Bach-Chor, Münsterkantorei, Beizenchor, Männerstimmen, Motettenchor, Ensemble Liberté: Die Dichte an Laienchören in Basel und Umgebung ist unglaublich hoch. Nun betritt mit den «Rheinstimmen» ein weiterer Laienchor das Parkett. Ist der «Markt nicht schon übersättigt», wie man in der Wirtschaft so schön sagt? Braucht es einen weiteren Laienchor?

Der Chorleiter Reiner Schneider-Waterberg antwortet auf diese Frage selbstbewusst, dass es eben nicht so viele Vokalensembles gebe, die auf dem Niveau der «Rheinstimmen» musizieren können. An Selbstvertrauen mangelt es dem Chor also nicht.

Entstanden sind die «Rheinstimmen» nach dem Ende eines anderen, über 50 Jahre bestehenden Chors. Zwei der Mitglieder wollten sich nicht damit abfinden und kontaktierten Schneider-Waterberg mit der Idee, ein neues Vokalensemble zu gründen, das projektorientiert arbeiten solle. Damit rannten sie bei ihm offene Türen ein. Seit zwanzig Jahren warte er auf eine derartige Gelegenheit, erzählte Schneider-Waterberg freudig.

Durch seine zweite Tätigkeit als professioneller Sänger sei er viel unterwegs. Ein etablierter Chor mit wöchentlichen Proben könne er daher nicht allein, sondern nur in Kooperation mit einer Co-Leitung übernehmen. Ein Projekt wie die «Rheinstimmen» müsse jedoch unter einer Leitung stehen. Das lange Warten habe sich für ihn daher gelohnt.

Die «Rheinstimmen» sind also ein Herzensprojekt von Reiner Schneider-Waterberg. Dementsprechend fiel auch die Programmgestaltung aus. Schneider-Waterberg suchte nach A-cappella-Werken, die er schon lange mal aufführen wollte: Etwa eine Komposition aus dem 16. Jahrhundert von Nicolas Gombert oder eine Uraufführung des lettischen Komponisten Raitis Grigalis, der das berühmte Gedicht «Stufen» von Hermann Hesse vertonte.

Dazu gehören auch Psalmvertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy, ein Werk von Johannes Brahms bis hin zu einer achtstimmigen Motette des englischen Spätromantikers Sir Hubert Parry.

Ein buntes, anspruchsvolles Programm vorwiegend geistlicher A-cappella-Musik kam so zustande. Auf die englischen Stücke von Parry und dessen Zeitgenossen C. V. Stanford freut sich Schneider-Waterberg besonders.

Geboren in Namibia, führte ihn sein Studium nach Cambridge, wo er im renommierten Trinity College Choir mitsingen konnte und dort auch die Musik dieser Komponisten kennen und schätzen lernte. Hier werde diese Musik fast nie gesungen, was auch am Schwierigkeitsgrad liege.

Das Konzert ist eine ziemliche Herausforderung für den 36-köpfigen Laienchor. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Programm an nur zwei Probewochenenden erarbeitet wurde. Bedingung sei, dass alle Chormitglieder ihre Parts alleine mit dem Notenmaterial vorbereiten können, sagt Schneider-Waterberg.

 

Am Sonntag steht das Debüt in der Therwiler Kirche St. Stephan an (17 Uhr) und am Montag um 20 Uhr sind die «Rheinstimmen» in der Kartäuserkirche in Basel zu Gast.