Die Basler Sportpolitik kennt viele Baustellen. Sie wurden in den vergangenen Tagen offenbar, sodass sich auch die Parteien einschalteten und sich nun Regierung wie Parlament mit kaputten Sportanlagen, Stunk in Ämtern und einer fehlenden Vision herumschlagen müssen. Besser spät als nie, liesse sich sagen.

Die Parallelen zum Bereich Kultur sind eigentlich offensichtlich. Auch dort verlangte der Grosse Rat eine Gesamtstrategie, auch dort drängten sich auf allen Ebenen Probleme auf und wurden Investitionen schlecht koordiniert. Im Unterschied zum Sport fiel das aber viel schneller auf. Das hat Gründe.

Zum offensichtlichsten: Der Sport fristet im Erziehungsdepartement (ED) ein Nischendasein. Der Bildungsbereich hat eine gewaltige Wasserverdrängung. Volks-, Mittel- und Hochschulen beschäftigen den grossen Teil der rund 7000 ED-Mitarbeiter. Diese Konkurrenz hat direkte Konsequenzen. Ein während Jahren ausgearbeitetes Sportstätten-Konzept, das mit dem Finger auf dringliche Baumassnahmen zeigte, verschwand wohl vor allem aus einem Grund: Der damalige Departementsvorsteher Christoph Eymann hatte soeben eine SchulraumOffensive im Wert von 790 Millionen ausgerufen. Im Vergleich dazu war das Sanieren von ramponierten Turnhallen, Eisflächen und Schwimmbädern politisch nicht opportun.

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Ein weiterer liegt in der Natur des Sports begründet, was speziell im Vergleich mit der Kultur ins Auge sticht. Während die Basler Kulturschaffenden mit grossem Eifer darum bemüht sind, den Kuchen insgesamt grösser zu machen, buhlen die verschiedenen Sportvertreter um das jeweils grösste Stück davon. Kompetitiv statt kooperativ.

Die Kultur ist nicht nur fest verankert, sondern auch gut koordiniert, was sich schon bei den Interessenverbindungen der Basler Grossrätinnen und Grossräte zeigt. Der Lobbyverein «Kulturstadt Jetzt» stellt derzeit sechs Parlamentarier und während langen Jahren den obersten Basler Geschäftsprüfer Tobit Schäfer (SP). Er hatte ein scharfes Auge auf die Kulturpolitik.

Doch das Sportamt taucht in den letzten GPK-Berichten gar nicht einmal mehr auf. Als die Museumsstrategie verzögert wurde, ging der Grosse Rat auf die Barrikaden und drohte mit Streik in der Bildungs- und Kulturkommission. Als Eymann ganz offen sagte, das Sportstätten-Konzept nicht zu veröffentlichen, liess das die Mehrheit kalt.

Dabei durchläuft der Sport derzeit grosse Veränderungen. Die Bedeutung der Vereine schmilzt, vereinslose Sportler wie Jogger, Schwimmer und Fitter stellen inzwischen mehr als die Hälfte der Sporttreibenden hier. Das entspricht dem Zeitgeist und wird sich so schnell nicht ändern. Die Politik hat diese Entwicklung verschlafen. Entscheidungsträger über Strategie (Sportbeirat) und Fördergelder (Vergabekommission des Swisslos-Fonds) sind nicht nur zum Teil die gleichen. Sie sind zu einem grossen Teil auch noch Vereins- oder Verbandspräsidenten.

Wie wäre es mit Duschen oder auch nur Umziehmöglichkeiten für Jogger am Rhein, zusätzlichen Trainingsmöglichkeiten oder sogar einem Schwimmbereich im Rhein? Solche Massnahmen kämen einer deutlich grösseren Öffentlichkeit zugute als viele Projekte, die der Swisslos-Sportfonds in den vergangenen Jahren unterstützt hat.

Neue Köpfe, neue Vision, neue Strukturen

Die Situation in der Basler Sportpolitik ist festgefahren, strukturell wie personell. Die Zeit für einen Neubeginn ist jedoch günstig. Mehrere Entscheidungsträger in der Basler Sportpolitik, die jahrelang wertvolle Dienste geleistet haben, erreichen das Rentenalter. Den neuen Schwung gilt es auszunutzen. Es braucht junge Kräfte, und es braucht auch mehr Frauen. Die Loge der Panathleten führt es am deutlichsten vor Augen, wer das Sagen hat in der Sportpolitik: Männer über 50. Das repräsentiert die Sporttreibenden denkbar schlecht.

Viele der genannten Probleme liessen sich mit einem Schachzug besser lösen: Das Gesundheitsdepartement soll das Sportamt übernehmen. Dort hätte es sofort einen prominenten Platz, ist es doch seit der Auslagerung der Spitäler das kleinste aller Departemente. Zudem ergäbe sich eine ganz andere Perspektive auf den Sport: Die breite Bevölkerung soll fitter werden, nicht zuletzt um steigenden Krankenkassenprämien entgegenzuwirken. Es ist hinlänglich belegt, dass Sportförderung helfen kann, Gesundheitskosten einzudämmen.

Es wäre ein deutliches Zeichen, die neuen Herausforderungen an die Basler Sportförderung von einem anderen Standpunkt anzugehen. Der Sport ist ideell in einer ranzigen Turnhalle verhaftet, müsste sich aber neue Wege suchen wie die tägliche Schar der Jogger am Rheinufer. Basel-Stadt muss sich klar werden, was der Kanton vom Sport will und keinen Schnellschuss produzieren. Danach sieht die aktuelle Überarbeitung des Sportkonzepts nämlich aus. Es braucht eine Vision, neue Köpfe – und den Willen, die Strukturen den aktuellen Aufgaben anzupassen.