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Entblössende Lichtspiele im Museum.

Entblössende Lichtspiele im Museum.

Nackte Tatsachen

Sonntagnachmittag, 14 Uhr. Das Baby schläft. Die Kleine spielt Duplo. Endlich Zeit für mich. Gemütlich scrolle ich durch meine Lieblings-News-App und lese: Basel bekommt ein Nacktrestaurant. Ich muss grinsen. Dann vergeht mir das Lachen schnell wieder. Das ist ja in unserer Strasse! Wie sage ich es meinem Kinde? Alles halb so wild. Im Fachjargon nennt sich das vorschulische Freikörperkulturvermittlung. Mit dem Aufklärungsunterricht kann man nicht früh genug beginnen.

Mit der Kunstvermittlung hat es aber nicht geklappt. Daran sind jedoch weder ich noch meine Vierjährige schuld. Sondern eine griesgrämige Tante im Museum. Als Kleinbasler wagt man am ersten Sonntag im Monat gerne den Schritt über den Bach. Für alle, die es nicht wissen: Die Museen sind dann gratis. Und so machten wir vergangenes Wochenende einen Familienausflug in den Neubau am St. Alban-Graben. Unsere Freude an der Kunst wurde schnell getrübt, als die Aufsicht mir befahl, meine Tochter an die Hand zu nehmen. Sorry, sie ist vier Jahre alt. Sie reisst schon keinen Newman von der Wand, sagte ich. Das sah diese Dame anders. Als ich mich verweigerte, wollte sie sogar ihren Chef rufen. Na ja. Wir sind dann einfach gegangen.

Wie dem auch sei: Ich störe mich nicht daran, dass in meiner Nachbarschaft nackt gegessen und getrunken werden soll. Wenn alles im gesitteten Rahmen stattfindet. Aber an wen richtet sich das Angebot? Das Nacktrestaurant als Ort fürs Blinddate? Dank nackten Tatsachen weiss man gleich, woran man ist. Oder wie wäre es mit einem gemütlichen Nacktessen für ein altes Ehepaar? Damit es wieder mal einen Grund hat, sich im Beisein des Anderen zu entblössen zum Beispiel.

Auf den Teller gibt es übrigens Wiener Schnitzel und Kartoffelsalat. Beim Essen will man sich keine Blösse geben. Später folgt Fondue, heisst es. Gefährlich, finde ich. Das kann zu bösen Verbrennungen im Leistenbereich führen. Und wie ist das eigentlich mit der Hygiene? Schon ein bisschen gruusig. Man weiss ja nicht, welche Kulturen der Vorgänger zwischen den Fudibacken beherbergt. Und ich soll mich einfach auf demselben Stuhl niederlassen? Da bleibe ich lieber auf meinem sauberen Sofa sitzen und lese in Ruhe Zeitung.

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