Zwischennutzung

Neue Bar am Rheinufer lockt befristet mit Alternativkultur

Mitveranstalter Christian Schön an der Bar in der Schlosserei.

Mitveranstalter Christian Schön an der Bar in der Schlosserei.

Vor einer Woche hat in der Rheingasse die Neue Schlosserei ihre Tore geöffnet. Sie lädt jeweils Donnerstag und Freitag zum Besuch.

Basels jüngste Bar lockt mit vielen Attraktionen, doch wer sich an der Rheingasse 33 umsehen will, muss sich sputen: In etwa zwei Monaten ist das Projekt Neue Schlosserei bereits wieder Geschichte.

Von der Strasse aus kaum wahrnehmbar, gelangt man zur Schlosserei über einen Innenhof, der zugleich auch den Gartenbereich der Bar darstellt. Tische und Stühle, aber auch ein Grill stehen hier, und die Gäste geniessen dieses sommerliche Aprilwetter bei einem kühlen Bier. «Fümoar»-Mitglied ist die Schlosserei nicht, geraucht wird hier nur draussen.

Mitgliedschaft für drei Franken

Dennoch muss man Mitglied bei einem Verein werden, wenn man hier bedient werden möchte. Da die Schlosserei kein lizenzierter Gastronomiebetrieb ist, muss man dem Verein Schlossereikultur für drei Franken beitreten. Umsehen darf man sich jedoch auch ohne Mitgliedschaft, und zu sehen gibt es einiges. Neben der kleinen Bar befindet sich der Innenbereich. Breite Sofas, Kerzen und ein alter Fernseher erzeugen Wohnzimmerfeeling, die grauen Wände jedoch lenken davon ab. Diese sind geschmückt mit verschiedenen Ausstellungsstücken. Neben der aktuellen Collage «Lil’ Mo» von Oliver Moser hat es noch reichlich Platz. Dies sei jedoch Teil des Konzepts, so Mitveranstalter Christian Schön. Man stehe erst am Anfang und plane noch viel mehr. «Dynamisch und vielseitig» soll dieses Projekt sein.

Vielseitig ist das Programm in der Tat: Von Jassturnier und Lounge-DJ bis Live-Performance und Streetart sei alles möglich. Obwohl man sich an ein Zielpublikum zwischen 25 und 40 Jahren richtet, möchte man nicht in eine Schublade gesteckt werden. Es ist jedoch zu einem grossen Teil eine bestimmte Szene, die sich in der Zwischennutzung einfindet. Der Eindruck, dass man sich untereinander kennt, wird auch von den Gästen bestätigt. «Viele Leute kennt man von der Veranstaltung ‹Fokus› während der Art Basel, die hier seit drei Jahren – auch geleitet von Christian Schön – stattfindet», meint ein Gast. Dies sei quasi eine verlängerte Form der fast schon traditionellen Erscheinung während der Art. Aus demselben Netzwerk stammen auch die künstlerischen Beiträge in der Schlosserei.

Keine Angst vor Fehlschlägen

Angst vor Fehlschlägen haben Schön und seine Frau Neda nicht. Man sei kein «Party-Place» und erwarte auch keinen jugendlichen Mob wie das bei anderen Zwischennutzungen der Fall sei. Auch punkto Lärmbelästigung setze man bei den Nachbarn auf freundschaftliche Beziehung und bewege sich im Rahmen des möglichen.

«Falls es einmal ausufern sollte, wären genügend Leute hier, um den Laden einfach dicht zu machen.» Dies ist auch im Sinne der Vermieter, der Stiftung Habitat, die der Gruppe um Schöne die Liegenschaft gratis zur Verfügung stellt. Von Spielregeln und einer guten Beziehung mit der Stiftung redet Schön und meint damit auch die Einhaltung der Öffnungszeiten bis Mitternacht. Dem stimmt auch Klaus Hubmann, Geschäftsführer der Stiftung Habitat zu: «Schön arbeitet sehr professionell und hat in kurzer Zeit viel auf die Beine gestellt.»

Die Beziehung sei auch während der Jahre der Ausstellung «Fokus» immer gut gewesen. Sorgen wegen den Anwohnern macht man sich nicht, obwohl Bewohner des Rheinufers bei einer anderen Kulturveranstaltung, dem «Kulturfloss», schon Beschwerde eingereicht haben. Aus diesem Grund verzichtet man auf laute Konzerte, sondern setzt auf Lounge-Atmosphäre zwischen Jassturnier und Alternativszene.

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