Grüne Partei
Neue grüne Spitze ist sich bei Solaranlagen uneins

Die beiden neuen Co-Präsidentinnen vertreten zu Solaranlagen in der Altstadt unterschiedliche Meinungen. Als Gesprächsort wählen die beiden Co-Präsidentinnen das Bio-Bistro im Gundeldinger Feld.

Andreas Maurer
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Die grünen Präsidentinnen und ihre Körpersprache: Elisabeth Ackermann (l.), die Zurückhaltende, und Mirjam Ballmer, die Offensive.

Die grünen Präsidentinnen und ihre Körpersprache: Elisabeth Ackermann (l.), die Zurückhaltende, und Mirjam Ballmer, die Offensive.

HDU

Die neun Basler Parteien werden nicht mehr von neun Männern geführt, sondern seit Mitte März von acht Männern und zwei Frauen. Die beiden Grossrätinnen Mirjam Ballmer und Elisabeth Ackermann haben gemeinsam die Nachfolge von Grünen-Präsident Jürg Stöcklin angetreten. Als Gesprächsort wählen die beiden Co-Präsidentinnen das Bio-Bistro im Gundeldinger Feld.

Sie sind die einzigen Basler Parteipräsidentinnen. Wieso ist das immer noch eine Seltenheit?

Mirjam Ballmer: Bei den Grünen ist das ja keine Seltenheit. Die Grünen Schweiz und Baselland werden neuerdings ja auch von Frauen geführt. Frauen haben es vor allem im bürgerlichen Lager schwer, an gute Positionen zu kommen.
Elisabeth Ackermann: Es liegt nicht nur an den Frauen. Ihnen wird oft der Platz nicht eingeräumt.

Die Linken sind in Basel aber ebenfalls kein Vorbild: In der rot-grünen Regierungsmehrheit ist mit Eva Herzog nur eine Frau vertreten.

Ballmer: Das ist schade. Wenn es mal um die Nachfolge von Guy Morin geht, werden wir darauf achten, dass auch Frauen infrage kommen. Ich bin aber keine Anhängerin von fixen Vorgaben bei uns.

Wieso sind die Grünen besonders frauenfreundlich?

Ackermann: Das liegt auch an den Themen. Viele Frauen legen viel Wert auf Nachhaltigkeit und die Umwelt. Und die Partei räumt Frauen viel Platz ein ...
Ballmer: ... und auch Jungen. Die Grünen geben jedem und jeder die Möglichkeit, sich einzubringen und an gute Positionen zu kommen. Bei anderen Parteien ist Besitzstandswahrung teilweise stark verbreitet.
Ackermann: Das liegt auch daran, dass wir eine junge Partei sind. Es gibt keinen Filz bei uns.

Typisch Frau ist, dass Sie das Präsidium teilen. Das macht es schwerfällig.

Ballmer: Nein, zwei Personen sind doppelt so stark wie eine. Das liegt aber nicht an Männern und Frauen, sondern am Personentyp. Nicht jeder Typ eignet sich für ein Co-Präsidium. Wir beide ergänzen uns gegenseitig sehr gut. Männer haben sicher bisher mehr Mühe, sich solche Positionen zu teilen.
Ackermann: Es ist auch eine Generationenfrage. Jüngere kennen Jobsharing eher und möchten es ausprobieren. Frauen sind dazu eher bereit – jüngere Männer aber auch.
Ballmer: Wir besprechen aber nicht immer alles gemeinsam und vertreten mal auch eine andere Meinung.

Frau Ackermann, Sie gelten als linker als Frau Ballmer.

Ballmer: (lacht) Das wird immer so kolportiert. Das liegt aber nur an unseren Themen. Als Mitglied der Wirtschafts- und Abgabekommission vertritt Elisabeth deutlich andere Positionen als Bürgerliche. Bei meinen Schwerpunkten Natur und Kultur ist Zusammenarbeiten einfacher. Ich teile aber Elisabeths Positionen in Wirtschaftsfragen.

Bei welchen Themen unterscheiden Sie sich denn politisch?

Ballmer: (überlegt lange) Ein Unterschied zwischen uns besteht beim Denkmalschutz. Für mich widerspricht eine Solaranlage nicht grundsätzlich einem alten Gebäude. Heu-
te gibt es viele tolle Lösungen für Solaranlagen auf Altstadthäusern. Diese sollten vermehrt umgesetzt werden.
Ackermann: Zum Beispiel eine Solaranlage auf der Elisabethenkirche finde ich hingegen unnötig. Es gibt viele Flachdächer und Industriebauten ohne Solaranlagen, wo man beginnen sollte. Die Altstadt ist ein wichtiges Kulturerbe, das man schützen sollte.

Ist das eine Generationenfrage?

Ballmer: Vielleicht. Ich hätte kein Problem mit einer Solaranlage auf der Elisabethenkirche. Ich fände das sogar toll: Das wäre ein Leuchtturmprojekt. Damit könnte man das Thema den Leuten näherbringen.

Was machen Sie, wenn das Thema aktuell wird? Sind die Grünen dafür oder dagegen, je nachdem, welche Co-Präsidentin man befragt?

Ballmer: Wir informieren uns gegenseitig, wenn wir mit Medien Kontakt hatten, damit wir nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Ackermann: In dieser Frage gibt es auch innerhalb der Grünen verschiedene Meinungen. Daher repräsentieren wir die Meinungsvielfalt unserer Partei gut. Man darf merken, wenn wir uns nicht hundertprozentig einig sind.

Kommen wir zu einem weiteren Klischee: Frau Ballmer, Sie gelten als Medienliebling und somit als eigentliche Präsidentin, während Ihnen, Frau Ackermann, die Rolle als Vize-Präsidentin im Hintergrund zugeschrieben wird.

Ackermann: Mirjam ist in den Medien sicher präsenter. Parteiintern ist das aber nicht so. Hier haben wir gleiches Gewicht.

Frau Ackermann, finden Sie Ballmers Medienpräsenz ungerecht?

Ackermann: Es stört mich nicht. Sie ist halt für die Medien attraktiver: Sie ist jung und agil.

Stört es Sie, Frau Ackermann, dass Sie nur die zweite Geige spielen?

Ackermann: Nein, es herrscht kein Konkurrenzkampf zwischen uns.

Und geniessen Sie, Frau Ballmer, das Scheinwerferlicht besonders?

Ballmer: Es ist nicht nur Vergnügen, wenn man während der Arbeit von Telefonanrufen unterbrochen wird. Ich mache das aber grundsätzlich gerne. Begonnen habe ich schon als 20-Jährige mit Medienarbeit: Damals wurde ich ins kalte Wasser geworfen, als ich die Gegner der Riehener Zollfreistrasse gegenüber den Medien vertreten habe. Bei Pro Natura habe ich zudem Medientraining gemacht und hinzugelernt, wie ich etwas in zwei statt in zehn Sätzen sagen kann.

Hat hier auch die gesamte Partei Nachholbedarf? Die Grünen sind etwas zahm geworden. Müssen sie spritziger werden?

Ballmer: Das kann man immer verbessern. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass wir in der Öffentlichkeit langweilig oder abgestumpft wirken.
Ackermann:Ich finde wichtig, dass wir vor allem mit Themen und Inhalten auf uns aufmerksam machen statt mit spritzigen Sprüchen. Das funktioniert aktuell sehr gut: Vor einem Bruderholzspital-Neubau haben wir schon vor Jahren abgeraten und die Fusionsinitiative, die jetzt auch von der Handelskammer unterstützt wird, haben auch wir Grünen angestossen.

Wieso tun Sie sich das Amt als Parteipräsidentinnen an? Es ist ein undankbarer Job: Sie machen sich vor allem unbeliebt und erhalten nicht einmal Geld dafür.

Ballmer: Das Amt erfordert viel Arbeit. Ich glaube aber nicht, dass wir uns als Parteipräsidentinnen speziell unbeliebt machen müssen.

Und die zeitliche Belastung? Worauf müssen Sie verzichten?

Ballmer: Auf freie Abende. Ich schaue, dass ich immerhin einen habe pro Woche.
Ackermann: Das stimmt. Die Parteiarbeit ist aber auch sehr interessant. Es ist schön, Verantwortung übernehmen zu können.