ausgeschrieben werden, steht noch nicht definitiv fest. Sicher ist aber: Die Theologen stehen unter Druck, mindestens eine Frau zu berufen.
Dessen ist sich auch der neue Dekan Hans-Peter Mathys bewusst. «Die Fakultät hofft, 2017 gleich zwei Frauen auf Lehrstühlen zu ihren Mitgliedern zählen zu können», schreibt er der bz in einer ausführlichen Stellungnahme. Er hält fest: «Qualität wird das vorrangige Kriterium bei der Besetzung der beiden Stellen sein.» Bei gleich guter Qualifizierung werde die Fakultät aber Frauen zur Berufung vorschlagen.

Der Professor für Praktische Theologie ist selber einer der beiden Professoren, die emeritieren. Er weiss zwar, wann er in den Ruhestand geht, behält aber vorerst Stillschweigen. Und das mit gutem Grund: Noch sind die Misstöne um das letzte Berufungsverfahren an der Fakultät nicht vergessen. Bei der Wiederbesetzung der Professur für Neues Testament kritisierten interne und externe Kreise das Vorgehen der Berufungskommission, da keine Frauen in die engere Auswahl kamen. Statt wie gefordert eine reformierte Frau, wenn möglich aus der Schweiz, oder einen Schweizer, entschied sich die Fakultät für den spanischen Mennoniten Moises Mayordomo.
Aussergewöhnlich war im Berufungsverfahren nicht nur, dass es öffentlich diskutiert wurde, sondern auch, dass der Rektor der Universität, Antonio Loprieno, nach der ersten Runde quasi verfügte, dass die Kandidaten in einer zweiten Runde erneut geprüft werden mussten. Für die anstehenden Berufungen ist kein ausserordentliches Verfahren vorgesehen. «Man darf niemals generalisieren», sagt Loprieno und meint damit, dass vom Verlauf der letzten Auswahl nicht auf künftige Verfahren geschlossen werden dürfe. Aber er räumt ein, dass die Unileitung mit den Theologen diskutiert hat.

Theologie soll sich öffnen

«Wir möchten, dass sie die Ausschreibung öffnen für Profile, die auch für andere Fakultäten von Interesse sind», sagte Loprieno. Der Gedanke sei, einen «globalen Modernisierungsprozess» in der Fakultät einzuläuten. Oder lapidarer ausgedrückt: Die Universitätsleitung hat die Theologen zu Transparenz aufgefordert, um dem Vorwurf der Klüngelei entgegenzuwirken.

Und nicht nur das: Die Fakultät muss eine halbe Professur einsparen. Quasi als Gegenleistung dafür, dass die bisher ausserordentliche Professur für aussereuropäisches Christentum fest installiert wird. Dies soll erst zu einem späteren Zeitpunkt geschehen, wenn eine weitere Professur wiederbesetzt wird. Rein rechnerisch gesehen erhält die kleine Fakultät, die verhältnismässig das beste Betreuungsverhältnis an der Universität hat, eine halbe Professur geschenkt. Die Fakultät selber allerdings sieht das nicht so: Es müssten nun Szenarien entwickelt werden, die es erlauben, den «schmerzhaften Wegfall einer halben Professur» so gut wie möglich zu kompensieren. Allerdings sei es noch zu früh, um konkrete Planungen in Angriff zu nehmen.