Basel
Neue Idee im Quoten-Streit: Sekundarschulen sollen sich spezialisieren

SP-Grossrat Daniel Goepfert fordert eine Spezialisierung der Sekundar-Schulhäuser. Jeder der zehn Standorte soll eine Spezialität anbieten. Mit dieser Idee eckt Goepfert selbst in den eigenen Reihen an.

Andreas Maurer
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SP-Grossrat Daniel Goepfert möchte spezialisierte Schulen

SP-Grossrat Daniel Goepfert möchte spezialisierte Schulen

Ein politisches Leichtgewicht der Basler SP machte nationale Schlagzeilen. Grossrätin Sibylle Benz Hübner forderte eine Quote: Mindestens dreissig Prozent der Kinder einer Schulklasse sollen deutschsprachig sein. Grossratspräsident Conradin Cramer (LDP) versenkte die Idee zwar per Stichentscheid. Erfolgreich hat Benz aber ein Problem auf die politische Agenda gesetzt, das bisher von der SP gemieden wurde. Seither ist es auch bei Linken salonfähig, den hohen Ausländeranteil in Schulhäusern im Kleinbasel oder St. Johann zu kritisieren.

Jetzt nimmt sich ein politisches Schwergewicht der Basler SP dem Thema an. Der ehemalige Grossratspräsident Daniel Goepfert, der Benz’ Vorstoss nicht unterschrieben hat, bezeichnet den Vorschlag einer Quote als unglücklich. Seine Idee ist allerdings nicht weniger konfliktträchtig. In einem Vorstoss, den Goepfert in der kommenden Woche einzureichen plant, regt er eine Spezialisierung der Schulhäuser der Sekundarstufe I an.

Jedes der im Rahmen von Harmos geplanten zehn Sekundarschulstandorte im Kanton Basel-Stadt solle neu eine Spezialität anbieten: ein Fach mit erweitertem Unterricht. Goepfert, der beruflich am Basler Wirtschaftsgymnasium die Begabungsförderung koordiniert, nennt folgende Richtungen als Beispiele: Sport, Mathematik und Naturwissenschaften, Alte Sprachen, Neue Sprachen, Musik sowie Bildnerisches Gestalten. Die harmonisierten Lehrpläne müssten dafür nicht gross verändert werden: «Im Prinzip reichen zwei zusätzliche Stunden.»

Über die leichten Modifizierungen des Fächerangebots an den zehn Sek-Standorten will Goepfert die freie Schulhauswahl einführen. Die Kinder wählen eine Spezialität und dadurch indirekt ein Schulhaus aus. Der Clou dabei: Nach Goepferts Idee sollen die Spezialitäten so auf die Schulhäuser verteilt werden, dass dadurch die Schülerschaft sozial durchmischt wird. Eine eher in gebildeten Schweizer Familien beliebte Richtung wie Alte Sprachen soll in potenziellen «Problem-Schulhäusern» im Kleinbasel oder St. Johann angeboten werden. Ein Teil der in diesen Quartieren wohnhaften Jugend mit Migrationshintergrund hingegen soll etwa mit einem Sportangebot ins noble Gellert oder aufs Bruderholz gelockt werden. Für 13- bis 14-Jährige sei ein derartiger Schulweg zumutbar, findet Goepfert.

Volksschulleiter Pierre Felder nimmt zur Grundsatzfrage Stellung: «Wenn wir mit curricularen Differenzierungen beginnen, haben wir am Schluss die völlig freie Schulwahl. Diese passt schlecht zu unserem System.» Die zehn Sek-Schulstandorte sollen im pädagogischen Bereich in einen Wettbewerb treten: etwa mit Projekttagen. «Werkspionage» sei erwünscht. Die Schulhäuser sollen also in der Art, wie sie die Bildung vermitteln, einen Freiraum haben, den sie für einen «gemässigten Wettbewerb» ausnützen sollen. Die vermittelte Bildung müsse aber überall die gleiche sein. Das Erziehungsdepartement will gemäss Felder daran festhalten, dass sich die Schüler erst nach der obligatorischen Schulzeit spezialisieren. Und schon dies bereitet Probleme, wie der wegen zu grosser Beliebtheit beinahe abgeschaffte PPP-Schwerpunkt Philosophie, Psychologie, Pädagogik demonstriert habe.

Ein wenig Flexibilität auf der Sekundarstufe ermöglicht der Kanton ausserdem bereits: Die Kinder können drei Schulen als Präferenzen angeben. Eine Garantie, dass diese berücksichtigt werden, haben sie aber nicht. «Für uns ist zentral, dass alle Schulhäuser ausgelastet sind», sagt Felder. Geachtet werde zudem darauf, dass die drei Leistungszüge gleichmässig verteilt sind.

Mit Widerstand aus der Verwaltung hat Goepfert gerechnet. Er sieht ein Grundsatzproblem: «Die Verantwortlichen der aktuellen Schulreform waren schon die Verantwortlichen der letzten Reform.» Nun würden sie versuchen, so viel wie möglich in die neue Reform «zu retten». Goepferts Kritik fällt geharnischt aus: «Konkret heisst das, dass alle Schüler gleichgeschaltet werden sollen.» Zwar habe sich auch die SP dafür eingesetzt, dass alle Schüler die Primarschule und die Sekundarschule I zusammen, im selben Schulhaus, besuchen. Nun zeichne sich allerdings ab, dass alle Schüler nach demselben Lehrplan unterrichtet werden. «Dabei drohen sowohl die Berufslaufbahnberatung als auch die Vorbereitung aufs Gymnasium zu kurz zu kommen», warnt Goepfert.

Mit seinem Plädoyer für eine Spezialisierung der Sek-Schulen eckt Goepfert selbst in den eigenen Reihen an. Parteifreundin und Grossrätin Sarah Wyss hält nichts davon: «Goepferts Intention ist gut, aber die Idee ist leider nicht zu Ende gedacht.» Werden die Kinder nach ihren Fähigkeiten getrennt, könnten sie nicht mehr gegenseitig von ihren Stärken profitieren, warnt Wyss.

Damit wiederholt sich die Geschichte: Wie schon beim Vorstoss von Sibylle Benz verlaufen die Fronten quer durch die Parteien. Das macht auch Goepferts Fortsetzung unberechenbar.

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