Schon seit über 150 Jahren erklingt im Gotteshaus auf dem Münsterhügel nur noch Musik. Was der Evangelisch-Reformierten Kirche zu teuer wurde, ist einer Gruppe von Enthusiasten nur lieb.
Dass Kirchen umgenutzt werden, gehört zur Tagesordnung. Insbesondere die Stadt Basel hat angesichts klammer Verhältnisse bei den Landeskirchen - weniger Mitglieder gleich weniger Steuereinnahmen - eine Umnutzungswelle erfasst. Die Don Bosco- und die Pauluskirche beispielsweise wurden in jüngster Vergangenheit rein musikalischen Nutzungen zugeführt.
Bei der Martinskirche, der Nummer Zwei auf dem Münsterhügel, verhält sich die Sache etwas anders. Zwar musste sich auch hier die Landeskirche, in diesem Fall die evangelisch-reformierte, etwas einfallen lassen, da der Unterhalt dieses Gotteshauses sich als allzu aufwändig für ihr mittlerweile kleines Portemonnaie herausstellte. Umgenutzt werden wird die Martinskirche jedoch nicht.
Seit 1870 nämlich ist sie Konzertkirche - und wird dies nun dank einer privaten Stiftung auch weiterhin sein können. Wie diese Zeitung anlässlich der Gründung der Stiftung vor knapp gut anderthalb Jahren bereits berichtete, hat die Stiftung Martinskirche mit der Evangelisch-Refomierten Kirche einen langjährigen Mietvertrag abgeschlossen und vermietet ihrerseits die Räumlichkeiten an Veranstalter und Einzelmieter.
Nun präsentierte die Stiftung mit ihren drei Protagonisten, dem Anwalt Martin Hug, der Politikerin Patricia von Falkenstein und dem Planungskoordinator Stefan Rommerskirchen, den Medien ihre Pläne. Wichtigste Nachricht vorab: Von den anvisierten 5,5 Millionen Franken Stiftungskapital haben die Initianten rund 4,5 Millionen Franken zusammen. Angesichts der Beiläufigkeit, mit der Initiant Martin Hug die noch fehlende Summe von einer Million Franken erwähnte, darf man der namhaften Gruppe, die mit einem guten Dutzend ebenso namhaften Unterstützern arbeitet, einen standesgemässen Optimismus unterstellen.
Hug ist der Mastermind hinter diesem Engagement des musikalisch orientierten Basler Bildungsbürgertums. Für ihn ist es offensichtlich eine Herzensangelegenheit. Er sagte, er besuche «seit 55 Jahren regelmässig Konzerte in dieser Kirche». Die Stiftung möchte die Mieten weiterhin «günstig» halten und rechnet deshalb für die nächsten 20 Jahre mit einem jährlichen Betriebsdefizit von 200'000 Franken.
Bleiben 1,5 Millionen Franken für diverse Umbaumassnahmen. Stefan Rommerskirchen erläuterte diese im Detail. Kernelement sind neue Toiletten, zudem wird die Bühne besser ausgeleuchtet, die Sitzbänke mit Kissen ausgestattet und die «Backstage»-Räume erfahren eine sanfte Auffrischung.
Hauptsächlich aus feuerpolizeilichen Gründen muss die Anzahl der Plätze von 1100 auf 850 reduziert werden. Das schmerzt die Stiftungsvertreter. Sie sorgen jedoch insgesamt für zusätzlich rund 50 Erstklass-Plätze, indem der bislang freie Mittelgang «aufgefüllt» wird.
Neben den höchsten Anforderungen an den Denkmalschutz bereitete Stefan Rommerskirchen in den vergangenen Wochen ein externer Faktor kurzzeitig Kopfzerbrechen. Das Warenhaus Globus, welches in den nächsten drei Jahren von Grund auf erneuert wird, befindet sich direkt neben der Martinskirche - Lärmemissionen inklusive. Die «Globus»-Führung habe sich aber sehr kooperativ gezeigt und die Stifter sind nun überzeugt, dass sich die Beeinträchtigungen auf die Konzertkirche in engen Grenzen halten.