Neues Buch
Basler Heimatschutz sucht die «schöne Stadt»

Seit 1969 prämiert der Basler Heimatschutz jährlich alte und neue Bauten. Darunter einige Neubauten, die zu Klassikern geworden sind und einige, deren Wert heute in Frage gestellt wird.

Patrick Marcolli
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Ausgezeichnet: Die Universitätsbibliothek von Otto Senn.

Ausgezeichnet: Die Universitätsbibliothek von Otto Senn.

Bild: Roland Schmid

Als der Obmann des Basler Heimatschutzes im Jahr 1969 vorschlug, fortan jährlich Bauten im Kanton Basel-Stadt zu prämieren, ahnte er wohl nicht, wie langlebig seine Idee werden und wie gut sie dem Image des Vereins tun würde.

Primär ging es Obmann Hans Rudolf Hockenjos und seinen Getreuen damals um vorbildlich renovierte historische Bauten in der Stadt und den beiden Landgemeinden. Es war die Zeit der Hochkonjunktur und noch hatte sich kein allgemeines Bewusstsein für den kulturhistorischen Wert der mittelalterlichen Stadt und der sie umgebenden Gründerzeitquartiere herausgebildet. Im Gegenteil: Es wurde hemmungslos abgerissen und im Streben nach Rentabilität neu und billig gebaut. Die Bautenprämierung des Heimatschutzes hatte (und hat) also immer etwas Aufklärerisches, Erzieherisches, Augenöffnendes.

Nicht gänzlich rückwärtsgerichtet

Ausgezeichnet: Die Renovation des Lonza-Hochhauses.

Ausgezeichnet: Die Renovation des Lonza-Hochhauses.

Bild: Roland Schmid

Der eigentliche Clou jedoch - man würde heute wohl von einem PR-Coup sprechen - war die Tatsache, dass seit Anbeginn Neubauten prämiert wurde. Der Heimatschutz Basel, von seinen Gegnern oft als Organisation der Verhinderer verunglimpft, setzte in diesem Sinn ein starkes Zeichen für die zeitgenössische Architektur und bewies damit gleichzeitig auch, sich nicht gänzlich einem rückwärtsgerichteten Stadtbild verschrieben zu haben.

In einem neuen Buch mit dem Titel «Der schönen Stadt Basel» (Eigenverlag) blickt der Verein zurück auf die Geschichte der Bautenprämierungen von 1969-2019. Nebst all den mittelalterlichen oder gründerzeitlichen Bijous, die erhalten und fachgerecht erneuert wurden, finden sich viele Gebäude, die von zeitgenössischen Architekten entworfen wurden und die sich mittlerweile im Stadtbild fest etabliert haben oder bereits zu Klassikern geworden sind. Dazu gehören zum Beispiel Otto Senns Universitätsbibliothek (prämiert 1970) oder das renovierte Lonza-Hochhaus (1999).

Ausgezeichnet: Die Rheinfront von Roche (rechts)

Ausgezeichnet: Die Rheinfront von Roche (rechts)

Bild: Roland Schmid

Interessant wird es, wenn sich die Wahrnehmung des Heimatschutzes im Verlauf der Jahre änderte. So zum Beispiel die Rheinfront von Roche am Rhein, die ab 1968 gebaut wurde (prämiert 1971). Sie wird in den kommenden Jahren abgerissen, doch der Heimatschutz setzte mit dem Kampf um das alte Hochhaus und einen modernen Produktionsbau ganz andere Prioritäten. Und wer weiss, wie er sich verhalten würde, ginge es dereinst um den Abriss des Museums für Gegenwartskunst (prämiert 1980)?

Ausgezeichnet: Das Museum für Gegenwartskunst

Ausgezeichnet: Das Museum für Gegenwartskunst

Bild: Roland Schmid

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