Medizin
Neue Hinweise für Therapie gegen Leukämie bei Kleinkindern

Gewisse Formen von Leukämie treten vor allem bei Kleinkindern auf. Basler Forschende haben mit Kollegen aus Frankreich Anhaltspunkte gefunden, warum das so ist. Und liefern wichtige Hinweise für gezielte Therapien.

Drucken
Teilen
Basler Forschende haben mit Kollegen aus Frankreich Anhaltspunkte gefunden, weshalb Leukämie besonders bei Kleinkindern vorkommt. (Symbolbild)

Basler Forschende haben mit Kollegen aus Frankreich Anhaltspunkte gefunden, weshalb Leukämie besonders bei Kleinkindern vorkommt. (Symbolbild)

bz Basellandschaftliche Zeitung

Es gibt verschiedene Typen von Leukämie, die auf verschiedene Weisen entstehen und unterschiedlich verlaufen. Eine bestimmte Form der akuten myeloischen Leukämie (AML), genannt AML-M7, kommt nur bei Kleinkindern vor und ist mit einer schlechten Prognose verbunden. Forschende um Jürg Schwaller vom Universitätskinderspital beider Basel (UKBB) und Thomas Mercher vom Gustave Roussy Institute in Paris haben diese Leukämie-Form genauer untersucht. Indem sie den eigentlichen Motor hinter der Erkrankung identifizierten, ebnen sie den Weg für gezielte Therapien.

Bereits 2012 hatte Mercher mit Kollegen entdeckt, dass bei etwa einem Drittel der Kinder mit AML-M7 in den Blutbildungszellen eine bestimmte genetische Veränderung vorkommt: Zwei normalerweise getrennte Gene wurden zu einem verbunden. Das Ergebnis ist ein abnormales Protein namens ETO2-GLIS2, schrieb die Universität Basel in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Unklar war bisher, warum diese Genfusion und das resultierende ETO2-GLIS2-Protein bei Kleinkindern unter zwei Jahren zu AML-M7 führt, bei älteren Kindern jedoch zu anderen Leukämie-Formen.

Zeitpunkt entscheidend

Dieser Frage sind die Forschenden nun mit Mäusen auf den Grund gegangen, denen sie die Genveränderung künstlich einbauten. Und zwar so, dass sie den Zeitpunkt, zu dem die beiden Gene fusioniert wurden, gezielt steuern konnten.

Wie die Forschenden im Fachblatt «Cancer Discovery» berichten, ist der Zeitpunkt der Genfusion entscheidend: Tritt sie früh in der Entwicklung in Blutbildungszellen auf, entwickelte sich bei den jungen Mäusen rasch eine aggressive Leukämie, sehr ähnlich zu AML-M7 bei Kleinkindern. Aktivierten die Wissenschaftler die Fusion erst bei erwachsenen Tieren kam es nicht mehr zu dieser typisch kindlichen Leukämie, schrieb die Uni Basel. Andere AML-Formen traten erst später auf.

Angriffspunkt für Therapie identifiziert

Offenbar sind fötale Blutbildungszellen empfindlicher für Genveränderungen wie ETO2-GLIS2 als erwachsene, schliessen die Wissenschaftler aus den Ergebnissen. Dies dürfte der Grund sein, warum diese Leukämie-Form nur bei Kleinkindern auftritt.

Die Studie zeigte aber auch, dass das Fusionsprotein der eigentliche Motor hinter dieser Leukämie-Form ist: Stoppten die Forschenden bei den Mäusen die Produktion von ETO2-GLIS2, entstanden wieder normale Blutzellen. Die Wissenschaftler arbeiten daher nun an Möglichkeiten, die Aktivität des Fusionsproteins in Blutbildungszellen gezielt zu stoppen.

Aktuelle Nachrichten