Chaos und Komplotte innerhalb der Basler SVP – an sich nichts neues, ist man geneigt zu sagen. Doch die aktuellen Querelen schütteln die Rechtspartei dennoch mächtig durch. Verständlich, die bz-Recherche von Anfang Woche wurde breit aufgenommen. «Basler Intrigantenstadl» titulierten «Bund» und «Tages-Anzeiger» , selbst IT-Branchenmagazine nahmen die Email-Affäre unter die Lupe. Parteisekretär Joël Thüring sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, nach der geschäftlichen Trennung von Nationalrat Sebastian Frehner dessen Mails gelesen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat auf das Antragsdelikt ein Verfahren eröffnet.

In der «Tageswoche» wird hingegen kolportiert, Frehner selbst stehe hinter dem ganzen Wirbel. Dieser Überzeugung sind auch nicht wenige Exponenten der Volkspartei selbst. «Wenn sich beweisen lässt, dass Sebastian Frehner zu den Medien gegangen ist, erachte ich das als parteischädigende Aktion», sagt Andreas Ungricht. «In diesem Fall werde ich persönlich den Antrag einreichen, dass Frehner nicht mehr für den Nationalrat kandidieren darf», so der Fraktionspräsident der SVP-Delegation im Grossen Rat.

Ungricht ist nicht alleine. Gegenüber der «Schweiz am Wochenende» liessen gestern mehrere Vorstandsmitglieder klar durchblicken, dass sie einen solchen Antrag unterstützen würden. Die Parteileitung hat schon bald Gelegenheit, das weitere Vorgehen zu besprechen. In den nächsten Tagen findet eine Vorstandssitzung statt. «Keine ausserordentliche, nur auf die nahende Generalversammlung hin», sind Vorstandsmitglieder bemüht zu sagen. Im offiziellen, öffentlich einsehbaren Terminkalender ist allerdings keine solche Sitzung verzeichnet. Die Vermutung liegt nahe, dass die ohnehin brenzlige Situation nicht weitere Aufmerksamkeit erfahren soll.

Irrtümliche Mail?

Auf der anderen Seite mehren sich die Zweifler. Jene, die es Joël Thüring durchaus zutrauen würden, nach dem Eklat mit Frehner dessen Mails gelesen zu haben. Um sich so einen Wissensvorsprung zu verschaffen und seine eigene Position innerhalb der Partei zu festigen. Dafür gibt es weitere Indizien. Gemäss Informationen der «Schweiz am Wochenende» soll Thüring einem Parteikollegen gesagt haben, es laufe ein Komplott gegen ihn, von dem er wisse, weil er ein Mail von Frehner gelesen habe. Dieses habe Frehner «irrtümlich» an ihn geschickt, der echte Empfänger sei ein gemeinsamer Parteikollege. «Das wirkt im Licht der aktuellen Ereignisse unwahrscheinlich», sagen mehrere SVP-Exponenten. Die Geschichte hat sich im vergangenen Herbst zugetragen und wurde in den Bänken des Grossen Rats diskutiert.

Namentlich äussern will sich derzeit niemand, da nicht entschieden ist, wer den innerparteilichen Machtkampf am Ende gewinnt. Eine Meinung hat dennoch jeder.

Einig sind sich die Streithähne vor allem in einem Punkt: Die gesamte Affäre schadet der SVP. Am deutlichsten äussert sich Vizepräsident Eduard Rutschmann: «Diese öffentliche Auseinandersetzung ist eine Katastrophe.» Man versuche nun mit allen Mitteln, «eine gute Lösung für die Partei zu finden». Diese müsse bis zur Parteiversammlung vom 24. Mai vorliegen. Dem Vernehmen eines Grossrats nach versucht Präsident Lorenz Nägelin aber einigermassen erfolglos, die Wogen zu glätten. Sein Vorgänger im Amt, Sebastian Frehner, weise seine Termin-Vorschläge für eine Diskussion am runden Tisch rundweg ab. Nägelin war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.