Dringender Sanierungsbedarf

Neue Joggelihalle soll Hallenstadion Konkurrenz machen

Die Basler St. Jakobshalle soll für mehr als 100 Millionen Franken saniert und modernisiert werden. Weil die dabei Zuschauerkapazität von 9000 auf 12'000 Personen erhöht wird, erhält das Zürcher Hallenstadion direkte Konkurrenz für Top-Events.

Über 100 Millionen Franken will die Basler Regierung in die Sanierung der St. Jakobshalle investieren. Das sind 20 Millionen mehr als ursprünglich vorgesehen. Geht es nach der Basler Regierung, wird die St. Jakobshalle durch den Umbau die künftige Konkurrenz des Hallenstadions in Zürich. Nach der Sanierung kann die Halle 12 000 Besucher fassen. Das sind 3000 Gäste mehr als bisher. «Wir wollen internationale und nationale Sportanlässe nach Basel bringen. Wir verfügen über das notwendige Netzwerk und sind bereits daran, solche Veranstaltungen zu akquirieren», sagt Erziehungsdirektor Christoph Eymann. Die Halle bleibt nach der Sanierung multifunktional. Neben sportlichen Wettkämpfen sind auch grosse kulturelle Veranstaltungen vorgesehen. Hierfür verweist Eymann auf das Know-how des Leiters der St. Jakobshalle, Thomas Kastl. Er ist ehemaliger Chef von Good-News, dem grössten Konzertveranstalter in der Schweiz.

Geteilte Meinungen

Die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Hallenstadion wird von Branchenkennern unterschiedlich beurteilt. Für Thomas Dürr, Leiter der Veranstaltungsagentur Act entertainment AG, ist die Aufstockung der Besucherkapazitäten nicht zentral: «Für Basel sind Veranstaltungsorte von 1500 bis 5000 Besuchern interessant. Darüber hinaus ist die Luft in den meisten Fällen weg.» Gemäss Dürr kommt die St. Jakobshalle beim Publikum gut an. Es gelte aber, vorhandene Probleme zu lösen. Dazu zählt er die Schwierigkeit mit der Parkplatzsituation. Auch der ehemalige Leiter der St. Jakobshalle, Michel Loris-Melikoff, zweifelt an der Aufstockung: «Ich bin mir nicht sicher, ob die Mehrkosten von rund 20 Millionen mit zusätzlichen Konzerten und Sportveranstaltungen tatsächlich in einem vernünftigen Zeitraum amortisiert werden können. Eine entsprechend aussagekräftige Rentabilitätsrechnung fehlt.»

Gemäss Loris-Melikoff sind in der Vergangenheit insbesondere die grossen Konzerte nach Basel gekommen, weil das Hallenstadion ausgebucht war. Dass Basel eine Verlegenheitslösung für das begehrte Zürcher Stadion ist, will Good News-Chef Gérard Jenni nicht gelten lassen: «Die Veranstalter müssen sich immer an die Tourpläne der Künstler halten. Können wir ihnen mehrere Möglichkeiten anbieten, steigt die Chance, sie buchen zu können.» Jenni zeigt sich erfreut über die Pläne der Basler Regierung. Seiner Meinung nach besteht durchaus ein Markt, der in der Schweiz zwei solch grosse Hallen rechtfertige. Ausverkauft sind gemäss dem Good News-Chef zwar nur wenige der Grossanlässe, aber: «Sie sind immer noch gut besucht. Deshalb ist die Schweiz nach wie vor attraktiv für Künstler.»

Damit die grossen Anlässe wie Swiss Indoors, Appassionata oder das Reitturnier CSI in der St. Jakobshalle trotz den Bauarbeiten durchgeführt werden können, ist der Umbau in den Sommermonaten von 2016 bis 2018 geplant. Zuvor muss aber der Grosse Rat den Baukredit noch bewilligen. Ob die St  Jakobshalle saniert wird, darüber entscheidet nicht zuletzt die Gemeinde Münchenstein. Die Halle befindet sich auf deren Boden, weshalb es zu einem Quartierplanverfahren kommt.

«Würden sich Probleme mit Münchenstein oder dem Grossen Rat ergeben, wäre dies für die Planung mit den engen Zeitfenstern ein grosses Problem», warnt Christoph Eymann. Der Erziehungsdirektor zeigt sich aber optimistisch und verweist auf die gute vorgängige Zusammenarbeit: «Ich habe grosses Vertrauen, dass wir die Halle bald sanieren.»

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