«Ich war am Schluss selbst überrascht, dass ich zur Wahl vorgeschlagen wurde. Das hat mich mega gefreut.» Die das sagt, ist laut Uniratspräsident Ueli Vischer die «wichtigste Angestellte» der Universität Basel: Andrea Schenker-Wicki, derzeit Professorin am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Zürich. Schenker ist die erste Frau an der Spitze der Universität Basel. Auf die Frage, was das ändert, dass sie eine Frau ist, schaut sie den Fragenden zuerst aufmerksam an und meint dann trocken: «Nichts».

Schenker hat ursprünglich Lebensmittelingenieur an der ETH Zürich studiert und danach Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Promoviert hat sie in Fribourg im Bereich Operations Research und Informatik. In ihrer Dissertation hat sie sich mit dem Krisenmanagement nach einem Atomunfall beschäftigt und dafür vor allem den Unfall in Tschernobyl untersucht. Ab 1990 hat sie deshalb in der Nationalen Alarmzentrale in Zürich gearbeitet.

Parallel dazu habilitierte Schenker 1995 an der Universität St. Gallen. In ihrer Habilitationsschrift beschäftigte sie sich mit der Frage, wie sich die Leistungen von Hochschulen messen und evaluieren lassen. 1997 wechselte sie ins Bundesamt für Bildung und Wissenschaft (heute: Staatssekretariat für Bildung und Forschung), wo sie die Abteilung Universitätswesen leitete. Vier Jahre später wurde sie an die Universität Zürich als ordentliche Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Direktorin des Executive MBA-Programms berufen. Ihr Forschungsinteresse umfasst insbesondere Hochschulmanagement und Systemtheorie. Schenker hat sich also auf die Wissenschaft der Hochschulleitung spezialisiert.

Das dürfte bei ihrer Wahl ein wichtiges Argument gewesen sein. Thomas Sutter-Somm, Vorsitzender der Regenz der Universität Basel, erklärte am Donnerstag anlässlich der Vorstellung der neuen Rektorin, dass das Amt des Rektors sich in den letzten Jahren stark verändert habe. «Heute können Sie nicht mehr nebenher Rektor sein», meinte er. «Für einen Professor ist das heute ein Berufswechsel.» Es sei denn, der Professor habe sich schon in seiner Lehr- und Forschungstätigkeit mit der Führung von Hochschulen beschäftigt, wie das bei Andrea Schenker-Wicki der Fall war. Sie erklärte denn auch, das Rektorat der Uni Basel übernehmen zu können, das sei die «Krönung meiner Laufbahn».

Die neue Rektorin wollte noch keine «Regierungserklärung» abgeben. In einem Punkt jedoch liess sie sich erstaunlich deutliche Worte entlocken: Es sei dringend nötig, das Bologna-System zu reformieren. Schenker war damals, als das Bologna-System in der Schweiz beschlossen wurde, im zuständigen Bundesamt tätig. «Ich weiss genau, wie das damals gemeint war», meinte sie. Heute seien Studenten «zu Punktejägern» geworden. Das entspreche nicht der Grundidee. «Das Bologna-System muss grosszügiger werden», erklärte Schenker. «Ich werde mich in der Rektorenkonferenz dafür einsetzen, dass wir in der Schweiz diesbezüglich eine Kurskorrektur vornehmen.»

Mindestens zu Beginn ihrer Amtszeit wird Andrea Schenker-Wicki in Zürich wohnhaft bleiben, weil sie zwei schulpflichtige Kinder hat. Tochter (10) und Sohn (14) seien übrigens damit einverstanden gewesen, dass ihr Mami in Basel einen wichtigen Job übernimmt. Geholfen haben könnte, dass der Sohn ein «glühender Fan» des FCB sei und sich wünscht, mit der Mutter einmal einen Match besuchen zu können.