Cramer gehört der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) an, genau wie sein Vorgänger Christoph Eymann, der seit mittlerweile 16 Jahren die regionale und nationale Bildungspolitik prägt. Insofern ist klar, dass Cramer die Politik seines Vorgängers in den wichtigen Punkten fortführen wird, etwa was die Stellung der Universität betrifft. Diese Konstanz dürfte dem Kanton Basel-Stadt in den laufenden Verhandlungen mit dem Baselbiet über die künftige Finanzierung der Uni zugutekommen.

Eine Analyse von Cramers Aussagen während des Wahlkampfs zeigt jedoch auch, dass der neue Bildungsdirektor in vielen Fragen deutlich konservativere Ansichten vertritt als Eymann, dem oft eine «linke Bildungspolitik» vorgeworfen wird. Das zeigen Cramers Antworten bei den Online-Wahlhilfen Vimentis und Smartvote. Diese helfen unentschlossenen Wählern anhand eines Fragekatalogs, diejenigen Politiker zu finden, die den eigenen Vorstellungen am nächsten kommen. Die Antworten Cramers geben einen Eindruck, wie der künftige Erziehungsdirektor tickt.

Kritisch bei Sexualkunde

So ist er in mehreren Punkten dezidiert anderer Meinung als sein Vorgänger. Auf die Frage nach Schuldispensen aus religiösen Gründen wählte Cramer die Antwort «Bin eher dagegen». In Basel wird diese Frage grundsätzlich sehr pragmatisch gehandhabt. Erst in krassen Fällen greift das Erziehungsdepartement durch, wie etwa, als ein muslimischer Vater seinen Töchtern den Schwimmunterricht verbot, oder als eine christliche Familie gegen den Sexualkundeunterricht vor Gericht zog. Ironischerweise teilt Cramer punkto Aufklärung die Skepsis der christlichen Familie.

Bei der Frage nach einer alters- und stufengerechten Sexualkunde bereits im Kindergarten sprach er sich im Fragebogen ebenfalls tendenziell ablehnend aus. Konkret geht es dabei etwa um die Frage, wie eine schwangere Kindergärtnerin antwortet, wenn sie von ihren Kindern gefragt wird, warum sie einen dicken Bauch habe. Das Thema ist deshalb brisant, weil Eymann aufgrund des «Sexkoffers» in die nationalen Schlagzeilen geraten ist. Eine Gruppe um den Basler SVP-Präsidenten Sebastian Frehner versuchte daraufhin mit einer Volksinitiative, den Aufklärungsunterricht einzuschränken.

«Das ist sicher ein Thema, das ich anschauen werde», sagt Cramer auf seine Wahlkampfaussagen angesprochen. «Ich traue aber unseren Kindergärtnerinnen zu, dass sie dieses Thema mit der nötigen Sensibilität behandeln.» Auch bei der Frage der Schuldispense aus religiösen Gründen plane er keine kurzfristigen Änderungen: «Wichtig ist, dass alle Kinder am Schulbetrieb teilnehmen können.» Es dürfe nicht sein, dass die religiösen Überzeugungen der Eltern den Kindern beispielsweise den Sportunterricht verunmöglichten.

Separate Deutschklassen

Ein weiterer brisanter Punkt: Im Fragebogen spricht sich Cramer dafür aus, dass fremdsprachige Kinder zu Beginn in separaten Deutschklassen unterrichtet und erst bei genügenden Deutschkenntnissen in die Regelklasse aufgenommen werden sollen. Das wäre eine klare Abkehr vom Prinzip der integrativen Schule, einer der Schwerpunkte bei der letzten Schulreform.

Das sei ein Thema, das er sehr genau anschauen wolle, so der Bildungsdirektor in spe. «Ich möchte meine Meinung aber noch schärfen.» Grundsätzlich stehe er hinter dem Konzept, betont Cramer. «Es darf aber nicht zu einer Überforderung der Schüler und Lehrer führen.» Voraussetzung für eine Regelklasse sei, dass man gut genug Deutsch könne, um dem Unterricht zu folgen und die anderen Schüler nicht behindere. Grundsätzlich will Cramer aber von grossen Umstellungen absehen und nur punktuell Anpassungen vornehmen: «Die Schulen hatten zuletzt gigantische Reformen zu bewältigen. Das braucht jetzt Zeit, um sich zu etablieren. Die Lehrer sollten in erster Linie das machen können, wofür sie angestellt sind, und das ist Unterrichten.»