Eigentlich ist das Gesetz noch fast ein Kind, gerade mal 15 Jahre alt. Und doch verleiht ihm der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer das Prädikat «historisch». Dieser Umstand fasst zusammen: In den letzten Jahren hat sich die Kinderbetreuung im Kanton Basel-Stadt stark verändert.

Die Zahl der betreuten Kinder hat sich alleine in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 3900 Vollzeitplätze bieten die Kitas in Basel-Stadt. Sie können das Bedürfnis kaum decken. Gleichzeitig sind die Preise hoch. Und unfair. Heute gibt es zwei verschiedene Modelle, wie der Staat die Kinderbetreuung unterstützt. Einerseits subventioniert er direkt Tagesstätten, andere finanziert er auf tieferem Niveau mit. Wenn Eltern heute ihr Kind in einer subventionierten Kita unterbringen, erhalten sie indes weniger Unterstützung als jene Eltern, die ihre Kinder in mitfinanzierte Kitas stecken.

Mit diesem Wildwuchs soll nun Schluss sein. Neu gibt es nur noch eine Kita-Kategorie, und alle erhalten gleich viel Geld. Die subventionierten Tagesstätten werden so in den Markt entlassen, die mitfinanzierten hingegen stärker unterstützt. Gleichzeitig will die Regierung die Familienbeiträge erhöhen (siehe Tabelle). Zudem sollen Eltern künftig frei wählen, wer ihr Kind beaufsichtigen soll. Dies geht aus dem Ratschlag hervor, den Cramer gestern präsentiert hat. «Für die Eltern bedeutet diese Revision sicher eine Erleichterung, die sie im Portemonnaie spüren», sagt Cramer. Aus der Umstellung würden 98 Prozent der Familien, die ihre Kinder betreuen lassen, einen Vorteil ziehen. «Es kann Einzelfälle gut situierter Familien geben, die von der neuen Regelung nicht profitieren. Dafür gibt es aber eine Härtefallklausel», sagt Cramer.

Staatliche Kitas werden möglich

Das neue System legt einen Minimal- und einen Maximalpreis für die Kitas fest: Zwischen 2100 und 2500 darf eine Vollbetreuung kosten. Damit das möglich wird, greift auch der Kanton in die Kasse. Vier Millionen soll der Systemwechsel jährlich kosten, die Hälfte davon kommt den Eltern durch die Beitragserhöhungen zugute. Vorerst. Denn auch Cramer weiss, dass die Zahlen betreuter Kinder aktuell nur eine Richtung kennen. Sollten die Kitas die steigende Nachfrage dereinst nicht decken können, hat der Kanton ein Instrument zur Hand. Nimmt der Grosse Rat den Vorschlag der Regierung an, dürfte der Staat eigene Kindertagesstätten führen.

Das sei zwar mehr «Ultima Ratio» denn ein konkretes Vorhaben, sagt Cramer. Für die Ideen aus seinem Departement erntet er Lob von verschiedener Seite. Eine kurze Umfrage unter zahlreichen Kitas der Stadt – sowohl subventionierte wie mitfinanzierte – fördert breite Zufriedenheit zutage. Die grösste Erleichterung ist bei den mitfinanzierten Tagis spürbar. Sie versprechen sich Gleichbehandlung. «Uns wird es besser gehen», sagt Ursula Wehrli. Sie leitet das Schnoogeloch. Die Kita schrieb in den vergangenen zwei Jahren rote Zahlen.

Zwar erwartet Wehrli strengere Auflagen, aber auch, mindestens kostendeckend arbeiten zu können. Mit 1990 Franken für einen Vollzeitplatz gehört das Schnoogeloch zu den günstigen Tagesstätten. Zurückhaltender äussern sich die angefragten Vertreterinnen subventionierter Kitas. Zwar sei eine Vereinfachung des Systems zu begrüssen, so der Tenor. «Dennoch stellen sich insbesondere bei der Finanzierung noch viele Fragen. Es darf aus der Totalrevision kein Qualitätsverlust bei den subventionierten Kitas resultieren», sagt Andrea Theunert, Präsidentin der fameta Basel, einem Zusammenschluss von elf subventionierten Kitas.