Fortschritt

Neuer Bandproberaum gibt Hoffnung für die Basler Musikszene

Die Band Wilde in ihrem neuen Proberaum – sie ist als Hauptmieterin eingetragen.

Die Band Wilde in ihrem neuen Proberaum – sie ist als Hauptmieterin eingetragen.

Der neu eröffnete Bandproberaum am Badischen Bahnhof weckt in der Basler Musikszene neue Hoffnungen für junge ambitionierte Basler Bands. Ab sofort werden auch Tayson und Brandhärd regelmässig im neuen Bandproberaum musizieren.

Als MC Fetch und Mr. Fierce von Brandhärd zusammen mit der Band Tayson richtig loslegten, blieb auch das Bein von Regierungsrat Hans-Peter Wessels nicht still. Der gut gelaunte Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements eröffnete Anfang Woche in der Unterführung des Badischen Bahnhofs einen neuen Bandproberaum.

Wäre die Situation für Basler Bands bei diesem Thema nicht so kompliziert, wäre dieser Akt nichts Besonderes gewesen.

«Gerade für junge Bands ist es schwierig, an geeignete Räume zu kommen», erklärt der Basler Musiker Matthias Wilde, der im neuen Bandproberaum als Hauptmieter eingetragen ist. Mit ihm zusammen werden regelmässig Brandhärd und Tayson am Badischen Bahnhof musizieren.

Die kantonale Evaluation und Suche nach Bandproberäumen gleicht in Basel einer unendlichen Geschichte. Regierungsrat Wessels zählte 17 Projekte auf, die von der Verwaltung einst ins Auge gefasst, aber wegen den unterschiedlichsten Gründen – darunter auch «skurrile», wie es Wessels selbst ausdrückte – fallen gelassen wurden.

Der Bandproberaum beim Badischen Bahnhof ist nicht der grosse Wurf, auf den die regionale Musikszene seit Jahren wartet. Er ist aber gleichwohl ein Zeichen, dass in Zukunft in diesem Bereich noch mehr gehen könnte.

Musik im ehemaligen Erotikladen

«Personen auf der Verwaltung kamen mit Themen in Berührung, die für sie zuvor völlig unbekannt waren. Sie sehen, was für eine seriöse Arbeit hinter der Musik steckt», sagt Matthias Wilde, der zuvor aus einem Lokal des Baudepartements raus musste. «Ich werte diesen Schritt am Badischen Bahnhof als positives Zeichen.»

Die Entstehung des Bandproberaums am Badischen Bahnhof ist mit Ironie verbunden. Die Initiative dazu kam ausgerechnet aus der von der Szene oft kritisierten Allmendverwaltung. Diese baute den ehemaligen Erotikladen zu einem Bandproberaum um.

Zu den Kritikern gehörte oft SP-Grossrat Tobit Schäfer: «Mit dem neuen Raum wurde auch der Beweis erbracht, dass zuvor oftmals der Wille zu konkreteren Umsetzungen fehlte», findet der langjährige Geschäftsleiter des RFV Basel – Popförderung und Musiknetzwerk (ehemals Rockförderverein).

Er sei überzeugt, dass in der Stadt noch viele derartige Räume leer stehen. «Ich hoffe, dass sich andere Verwaltungsstellen daran ein Beispiel nehmen und ein generelles Umdenken stattfindet.»

Schäfer weiss um die grosse Bedeutung solcher Bandproberäume für die lokale Musikszene. Dies unterstreicht auch Joël Gernet alias Rapper Fetch: «Ein solcher Raum ermöglicht den kreativen Prozess. Man hat Zeit, sich dem Sound zu widmen und diesen zu entwickeln.»

Tobit Schäfer ist sich bewusst, dass noch immer viele Vorbehalte gegenüber Bands bestehen. Zudem seien die Bedürfnisse der Künstler sehr unterschiedlich. «Zwischen Hobbymusikern und professionellen Bands gibt es verschiedene Ansprüche an Bandproberäume.»

Kuppel im Zentrum der Debatte

Im Zentrum der Diskussionen standen die Bandproberäume im geplanten Neubau der Kuppel. Der Grosse Rat segnete die Räume mit einer Zonenänderung und einem Baukredit über 1,7 Millionen Franken ab.Sollte die Finanzierung der Kuppel zustande kommen, kann man mit einem Einzug 2017 rechnen.

Für die Basler Musikszene wäre dieser «Bandraum-Cluster» – wie es Tobit Schäfer nennt – ein grosser Schritt. In Luzern oder auch im benachbarten Münchenstein gibt es das schon seit Jahren.

Schäfer kann sich den Rockförderverein in einer Art Scharnierfunktion vorstellen, der zwischen Vermietern und Bands vermittelt und vielleicht sogar als Mieter einsteht.

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