Zukunftspläne
Neuer Kaserne-Leiter Sandro Lunin: «Ich werde nicht alles auf den Kopf stellen»

Sandro Lunin will als neuer Leiter der Kaserne Basel die Arbeit von Carena Schlewitt fortsetzen und er wird den «Weltsüden» an den Rhein bringen.

Mathias Balzer
Drucken
Teilen
Sandro Lunin: «Wenn Theater wieder Stadtgespräch ist, profitieren alle davon.»

Sandro Lunin: «Wenn Theater wieder Stadtgespräch ist, profitieren alle davon.»

Kenneth Nars

Herr Lunin, herzliche Gratulation zur Wahl. Was war denn für Sie ausschlaggebend , um von Zürich nach Basel zu wechseln?

Sandro Lunin: Ausschlaggebend war dieses Haus hier, die Kaserne. Es hat in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung gemacht, ist hervorragend aufgestellt, vom Nachwuchs bis zur Spitzenförderung. Die Kaserne ist wichtig geworden für die lokale und die nationale Szene und strahlt international aus. Ausgezeichnet gefallen mir Plattformen wie die eben laufenden Dokumentartage oder das Wildwuchs-Festival, mit denen man anderen Kuratorinnen und Kuratoren die Möglichkeit gibt, neue Formate zu entwickeln.

Das tönt nach Kontinuität. Sie planen also keine grundlegenden Änderungen in der Programmation?

Das würde ich, ehrlich gesagt, ziemlich sinnlos finden. Ich finde es wichtig, dass ich als Nachfolger mit diesem Haus, das so gut läuft, sorgfältig umgehe. Hier stimmt das Schlagwort Nachhaltigkeit. Natürlich werden wir das Bestehende weiterentwickeln. Mit mir kommt aber kein neuer Leiter, der alles auf den Kopf stellt.

Wie sehen Sie den Theaterplatz Basel?

Es freut mich, dass das Schauspiel in Basel wieder richtig in Fahrt gekommen ist. Dann gibt es die freie Szene, das Roxy spielt eine wichtige Rolle, das Vorstadttheater oder auch der Gare du Nord. Das sind alles gute Player. Ich fürchte die Konkurrenz nicht, im Gegenteil. Wenn Theater Stadtgespräch ist und wieder interessant ist, profitieren alle davon.

Das Theater Basel stellt neue Dramatik und damit den Text ins Zentrum seiner Produktionen. Was wird der rote Faden in Ihrem Programm sein?

Sogenannt performative Formate spielen mittlerweile eine zentrale Rolle in der freien Szene, deren Haus wir ja sind. Es gibt sehr wenige Gruppen, die klassisches Schauspiel pflegen. Zudem haben wir auch nicht die Mittel, um das zu machen, was das Schauspielhaus macht. Wir suchen deshalb andere Ansätze. Aber natürlich schliess ich nicht aus, dass wir auch Gruppen , die klassische Stücke machen, zu Gast haben werden.

Sie kommen vom renommierten Theaterspektakel hierher. Ein Festival mit enormer Ausstrahlung und stattlichem Budget. Muss Sandro Lunin jetzt kleinere Brötchen backen?

(lacht) Da hab ich, ehrlich gesagt, überhaupt kein Problem. Ich passe mich gerne den lokalen Begebenheiten an. Die Kaserne hat für 2017 und 2018 ja nochmals zusätzliche Mittel erhalten. In Basel ist kulturpolitisch viel passiert in den letzten Jahren. Die Kaserne ist zur allgemein anerkannten Institution geworden. Es gibt hier auch den Kredit für die Gruppenförderung, der nicht immens ist, aber wichtig, und es gibt die Dreijahresförderung. Wir sind somit gut aufgestellt.

Aber ein Haus zu führen, ist doch was anderes als ein Festival.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob man ein interkontinentales Grossfeuerwerk zündet, wie die drei Wochen Festival in Zürich, oder ob man ein Haus leitet, was ich von meiner Zeit in Bern her kenne. Beides hat Vor- und Nachteile. Ein Festival lebt von der Komprimierung auf drei Wochen. In einem Kulturzentrum wie der Kaserne bleibt mehr Zeit und Raum, um die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern zu pflegen, sie zu begleiten und zu fördern. Darauf freue ich mich.

Ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit ist das Theater des Nahen Ostens und aus Afrika. Sie nennen es Weltsüden. Werden Sie das hier weiterführen?

Die Kaserne steht ja mitten im kulturellen Melting-Pot der Stadt. Da überlege ich mir schon, wie wir mit bestimmten Formaten, diese Bevölkerungsteile einbinden können. Wir werden sicher versuchen diese Türe zu öffnen. Andersherum war es mir immer ein Anliegen mit jungen Künstlern aus dem südlichen Kontinent längerfristige Zusammenarbeiten zu iniziieren. Dieses Kontaktnetz bringe ich natürlich mit und das soll hier auch seine Spuren hinterlassen.

Aktuelle Nachrichten