Nicht auch noch das Sommercasino. Nachdem in diesem Jahr bereits klar wurde, dass diverse Clubs schliessen müssen, macht auch noch das Jugendkulturhaus dicht. Heute Abend findet die letzte Party statt, dann ist Schluss. Doch ganz so schlimm wie bei den anderen Institutionen ist es beim Soca nicht, denn die Schliessung ist nur temporär. «Es ist natürlich ein blöder Zufall, dass all diese Schliessungen zusammenfallen», so Sabrina Tschachtli, Präsidentin des Vereins Junge Kultur Basel, der das Soca per 1. Januar 2016 übernimmt. Aber man sei einfach nicht um eine Schliessung herum gekommen.

«Wir haben im Sommer das Angebot bekommen und als wir zugesagt haben, ging es gleich los mit dem Schreiben des Konzeptes. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, für die man sich auch Zeit nehmen muss.» Der allfälligen negativen Konsequenzen sei man sich bewusst: «Natürlich ist es immer ein Risiko, wenn man einen Laden umbaut oder für eine gewisse Zeit zulässt, dass man dann gewisse Leute oder Stammkunden verliert. Aber das ist ein Risiko, das wir eingehen mussten.» Hätte man auf die Schliessung verzichtet, dann hätte gleichzeitig auch noch ein Programm ab Januar zusammengestellt werden müssen. Ausserdem hätte man auch auf den Umbau verzichten müssen, der notwendig sei.

Kaffee und Mittagstisch

Dass dieser überhaupt nötig ist, hat mit dem neuen Konzept zu tun, das unterem anderem ein gastronomisches Angebot vorsieht. Ganz konkret sind die Pläne noch nicht, aber Tschachtli hat die eine oder andere Idee: «Es wäre schön das Areal im Sommer mit einem Café zu beleben, das den Tag über offen ist, sodass auch Quartierbewohner es besuchen können. Oder wir prüfen auch die Möglichkeit eines Mittagstischs.» Und genau für so einen Mittagstisch würde ein Umbau nötig, denn die vorhandene Küche sei überschaubar und würde dafür nicht ausreichen.

Ein weiterer Punkt im neuen Konzept ist die Öffnung des Sommercasinos weg von einer alleinigen Musik-Kultur hin zu einem Haus für viele Kunstsparten. «Wir denken an Kinopremieren, Tanzperformances, Kleinkunst oder Theater. Aber natürlich auch weiterhin an die Musik.» Und man wolle Veranstaltern die Chance geben, ihre eigenen Anlässe durchführen zu können und ihnen damit auch die Chancen geben zu können, Erfahrungen im Veranstaltungswesen zu sammeln.

Budgetierte Finanzierungslücke

Dieser neue Ansatz hat auch das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt überzeugt. Erst am Mittwoch wurden dem Verein, der neben dem Soca auch Träger des Kulturhauses R105 ist, jährlich und für vier Jahre Subventionen in der Höhe von 825 000 Franken bewilligt. Eine Viertelmillion davon fliesst ins R105, die anderen 525 000 Franken gehen an das Sommercasino. Damit erhält der Verein Junge Kultur Basel genau den Betrag, den er wollte. Nichtsdestotrotz gibt es auch noch eine Finanzierungslücke, die aber budgetiert war. Diese soll nun durch Drittmittel, weniger Ausgaben oder Mehreinnahmen gedeckt werden, wie Joris Müller, zuständiger der Finanzen beim Verein Junge Kultur Basel, erklärt. «Je nach Gastrokonzept und Investitionen kann das aber deutlich anders aussehen. Für den regulären Betrieb sollte die Finanzierung genügen, allerdings haben wir ohne Drittmittel keinen Spielraum, was aber für eine optimale Umsetzung der angedachten Ideen sehr sinnvoll wäre», so Müller weiter.

Neben dem Gastrobetrieb und einer Öffnung für weitere Kultursparten sollen auch die Öffnungszeiten des Socas angepasst werden. «Die Idee ist, dass es ein paar Veranstaltungen pro Woche geben wird, nicht nur Freitag und Samstag, sondern Mittwoch bis Samstag, das wäre der Idealfall.» Ebenfalls ideal wäre es laut den neuen Pächtern, wenn der Gastrobetrieb bereits im Sommer gestartet werden könne, also vor dem Kulturprogramm, dessen Start auf September angesetzt ist. Dann soll auch das bisherige Personal wieder zum Einsatz kommen. Denn diesem wurde nicht einfach gekündigt, wie es zuletzt hiess. Aber: «In einer Saison, in der nichts veranstaltet wird, gibt es eben auch keine Jobs», erklärt Tschachtli. Die Mitarbeiter würden aber selbstverständlich wieder angefragt.

Mit ihnen und dem Team des Vereins Junge Kultur Basel soll es also im September «vom ersten Tag an mit 1000 Prozent losgehen», sagt eine optimistische Tschachtli. «Wir sind überzeugt, dass es funktioniert, und dass die Stadt so ein Haus braucht.» Man habe ein Konzept über zwei, eines über vier und eines über zehn Jahre. Die erste Phase läuft vier Jahre. «Das wird eine sehr entscheidende Phase, in der wir uns beweisen können und müssen.»