100'000 Franken bezahlt Basel-Stadt jährlich an Augusta Raurica. Das ist seit Abschluss des entsprechenden Staatsvertrags 1975 so – und der Betrag wurde bisher nicht der Teuerung angepasst (sonst wären es mittlerweile 202'000 Franken, gemäss Teuerungsrechner des Bundes). Dieser Betrag ist auch in der am Mittwoch nach siebenjähriger Arbeit präsentierten Museumsstrategie aufgeführt – unter dem Punkt «Strategie hinsichtlich der privaten Museen».

Dort wird aufgeführt, dass Augusta Raurica weiter gefördert werden soll, auch wenn sich das Museum im Besitz des Kantons Baselland befindet und ab 2018 neu Betriebsbeiträge von bis zu 400'000 Franken pro Jahr vom Bundesamt für Kultur erhält.

SVP und LDP kritisieren dies bereits in ihrer ersten Medienmitteilung zur Museumsstrategie. Die LDP erwarte, dass die Museumsstrategie auch auf die Frage der Unterstützung durch den Partnerkanton Basel-Landschaft eingehe. Basel-Stadt zahle jährlich 100'000 Franken an das Römermuseum Augusta Raurica, Baselland hingegen zahle nichts an die staatlichen Basler Museen. Noch deutlicher wird die SVP: «Bei Augusta Raurica handelt es sich um ein kantonales Museum in Basel-Landschaft. Die SVP sieht hier aktuell keinen Grund für eine Fortsetzung der Staatsbeiträge – da umgekehrt Basel-Landschaft den kulturpolitischen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen will.»

Auch FDP-Präsident Luca Urgese sagt auf Anfrage: «Sollte sich Baselland definitiv dazu entscheiden, gar nichts mehr an städtische Kulturinstitutionen zu bezahlen, ist es durchaus eine Option, nicht mehr für Augusta Raurica zu zahlen.» LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein hingegen ist gegen eine Streichung, findet aber, dass Museen Zentrumsleistungen sind und Baselland sich daran finanziell beteiligen sollte. SP-Grossrat Claudio Miozzari sieht es als «berechtigte Frage», ob und wie viel Basel künftig an ein Baselbieter Museum bezahlen soll.

Missmut aus Baselland

Im Baselbiet und insbesondere bei den Verantwortlichen von Augusta Raurica kommen diese Töne gar nicht gut an. «Augusta Raurica weiterhin zu unterstützen kann auch als Hinweis an den Kanton Baselland verstanden werden, dass die Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet weiterhin die beste Variante wäre - und dass das letzte Wort in Sachen Kulturvertrag vielleicht noch nicht gesprochen ist», sagt Christoph Hänggi, Präsident der landrätlichen Kulturkommission. Und Augusta-Raurica-Sprecherin Karin Kob merkt an: «Der Beitrag von 100'000 Franken war immer schon von symbolischer Art, als Ausdruck der tiefen Verbundenheit des Basler Bildungsbürgertums mit der antiken Römerstadt.» Dass ein solcher Vertrag nun in Unwissenheit historischer Tatsachen und wegen kurzfristiger finanzieller Zwänge infrage gestellt würde, wäre sehr schade.

Dieser Aussage schliesst sich CVP-Grossrat und Historiker Oswald Inglin an. Er gibt zu Bedenken: «Einmal mehr wird hier vielleicht populistisch die Aufkündigung des Vertrags verlangt, der ja – interessanterweise – die ganze Zeit seit 1975 nicht hinterfragt wurde und jedes Jahr im Jahresbericht der Abteilung Kultur ausgewiesen wird.» Die Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel besitze in Augusta Raurica Ländereien. Deshalb sei es durchaus von Interesse für die Stadt, dort mitreden zu können.

Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann sagt klar: «Die Kündigung des Staatsvertrages ist derzeit kein Thema. Augusta Raurica ist ein bedeutendes Kulturerbe der gesamten Region und der Regierungsrat Basel-Stadt will die entsprechende Verantwortung im Sinne des Vertragswortlauts mittragen.»