Bauprojekt
Neues Hochhaus verunsichert Riehener Einwohnerrat

Die Roharbeiten für den in Riehen umstrittenen Bau des Hochhauses an der Wiese beginnen in Kürze. Die Mittel, die der Riehener Einwohnerrat einsetzt, um dieses Projekt zu verhindern, gehen dabei gegen null.

Peter Schenk
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Ein Hochhaus oder ein schmales Türmchen? Tatsächlich kommt der Bau eher schlank daher.

Ein Hochhaus oder ein schmales Türmchen? Tatsächlich kommt der Bau eher schlank daher.

mzi

Die Kritik kommt zu spät. Am Freitag hat der Riehener Einwohnerrat Peter A. Vogt (SVP) seine Interpellation «Die Riehener Bevölkerung will keine Hochhäuser» eingereicht, morgen wird sie behandelt. Das von Vogt beanstandete Lörracher Hochhaus, das am Leibnizweg neben Wiese und Zollfreistrasse gebaut werden soll, ist nicht mehr zu verhindern.

Im Juli hat das Lörracher Stadtparlament den Bebauungsplan beschlossen, die Baugenehmigung liegt vor und das Grundstück wurde mit dem Abbruch eines alten Parkdecks letzte Woche vorbereitet. «Unser Projekt wird kommen. In Kürze folgen die Rohbauarbeiten und das Fundament», berichtet Thomas Nostadt, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft «Wohnbau».

Riehener Einfluss geht gegen null

Vogts Fragen, ob sich der Gemeinderat dafür einsetze, dass «uns dieser Wohnturm nicht praktisch vor die Nase gesetzt wird», welche Mittel ihm zur Verfügung stehen und welche er einsetzen wird, zielen ins Leere. Seine Einflussmöglichkeiten gehen gegen null. «Der Bau ist demokratisch beschlossen und legitimiert», kommentiert Lörrachs neuer Oberbürgermeister Jörg Lutz. Dass es dabei Menschen gebe, die «ein Hochhaus nicht so prickelnd finden», sei für ihn normal.

Zwischen Riehen und Lörrach gebe es ein gutes Miteinander. Ähnlich äussert sich der Riehener Gemeindepräsident Hansjörg Wilde: «Ich bin froh über den transparenten Austausch.» Auch mit dem ästhetischen Anspruch des Baus ist er zufrieden. Für Lutz ist die Stellungnahme von Vogt eine Einzelmeinung aus dem Einwohnerrat.

Nur ein schmales Türmchen

Thomas Nostadt relativiert die Kritik am Hochhaus, das er als «ein schmales Türmchen» bezeichnet. Auf 17 Etagen sind mit einer Gesamthöhe von 56 bis 58 Metern 19 Eigentumswohnungen geplant, mit einer Grösse von bis zu 170 Quadratmetern. Die Investition liegt bei zehn bis elf Millionen Euro. Bezugsfertig sollte das Hochhaus im Verlaufe des Jahres 2016 sein.

Letztes Jahr war Nostadt mit Baubürgermeister Michael Wilke im Riehener Gemeinderat, um dort das Vorhaben ausführlich vorzustellen. «Der Grundtenor war schon, dass man in Riehen darüber nicht begeistert ist.» Aber man wisse dort auch, dass Lörrach anders als Riehen unterwegs sei und andere städtebauliche Schwerpunkte setze. «Lörrach baut bewusst in die Höhe. Wir suchen händeringend nach Bauprojekten. Unser Markt läuft heiss. Lörrach wächst. Wir haben bei der Wohnbau Wohnungsanfragen von 3'000 Haushalten und dahinter stehen 6'200 Menschen. Und das bei 50'000 Einwohnern.»

Nostadt betont den seiner Ansicht nach städtebaulich opportunen Standort des Hochhauses. Er ist überzeugt: «Es tut der Flora und Fauna nicht weh.»