Die Kinderbetreuung in Basel-Stadt ist ein 50-Millionen-Markt, Tendenz steigend. 110 Tagesheime bieten insgesamt 3859 Betreuungsplätze an – vor zehn Jahren waren es noch 2000 Plätze. Die bz hat die Anbieter auf ihre juristische Form hin untersucht. Fazit: Rund ein Drittel des Markts wird aktuell von kommerziellen Anbietern abgedeckt (siehe linke Grafik).
Diese als Einzelfirma, GmbH oder AG organisierten Unternehmen bieten 1167 Betreuungsplätze an, die restlichen rund 2700 Plätze werden von gemeinnützigen Organisationen wie Vereinen oder Stiftungen geführt. Diese nichtkommerziellen Anbieter profitieren von höheren Subventionen durch den Staat, der zusätzlich auch noch die Mietkosten übernimmt.

Basler Kita-Markt

Basler Kita-Markt

Neues Gesetz bringt Mehrkosten

Doch mit dieser Ungleichbehandlung wird demnächst Schluss sein, wenn es nach dem Erziehungsdepartement geht. Die kommerziellen Anbieter sollen mit dem neuen Tagesbetreuungsgesetz gleich hohe Subventionen erhalten wie die Nichtkommerziellen, bestätigt Sandra Dettwiler, Abteilungsleiterin Jugend- und Familienangebote beim Erziehungsdepartement. Dies führe für den Kanton zu jährlichen Mehrkosten von rund 2 Millionen Franken. «Mit dem neuen Gesetz wollen wir vor allem die Wahlfreiheit und die finanzielle Gleichbehandlung der Eltern erreichen.»

Das Erziehungsdepartement habe grundsätzlich keine Präferenz, ob ein Kita-Angebot kommerziell oder gemeinnützig geführt werde. Die gemeinnützigen Angebote hätten jedoch den Vorteil, dass sie durch ihre Organisation als Verein oder Stiftung über ein zusätzliches internes Aufsichtsgremium verfügen. «Andererseits wäre es uns ohne die kommerziellen Anbieter nicht möglich gewesen, allen Eltern im Kanton einen Krippenplatz zu garantieren, dafür war das Wachstum der Nachfrage in den vergangenen Jahren zu gross.»

Die bisher bevorzugten, als gemeinnützige Vereine organisierten Krippen haben an der angestrebten Gleichbehandlung ihrer kommerziellen Konkurrenz nicht nur Freude. Tessa Müller, Geschäftsführerin des grössten Kita-Anbieters Familea, sagt zwar: «Wir finden es grundsätzlich gut, dass die Wahlmöglichkeit für Eltern erhöht wird und gleiche Bedingungen für alle Kitas gelten, ob kommerziell oder gemeinnützig.» Wichtig sei aber, dass der Kanton in der Verordnung die Spielregeln klar regle, damit die kommerziellen Anbieter nicht mit unfairen Methoden ihre Margen verbessern – denn das gebe es bereits jetzt. «Besonders beim Personal wird gespart, indem mehr Praktikanten eingesetzt werden oder indem auf Ausbildung oder auf die Bezahlung eines 13. Monatslohns verzichtet wird.»

Zusätzliche Konkurrenz

Müller erwartet, dass sich mit dem neuen Gesetz zusätzliche kommerzielle Anbieter aus anderen Städten in Basel niederlassen werden und sich mit aggressiver Werbung und Hochglanzprospekten zusätzliche Marktanteile sichern. «In Luzern, wo 2009 als erste Stadt Betreuungsgutscheine eingeführt wurden, hat sich gezeigt, dass viele Kitas gegründet wurden», sagt Müller. «Dadurch ist kurzfristig ein Überangebot entstanden. Darunter haben vor allem die kleinen, gemeinnützigen Kitas gelitten.» Dies könne in Basel ebenfalls der Fall sein, wenn kommerzielle Anbieter künftig gleich hohe Subventionen erhalten.

Gegen diese Vorwürfe wehren sich die kommerziellen Anbieter: «Das neue Gesetz bedeutet für uns vor allem mehr Geld und endlich eine faire Gleichstellung, denn die Auflagen für uns kommerziellen Anbieter sind bereits jetzt dieselben wie jene für die vollsubventionierten Tagesstätten», sagt Susanna Diederich, Inhaberin der Susanna’s International Kindergarden GmbH, die in Basel an zwei Standorten insgesamt 180 Betreuungsplätze anbietet.

«Für das neue Gesetz und die Gleichbehandlung haben wir lange gekämpft», sagt Diederich. «Es gibt aber noch Details, mit denen wir nicht einverstanden sind.» So sei es für sie inakzeptabel, wenn alle ihre freien Plätze durch die Stadt vermittelt werden könnten. «Wir sind darauf angewiesen, dass wir gewisse Kontingente für unsere Geschäftskunden aus der Pharma-Branche reservieren können.» Dass sich mit der Betreuung von Kindern bereits jetzt, mit den tieferen staatlichen Subventionen, gutes Geld verdienen lässt, streitet Diederich nicht ab. Die gelernte Buchhalterin hat 2003 mit einer kleinen Kita in der Nähe des Badischen Bahnhofs begonnen, heute beschäftigt sie 70 Mitarbeiter an zwei Standorten. «Natürlich geht das nur, wenn man aufs Geld schaut, auch bei den Löhnen, die bei uns tatsächlich tiefer sind als bei den vollsubventionierten Tagesheimen.»

Mehr Wettbewerb

Dass den subventionierten Konkurrenten vom Kanton auch noch die Miete erstattet wird, ist für die Geschäftsfrau ein Skandal. «Wir zahlen rund 40 000 Franken Miete pro Monat, das ist ein gewaltiger Wettbewerbsnachteil, der unbedingt eliminiert werden muss.»
Dass das neue Gesetz, das sich derzeit in der Vernehmlassung befindet, für die bisher subventionierten Tagesheime eine erhebliche Veränderung bedeutet, sagt auch Erziehungsdepartement-Abteilungsleiterin Dettwiler. «Mit dem Systemwechsel entfällt die Vorzugsbehandlung einzelner Kindertagesstätten in Bezug auf die Finanzierung und Vermittlung von Kindern. Sie stehen neu im Wettbewerb, wie dies bisher bei den mitfinanzierten Tagesheimen der Fall ist.» Im Gegenzug profitierten sie aber auch von zusätzlichen unternehmerischen Freiheiten, etwa der freien Preisgestaltung.