Lärm

Neue Bass-Regeln auch für Basler Open Airs

Das Open Air Basel hat 2014 den empfohlenen Bass-Wert trotz Anpassung der Lautstärke überschritten.

Das Open Air Basel hat 2014 den empfohlenen Bass-Wert trotz Anpassung der Lautstärke überschritten.

Auch Veranstalter von Open Airs in Basel müssen um ihre Bewilligung bangen. «Aktuell arbeiten wir an verbindlichen Vorgaben bezüglich Lärmschutz», sagt Matthias Nabholz, der Leiter des Amts für Umwelt und Energie.

Nach der Einführung strengerer Bass-Regeln für Clubbetreiber müssen nun auch die Veranstalter von Outdoor-Konzerten um ihre Bewilligung bangen, denn Veranstaltungen wie das Open Air Basel überschreiten die vom Basler Amt für Umwelt und Energie (AUE) empfohlenen maximalen Bass-Schallstärken regelmässig.

Wie der Antwort der Regierung auf eine Interpellation von SP-Grossrätin Kerstin Wenk zu entnehmen ist, hat das AUE beim Basel Open Air 2014 gar «mehr als eine Verdoppelung der Schallenergie der Bässe im Vergleich zur Empfehlung» festgestellt. Weil es sich aber nur um eine Empfehlung handle, wurde die Veranstaltung auch 2015 bewilligt – mit um 15 Minuten verlängerter Spielzeit bis 23.45 Uhr.

«Ausser der 100 dB-Grenze aus der Schall- und Laserverordnung fehlen derzeit verbindliche gesetzliche Vorgaben bezüglich Lärmschutz für Open-Air-Veranstaltungen auf öffentlichem Grund», sagt AUE-Leiter Matthias Nabholz. «Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit dem Bau- und Verkehrsdepartement an einem neuen Planungsinstrument, den sogenannten speziellen Nutzungsplänen (SNUP), die verbindliche Vorgaben auch bezüglich Lärmschutz beinhalten.» Die Lärmschutz-Bestimmungen sollen dadurch nicht strenger, aber klarer und vor allem verbindlich werden.

Künstlerische Freiheit

Für Open-Air-Basel-Veranstalter Sandro Bernasconi ein Schreckensszenario: «Wenn die empfohlenen Bass-Werte gesetzlich festgelegt werden, müssen wir uns die Frage stellen, ob es unser Open Air noch gibt. Viele Bands würden gar nicht mehr auftreten, wenn wir sie zu einer Einhaltung des Werts zwingen müssten.» Andere Stadt-Open-Airs wie Winterthur, Schaffhausen und Locarno dürften mit 100 Dezibel und bis Mitternacht spielen. «Wir haben die Musik-Leistung im letzten Jahr bereits reduziert und den Bass-Wert an einem der Abende dennoch klar überschritten – aber das liegt am Musikstil der Bands und ist somit Teil der künstlerischen Freiheit.»

SP-Grossrätin Wenk macht die Antwort der Regierung «fassungslos»: «Ich sehe keine Bereitschaft, auch für moderne Musik-Richtungen einzustehen.» Die technische Diskussion rund um Dezibel- und Basswerte drehe sich im Kreis. «Die Behörden sollen sich festlegen, ob sie moderne und junge Musikveranstaltungen in dieser Stadt möchten oder nicht. Und wenn ja, dann sollen nicht gewisse Musikstile wegen ihres Bass-Anteils durch zusätzliche Regeln verunmöglicht werden.» AUE-Leiter Nabholz entgegnet, dass es mit den neuen Nutzungsplänen keinesfalls darum gehe, laute Veranstaltungen zu verhindern. «Vorgesehen ist eine jährliche Lärm-Dosis für jeden Veranstaltungsplatz, der zum Schutz der Anwohner nicht überschritten werden darf.» Und er merkt an, dass Veranstaltungen wie das Open Air Basel in anderen Städten nicht bewilligt würden. «Das zeigt, dass Basel einen sehr liberalen Vollzug des Lärmschutzes hat.»

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