Die neue Parkkralle macht Eindruck. Seit Februar hat die Stadt Weil am Rhein Wegfahrsperren im Einsatz, mit denen sie Autos blockiert, deren Eigentümer Parkbussen nicht gezahlt haben. «Seither hat sich die Zahl der ausstehenden Zahlungen und der Vollstreckungen bei Parkbussen deutlich reduziert», sagte Christine Krauth vom städtischen Ordnungsamt zur «Badischen Zeitung», die über die Neuerung berichtete.

Unter den säumigen Zahlern befinden sich viele Schweizer, die sich aufgrund ihres Wohnsitzes bisher sicher fühlten und auf die Zahlung einer Parkbusse verzichteten, weil sie meinten, es würde ihnen sowieso nichts passieren. Wie viele genau das sind, kann Guido Schwanke, der als stellvertretender Leiter der Stadtkasse für die Parkkrallen zuständig ist, nicht sagen. Er meint aber: «Es sind sicher viele. Wir befinden uns schliesslich im Dreiländereck.»

Dafür spricht auch, dass es ein Schweizer war, der als einer der Ersten seine Bussgeld-Schulden beglich. Diese waren im Laufe der Jahre auf über 300 Euro aufgelaufen. Da ein Vergehen wie Parkieren ohne Parkscheibe mit lediglich zehn Euro gebüsst wird, dürfte die Person sich etliche Bussen eingefangen haben.

Laut Guido Schwanke haben sich in den vergangenen Wochen 40 säumige Zahler zum Begleichen ihrer Schulden entschlossen. Kein schlechtes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass pro Monat 15 bis 20 Fälle neu erfasst werden. Voraussetzung für das neue System ist die Digitalisierung der Bearbeitung von Parkbussen, die die Stadt im April vor einem Jahr eingeführt hat.

Das Auto wird gepfändet

So sehen die städtischen Mitarbeiter, die die Bussen verteilen, auf ihrem kleinen elektronischen Erfassungsgerät bei der Eingabe des Kennzeichens, ob und wie viele unbezahlte Bussen ausstehen. Sind es viele, wird die Wegfahrsperre montiert und das Auto somit, nach deutschem Recht, gepfändet. «Angefangen haben wir mit Fahrzeugen, deren Halter, jede oder jede zweite Woche eine Busse bekommen haben und sie nicht bezahlten», erklärt Christine Krauth der bz. Das System sei derart einfach zu bedienen, dass ein Kennzeichen schon nach der ersten nicht bezahlten Busse erfasst wird.

Mindestens viermal angeschrieben

Bis die Parkkralle tatsächlich montiert wird, dauert es allerdings. «Die Betroffenen erhalten mindestens vier Schreiben von uns. Wenn wir die Telefonnummer ausfindig machen können, rufen wir sie auch an», erläutert Schwanke. Wirklich überrascht, eine Parkkralle am Auto vorzufinden, können sie also nicht sein. Bei einem Anruf glauben die Leute allerdings bisweilen an einen Scherz und bitten um einen Brief als Bestätigung.

Vor und nach dem Montieren der Wegfahrsperre wird das Auto fotografiert, damit der Halter die Stadt nicht für etwaige Kratzer verantwortlich machen kann. Farbige Kleber an den Fenstern informieren, wo und wie die Autofahrer ihre Fahrzeuge wieder auslösen können. Die Parkkralle wird wieder gelöst, sobald die ausstehenden Bussen bezahlt sind. Bei einer einfachen Busse von ursprünglich 10 Euro fallen nun 27.50 Euro an. Das ist allerdings kein Vergleich mit den ungleich höheren Beträgen, die Autofahrer in Basel zahlen müssen, um ihr Auto von einer Sheriff-Klammer zu befreien, wie die Kralle dort heisst (siehe Box).

Teuerste Busse 35 Euro

Hauptprobleme, die zu Bussen führen, seien in Weil am Rhein die Parkscheiben und die Sperrflächen im Rheincenter, berichtet Guido Schwanke. Er betont: «Unser Ziel ist, dass die Leute anständig parken.» Die möglichen Bussen liegen laut Christine Krauth zwischen 10 und 35 Euro. Die teuerste Weiler Parkbusse wird dann fällig, wenn sich jemand ohne Berechtigung auf einen Schwerbehindertenparkplatz stellt oder die Feuerwehr behindert.