Schon seit Jahren besteht in Basel grosser Mangel an Orchesterproberäumen. Mit dem Umbau des Stadtcasinos hat sich das noch zugespitzt. Mittlerweile wächst die Unzufriedenheit unter den Musikensembles. Bereits 2016 hatte die Basler Regierung deshalb mitgeteilt, dass sie für 5,86 Millionen Franken die Christi-Kirche am Picassoplatz gekauft hat. Möglichst rasch sollte die Liegenschaft in Proberäume umgebaut werden.

Doch es bleibt Unzufriedenheit: «Uns wurde vor rund anderthalb Jahren die Möglichkeit in Aussicht gestellt, in der Kirche mit unseren etwa 120 Sängerinnen den wöchentlichen Unterricht unserer Chorschule durchzuführen», betont Anna Fintelmann. Die Geschäftsführerin der Mädchenkantorei Basel erzählt von mehreren Gesprächen und von Ortsterminen, bei denen ein Raum im ersten Stock mit grosser Glasfront in Aussicht gestellt worden sei. Neben dem grossen Kirchenraum soll dieser nun aber für Büros des Orchestermanagements genutzt werden, was der Mädchenkantorei sauer aufstösst. «Das ist zutiefst bedauerlich und in unseren Augen eine echte Verschwendung dringend benötigter Raumressourcen», kritisiert Fintelmann.

Von Anfang an Probleme

Das Projekt hat von Anfang an geharzt. Bereits im Frühling 2017 hätten die Proberäume bezugsbereit sein sollen. Den Betrieb wird das Sinfonieorchester Basel (SOB) übernehmen. Mittlerweile aber hat sich das Ganze schon mehrfach verzögert. Die Gründe waren in erster Linie bauliche Probleme. Der Aufwand durch die denkmalpflegerischen Vorgaben sowie die akustischen Anforderungen waren unterschätzt worden. Nun geht der Kanton davon aus, dass das Gebäude ab Frühling 2020 neu genutzt werden kann, vom Sinfonieorchester, aber auch von anderen Ensembles.

Die ursprüngliche Absicht, neben dem grossen Kirchenraum einen zweiten kleineren Proberaum zu schaffen und parallel vermieten zu können, «hat sich aus baulichen Gründen als unrealistisch erwiesen», räumt Co-Kulturchefin Sonja Kuhn vom zuständigen Präsidialdepartement ein. In diesem zweiten Raum werden nun die Büros der Geschäftsstelle untergebracht. Eine Vermietung des Hauptproberaums an Dritte werde aber auch künftig möglich sein. Nur nützt das etwa der Mädchenkantorei wenig. Es sei schwierig, Formationen an fixen Terminen unterzubringen, erklärt SOB-Geschäftsführer Franziskus Theurillat. Denn das Sinfonieorchester selber sei auf Flexibilität angewiesen, «da keines unserer Projekte gleich wie das andere ist».

Es bleibt Unzufriedenheit

Fintelmann gibt sich damit nicht zufrieden: «Die Situation bleibt für uns unbefriedigend.» Die Mädchenkantorei müsse mit ihren wachsenden Chorklassen immer wieder an unzureichenden Standorten proben. Im Gegensatz zu Co-Kulturchefin Kuhn glaubt sie denn auch nicht mehr, dass sich mit den neuen Proberäumen die Gesamtsituation für Orchester und grössere Ensembles merklich entspannen wird. «Die meisten Räumlichkeiten platzen aus allen Nähten.»
Bei der Mädchenkantorei koche dies denn auch immer wieder hoch. «Unsere Chorleiterin findet immer wieder, dass die Situation eigentlich nicht tragbar ist. Mit der Aussicht auf neue Proberäume konnte ich sie bisher aber besänftigen. Doch die ist nun weg», sagt Anna Fintelmann. «Wenn ich dann aber höre, dass ein Raum mit Büros vollgestellt wird, dann wundere ich mich schon.»