Die Angestellten wussten es schon lange. Am vergangenen Samstag, während des Heimspiels gegen den FC Thun, wurden nun auch die Stammgäste informiert: Das Restaurant Uno im St. Jakob-Park wird am 15. Dezember geschlossen. Anstelle des 200 Plätze fassenden Betriebs wird eine VIP-Lounge eingebaut. Dort kann während der Spiele nur noch dinieren, wer ein rund 4900-fränkiges Saison-Package erstanden hat. Die Stange Bier und Nüsslisalat während der Halbzeit-Pause sind zumindest im Uno bald vorbei.

Das Uno passte nicht ins Konzept von Frank Wassermann. Er ist exakt seit drei Monaten der neue Gastronom im St. Jakob-Park: Per 1. Juli übernahm der Hotelkaufmann, der zuletzt in München tätig war, die Funktion des Geschäftsleiters der Berchtold Catering AG – der Firma also, die für die gesamte Gastronomie im Stadion zuständig ist. Sie betreibt neben dem «Uno» auch die beliebte «Hattrick Bar» sowie den gesamten Bankett- und Logenbereich mit rund 1500 Plätzen. Wassermann ist Herr über rund 50 Festangestellte und 150 Teilzeitkräfte.

Entlassen nach dem Abpfiff

In der kurzen Zeit, in der Wassermann in Basel wirkt, hat er schon einiges umgekrempelt – und viel Geschirr zerschlagen, wie ein Angestellter erzählt, der nicht mit Namen genannt werden möchte. Er beschreibt die Stimmung beim Personal als «höchst angespannt». Zuerst habe der neue Patron die günstige Rösti aus der Karte gestrichen, dann seien schon die ersten Kündigungen ausgesprochen worden. Fast im Wochenrhythmus werde jemand entlassen, er wisse von mindestens einem halben Dutzend Betroffenen. «Alle haben Angst, dass es sie als Nächstes trifft.» Bei den Entlassungen gehe die neue Führungscrew wenig zimperlich vor. Einen Kollegen habe es nach einem Match erwischt: Kurz nach dem Abpfiff habe er erfahren, dass man ihn nicht mehr brauche. «Man wollte noch seine Arbeitskraft nutzen», sagt der Angestellte, «bevor man ihm den Schuh gibt.»

Besonders deprimierend sei das Verhalten der neuen Leitung, weil der Gründer und frühere Inhaber des Unternehmens, Hans Berchtold, Entlassungen wenn immer möglich zu vermeiden versuchte.

Die Berchtold Catering AG bestätigt, dass es Entlassungen gab, geht aber nicht auf Details ein. «Im Zuge einer Diversifizierung und des Umbaus der Restaurant-Betriebe müssen uns einige Angestellte verlassen», sagt Geschäftsführer Thomas Anliker, ohne Zahlen zu nennen. Die Betroffenen würden bei der Stellensuche unterstützt.

Der Umbau, den Wassermann vornimmt, ist vom FC Basel gewünscht. Der Klub will nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz in die Champions League vorstossen. Bisher war die Gastronomie ein Verlustgeschäft für den Schweizer Meister im Fussball. Im Sommer verkaufte der Klub seine Aktienmehrheit an der Berchtold Catering an Wassermann und ist seither nur noch Minderheitsaktionär. Erst Mitte 2012 hatte der FC Basel selber die Aktienmehrheit von Hans Berchtold übernommen. Per 2. September nun wurde Wassermann auch Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats – er hat bei seinen Umbauvorhaben freie Hand.

Gilt Berchtold, der vor allem mit dem Buffet im Basler Bahnhof SBB Bekanntheit erlangte, als Patron alter Schule, hat mit Wassermann ein neuer Stil Einzug gehalten. Zweifellos hat Wassermann, der mit seiner Familie in Bettingen wohnt, grosse Verdienste vorzuweisen. Er leitete vor seinem Wechsel in die Region die Gastronomie in der Münchner Allianz-Arena. Ausserdem verköstigte er zahlungskräftige Klientel an den Fussball-Weltmeisterschaften in Südafrika und Deutschland.

«Tun ihm furchtbar weh»

Ein Vertrauter Berchtolds sagt gegenüber der bz, diesem täten die Entlassungen «furchtbar weh», er trage die Strategie seines Nachfolgers jedoch mit. Am vergangenen Samstag war Berchtold im «Uno» anwesend und besänftigte Stammgäste, die über den Schliessungsentscheid verärgert waren.

Berchtold sitzt noch immer im Verwaltungsrat der Berchtold Catering AG. Er war gestern für die bz nicht zu sprechen. Eine Anfrage an die Berchtold Catering blieb unbeantwortet.