SP Basel-Stadt
Neue Präsidentin Hollinger: «Die SP ist nach wie vor eine klar linke Partei»

Brigitte Hollinger, die neue Frau an der Spitze der Basler SP, setzt auf Diskussionen statt Angriffe. Sie will sich vermehrt grundsätzlichen gesellschaftlichen Fragen widmen. Besonders die Familienpolitik steht für sie im Zentrum.

Nicholas Drechsler
Merken
Drucken
Teilen
Brigitte Hollinger ist die neue Präsidentin der Basler SP.

Brigitte Hollinger ist die neue Präsidentin der Basler SP.

Zur Verfügung gestellt

Frau Hollinger, war die Wahl zur SP-Präsidentin eine reine Freude, oder haben Sie Respekt vor der Aufgabe?

Brigitte Hollinger: Ich habe mich in erster Linie gefreut über die breite Unterstützung aus der Partei. Ich habe aber Respekt. Die Partei ist finanziell und vom Zusammenhalt gut aufgestellt. Und es ist nun meine Verantwortung, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Was sind ihre Hauptziele als SP-Präsidentin? Wo wollen Sie die Schwerpunkte setzen?

Ich habe aus meinem Werdegang gewisse Bereiche, die mich geprägt haben und, die ich für mich als wichtig erachte. Aber es wäre vermessen, der Partei zu sagen, was sie zu tun hat. Wir haben verschiedene Fachgremien, Quartiervereine und die Fraktion. Dazu kommen unsere sehr engagierten Mitglieder, die alle ihre eigenen Themen haben und einbringen. Die Themen und Anliegen sollen aus gemeinsamen Diskussionen, in der gemeinsamen Arbeit entstehen.

Ihr Vorgänger kann beträchtliche Erfolge vorweisen. Wie können Sie diese übertrumpfen?

Es geht mir nicht um ein Übertrumpfen. Ich bin nicht der Typ, der immer schneller, höher, weiter will. Ich habe vor, den Fokus darauf zu legen, die bestehenden Wähler, die Stammwähler, nicht zu vergessen. Wir müssen zeigen, dass wir nach wie vor die SP sind, das ist auch gewinnbringend.

Heisst das, die SP rutscht nun weiter nach links?

Nein, ich nehme die SP nach wie vor als klar linke Partei wahr. Es geht mir darum, dieses Profil weiter zu schärfen und klar nach aussen zu transportieren.

Was sind die politischen Herausforderungen der kommenden Jahre?

Für mich persönlich steht die Familienpolitik im Zentrum. Wir brauchen genügend Kinderkrippen, auch in Randzeiten und in den Ferien. Die Stadt braucht bezahlbaren Wohnraum für Familien und Schwächere. Und wir müssen Gegensteuer geben bei den prekären Arbeitsbedingungen. Dazu kommt die Frage nach der Zukunft unserer Gesellschaft.

Das heisst, Sie wollen sich ganz grundsätzlichen Fragen widmen?

Ja, dafür ist jetzt, da nicht unmittelbar Wahlen anstehen, auch genügend Zeit. Wir müssen uns fragen, wo diese Gesellschaft eigentlich hin will. Menschen aus anderen Kulturen sind für mich Bereicherung, nicht Bedrohung. Deshalb sind die verschärften Gesetze im Asylbereich und bei den Einbürgerungen für mich auch störend. Bei der Stadtentwicklung gilt es sich einzumischen, da sind wichtige Entstehungsprozesse im Gang und Gestaltungsraum ist vorhanden. Da muss man mitreden. Wenn sich Projekte konkretisieren, dann schleifen sich auch die extremen Ränder ab.

Wären Sie für eine provokative Aktion wie das Verschicken von Einladungen zum 1. Mai an CEOs auch zu haben?

Ich finde auf den Mann zu spielen grundsätzlich nicht in Ordnung. Aber in diesem Fall sind Mann und Problem untrennbar verbunden. Diese Löhne werden ja von konkreten Personen bezogen.

Heisst das, sie werden eine angriffige Linie fahren?

Wenn man gehört werden will, muss man ab und zu auch deutlich reden. Aber meine Stärken liegen im menschlichen Bereich. Auf Menschen zuzugehen ist eine meiner besten Eigenschaften. Und diese will ich vor allem einbringen. Ich will Menschen dazu bringen, das zu tun, was sie gut und gerne tun, ihnen Mut zusprechen. Das ist der Kern der Nachwuchsförderung. Gerade Frauen muss man manchmal gut zureden, sie immer wieder auffordern, sich aktiv einzubringen.

Wenn Sie Ihre Stärken ansprechen, wo liegen dann Ihre Schwächen?

Meine Schwäche ist mein etwas schlechtes Gedächtnis. Manchmal vergesse ich etwas, das ist im politischen Alltag sicher ab und zu ein kleines Problem. Aber es kann auch eine Stärke sein, weil ich negative Dinge so einfacher hinter mir lassen kann.

In der Politik kann der offene Umgang mit eigenen Schwächen auch zu Angriffen einladen...

Das kann sein. Aber ich habe die Menschen gerne. Wirklich und von Herzen gerne. Manchmal bin ich darum einfach nett und hoffe, dass es mein Gegenüber auch ist.